1. Startseite
  2. Wirtschaft

T-Systems unter Verdacht

Erstellt:

Von: Johannes Dieterich

Kommentare

Korrupte Umtriebe: Südafrikas Ex-Präsident Jacob Zuma 2021 vor Gericht.
Korrupte Umtriebe: Südafrikas Ex-Präsident Jacob Zuma 2021 vor Gericht. afp © AFP

Die Telekom-Tochter soll in Südafrika vom Korruptionssystem des ehemaligen Präsidenten Jacob Zuma profitiert haben. Jetzt ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft.

Der zweifelhafte Ruf deutscher Firmen, gleich in mehrere gigantische Korruptionsskandale in Südafrika verwickelt zu sein, ist um einen Eintrag reicher. Nachdem den Essener Rüstungsschmieden Thyssen-Krupp und Ferrostaal im Zusammenhang mit einem Waffeneinkauf die Zahlung von Millionen Euro an Schmiergeldern vorgeworfen wurde, und der Walldorfer Software-Konzern SAP der Beteiligung an den korrupten Machenschaften des einstigen Staatspräsidenten Jacob Zuma und der mit ihm befreundeten indischen Einwandererfamilie Gupta bezichtigt wird, ist nun auch die einstige Deutsche Telekom-Tochter „T-Systems Südafrika“ ins Gerede gekommen.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat jetzt Ermittlungen gegen das zu 30 Prozent dem deutschen Staat gehörende Unternehmen T-Systems aufgenommen, nachdem der Südafrikaner Paul Holden Strafanzeige gegen die in Frankfurt ansässige Firma erstattet hatte. Der investigative Journalist ist Mitgründer der Londoner Anti-Korruptionsorganisation „Shadow World Investigations“ und hat sowohl bei der Aufdeckung des Rüstungsskandals wie der korrupten Umtriebe Zumas und der Gupta-Brüder mitgewirkt. Letztere sind in Südafrika als „State Capture“ bekannt.

Nach Informationen Holdens gehörte die südafrikanische Tochter von T-Systems zu den größten Nutznießern der illegalen Geldströme, die mit dem State Capture in Verbindung gebracht werden. Insgesamt sollen dem deutschen Unternehmen zweifelhafte Aufträge über 12,3 Milliarden Rand (nach dem damaligen Kurs rund eine Milliarde Euro) zugekommen sein. Teilweise floss das Geld einer Firma der Frau des „Gupta-Leutnants“ Salim Essa zu um dort „gewaschen“ zu werden.

Holden sagte bereits vor der Zondo-Kommission aus, die der Untergrabung des Staates durch den Klüngel um Zuma und die Gupta-Brüder in einer über drei Jahre langen Untersuchung nachgegangen war. Sie veröffentlichte ihre Erkenntnisse Anfang dieses Jahres in fünf Bänden. Schon dort kamen zahlreiche Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit mehreren Verträgen zwischen der staatlichen Bahngesellschaft Transnet und T-Systems zur Sprache. Unter anderem soll die deutsche Firma für 2200 PC bezahlt worden sein, von denen jedoch nur die Hälfte geliefert wurde.

Zu ersten Regelverstößen kam es bereits bei der Zuschreibung eines Milliarden an Rand umfassenden Auftrags von Transnet an T-Systems im Jahr 2010. Damals erhielt das deutsche Unternehmen den Zuschlag, obwohl es nach Preis und anderen Kriterien lediglich auf Platz drei gelandet war. Verantwortlich für den Regelverstoß wird der Transnet-Chef und Gupta-Freund Brian Molefe gemacht, der sich inzwischen wegen seiner Machenschaften als Chef des staatlichen Transportunternehmens und des Stromkonzerns Eskom vor Gericht verantworten muss. Auch von Eskom erhielt T-Systems später Aufträge in Milliardenhöhe. Holden zufolge hat das deutsche Unternehmen mehr als jede andere westliche Firma vom südafrikanischen State Capture profitiert. Lediglich die halbstaatliche chinesische Railway Rolling Stock Corporation soll in vergleichbarem Ausmaß von der Korruption beim Verkauf überteuerter Lokomotiven profitiert haben.

Im Februar 2017 sollte T-Systems erneut bei der Vergabe einer Transnet-Ausschreiben bevorzugt werden. Damals ging jedoch der südafrikanische Konkurrent Gijima vor Gericht und bekam den Zuschlag nachträglich zugeschrieben. Nachdem Zuma im Frühjahr 2018 zum Rücktritt gezwungen worden war, verkaufte T-Systems seine südafrikanische Tochter – ausgerechnet an den Konkurrenten Gijima.

Auch interessant

Kommentare