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2,6 Millionen Lastwagen passieren Jahr für Jahr den Containerhafen in Dover.

Brexit

Szenarien des Schreckens

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70 "Mitteilungen zur Vorbereitung auf den Brexit" sind aktuell online abrufbar. Dahinter verbergen sich furchterregende Fakten.

Zur Vorbereitung auf den Chaos-Brexit hat London eine Reihe von Arbeitspapieren für diverse Branchen herausgegeben. Das Brexit-Ministerium folgt damit der EU-Kommission, auf deren Website derzeit 70 „Mitteilungen zur Vorbereitung auf den Brexit“ abrufbar sind. Dahinter verbergen sich furchterregende Fakten. So könnten Airlines mit lediglich britischer Betriebsgenehmigung von Ende März an nicht mehr in den europäischen Luftraum fliegen. Sich einfach zu einem europäischen Unternehmen umzuwidmen, ist gar nicht so einfach. Der Vorgabe der EU-Kommission zufolge muss ein Luftfahrtunternehmen nämlich zu mindestens 50 Prozent EU-Aktionären gehören.

Die britische Autobahnbehörde sperrt in den kommenden Wochen jeweils für einige Stunden die Autobahn M20 von London nach Folkestone und Dover am Ärmelkanaltunnel für Bauarbeiten. Ein 20 Kilometer langer Abschnitt soll bei Bedarf in einen riesigen Lastwagenparkplatz verwandelt werden; dazu müssen Mittelstreifen und Abschleppspur befestigt und teils verbreitert werden. Selbst wenn jede Kontrolle zukünftig nur zwei Minuten länger dauern werde, würden sich die Fahrzeuge auf beiden Seiten des Kanals binnen weniger Tage mehrere Dutzend Kilometer lang stauen, haben Transportexperten errechnet.

Den Containerhafen Dover passieren jährlich 2,6 Millionen Lastwagen, 120-mal fahren Fähren täglich nach Calais und zurück. 30 Prozent seines Nahrungsmittelbedarfs importiert Großbritannien aus der EU – „und alles beruht auf ‚just in time‘, um die Lagerkosten niedrig zu halten“, erläutert Tim Reardon vom privaten Hafenunternehmen in Dover. 

Im Umfeld der Nordseehäfen gibt es kaum noch Warenlager mit Kühleinrichtungen. Probleme mit der Lebensmittel- und Medikamentenversorgung könnten Krawalle zur Folge haben, wie sie im Sommer 2011 mehrere englische Städte an den Rand der Anarchie gebracht hatten – diese Vorhersage wagte im Sommer der britische Chef des US-Giganten Amazon.

Auch die Prognosen ernstzunehmender Volkswirtschaftler lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Demnach würden große EU-Mitglieder wie Deutschland und Frankreich Einbußen von bis zu einem Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts erleiden, wenn der Handel mit der siebtgrößten Volkswirtschaft der Welt kompliziert oder gar zeitweise abgeschnitten würde. Großbritannien selbst sagen Gutachten einen katastrophalen Konjunktureinbruch von bis zu vier Prozent voraus. Ökonomen sehen ausgerechnet jene Bevölkerungsgruppe als Brexit-Verlierer, die besonders begeistert für den EU-Austritt gestimmt hat, nämlich ungelernte Arbeiter mit Hauptschulabschluss. 

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