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Von Corona leergefegt: Zur Bilanzpressekonferenz von Schaeffler am Dienstag kamen nur wenige Journalisten persönlich.  

Autoindustrie

Täglich tagt der Krisenstab

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Der Autozulieferer Schaeffler glaubt, die Corona-Krise beherrschen zu können – hilfreich sind dabei die Erfahrungen in China.

Klaus Rosenfeld wirkt souverän. „Wir haben früh reagiert“, sagt der Chef des Herzogenauracher Autozulieferers Schaeffler zur Bilanzvorlage in München. Er meint damit nicht Branchenstrategien sondern die Reaktionen des Unternehmens auf das Coronavirus. Die Auslastung der chinesischen Schaeffler-Werke sei wieder bei 80 Prozent, nachdem sie zum Höhepunkt der Epidemie in China geschlossen worden sind. 95 Prozent des dortigen Personals sei wieder am Arbeitsplatz. „Keine unserer Lieferketten war beeinträchtigt“, betont Rosenfeld. Dabei stehe Schaeffler in China mit rund 100 Firmen im Austausch. Diese positiven Erfahrungen wollen die Franken nun auf ihr europäisches Geschäft übertragen, wo die Corona-Krise noch am Anfang steht. „Unser Krisenstab tagt täglich“, beschreibt der Manager die Lage.

Um Lieferketten zu sichern hat Schaeffler beispielsweise Zulieferungen von Containerschiffen auf die Schiene verlagert. Es sei absehbar, dass die Ladung von Schiffen aus China in europäischen Häfen nicht mehr gelöscht werde, erklärt der Schaeffler-Chef. Per Eisenbahn seien zugelieferte Teile zudem binnen drei Wochen und damit doppelt so schnell in Europa. Es kostet allerdings auch mehr.

Einen Corona-Verdachtsfall an einem heimischen Standort habe man rechtzeitig nach Hause verbannt, sagt Rosenfeld. Alle Mitarbeiter würden beim Betreten des Firmengeländes gefragt, ob sie zuletzt in Risikogebieten waren. Bei Verdachtsmomenten kommt der Betriebsarzt und schickt Betroffene entweder nach Hause oder gleich in Quarantäne. Geschäftsreisen in und aus Krisengebieten heraus sind untersagt. Eine italienische Schaeffler-Fabrik nahe Mailand arbeitet aber noch. Dort hergestellte Produkte könne man aber auch andernorts fertigen, sagt Rosenfeld und glaubt beim eigenen Krisenmanagement vorbildlich zu sein. In China sei es Schaeffler gelungen, die Krise verantwortungsvoll zu managen. Das müsse man nun auf Europa übertragen.

Zusätzlicher Stellenabbau im Unternehmen drohe wegen der Corona-Krise jedenfalls nicht, beruhigt der Schaeffler-Chef. Auch Kurzarbeit sei aktuell nicht in Sicht. Dazu muss man allerdings wissen, dass der Konzern voriges Jahr wegen der Umstellung auf Elektromobilität ohnehin schon knapp 5000 Stellen gestrichen hat und in Deutschland derzeit ein weiteres Abbauprogramm über 1300 Arbeitsplätze läuft. Alles beruhe auf Freiwilligkeit, betont Rosenfeld. Betriebsbedingte Kündigungen gebe es weiter nicht. Wenn alles vollzogen ist, beschäftigt Schaeffler in Deutschland noch rund 30 000 und weltweit 86.000 Leute.

Derzeit glaubt Schaeffler 2020 mit dem Coronavirus als großer Unbekannten relativ glimpflich zu überstehen. Rosenfeld kalkuliert mit maximal zwei Prozent Umsatzrückgang, nachdem 2019 eine Stagnation bei 14,4 Milliarden Euro gebracht hatte. Die operative Umsatzrendite werde wohl weiter von 8,1 auf 6,5 bis 7,5 Prozent sinken, nachdem sie 2018 noch bei 8,9 Prozent gelegen hatte.

Optimistisch stimmt Rosenfeld neben dem erfolgreichen Krisenmanagement auch der Umstand, dass Schaeffler nun endlich in der Elektromobilität angekommen sei. Vier von 15 Milliarden Euro Auftragseingang 2019 stammen mittlerweile aus diesem Bereich. Schaeffler kann mittlerweile komplette Elektromotoren bauen. Zudem dürfte sich die in Folge von Stellenabbau verbesserte Kostenstruktur zunehmend bemerkbar machen. Gegenwind kommt aus der Autobranche, der Schaeffler zuliefert. Nachdem die Weltautoproduktion voriges Jahr um 5,6 Prozent auf knapp 89 Millionen Fahrzeuge geschrumpft ist, schätzt Rosenfeld für 2020 einen weiteren Rückgang um drei bis fünf Prozent. Voraussetzung sei, dass die Corona-Krise nicht völlig aus dem Ruder läuft. „Das ist eine neue Risikokategorie“, sagt Rosenfeld.

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