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In den Nicht-ETS-Sektoren wurde bis inklusive 2018 fast noch keine CO2-Reduktion erzielt, im Verkehrssektor gab es zuletzt sogar ein Steigerung.

CO2-Emissionen

SUV-Boom wird Deutschland Milliarden kosten 

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Die schweren Geländelimousinen belasten massiv das Klima - und die Staatskasse. Höchste Zeit, die schweren Wagen höher zu besteuern. Die Analyse. 

Der SUV-Absatz boomt. Die „Geländelimousinen“ sind bei der kaufkräftigen Kundschaft beliebt wie nie. Laut einer Studie des Car-Center der Uni Duisburg-Essen lag der Anteil von SUV im ersten Halbjahr 2019 in Deutschland bei 31,4 Prozent, es war damit die meistverkaufte Karosserievariante hierzulande. Im Juni wurden erstmals in einem Monat mehr SUV zugelassen als Fahrzeuge in der Kompaktklasse. Volkswagen meldete jüngst höhere Gewinne dank des Booms in diesem Segment. Gleichzeitig wächst die Kritik an den „Klimakiller-Fahrzeugen“, wie die Deutsche Umwelthilfe sie bezeichnet. Doch auch für den Steuerzahler wird der SUV-Boom teuer, wie eine aktuelle Analyse des Freiburger Beratungsbüros „Ö Quadrat“ zeigt.

Hintergrund sind die von der Bundesregierung gegenüber der EU eingegangenen Klimaschutz-Verpflichtungen. Danach muss Deutschland seinen CO2-Ausstoß in den Bereichen Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft bis 2030 um 38 Prozent gegenüber 2005 senken. Es sind die Sektoren, die anders als Kraftwerke und Industrie nicht über den EU-Emissionshandel (ETS) reguliert werden. Das Problem:

Deutschland muss CO2-Emissionen reduzieren 

In den Nicht-ETS-Sektoren wurde bis inklusive 2018 fast noch keine CO2-Reduktion erzielt, im Verkehrssektor gab es zuletzt sogar ein Steigerung. Im Jahrzehnt bis 2030 muss daher umso mehr geleistet werden. Konkret: Jedes Jahr müssen 14 Millionen CO2 zusätzlich eingespart werden.

Schafft Deutschland das nicht, und danach sieht es derzeit aus, wird es teuer. Der Bund muss in jedem Jahr, in dem die Zielwerte überschritten werden, zum Ausgleich Emissionszertifikate bei anderen EU-Ländern kaufen, die ihre Zielwerte übererfüllt haben. Ohne eine Kehrtwende im Verkehrssektor wird der Bund nach der Berechnung der Freiburger Experten im nächsten Jahrzehnt insgesamt 220 Millionen Tonnen CO2 auf diesem Weg „kompensieren“ müssen. Daraus ergeben sich finanzielle Belastungen für den Haushalt von bis zu 22 Milliarden Euro, wenn man die Zertifikatpreise ansetzt, die der Thinktank Agora Energiewende für realistisch hält – nämlich 50 bis 100 Euro pro Tonne. Diese Werte finden sich in der Agora-Studie „Die Kosten von unterlassenem Klimaschutz für den Bundeshaushalt“.

„Absurder Wettbewerb um den größten, längsten Monster-SUV“

Erstmals hat „Ö Quadrat“ diese Kosten nun auf den CO2-Beitrag einzelner Fahrzeuge umgelegt. Ergebnis: Ein SUV, das pro Kilometer rund 100 Gramm mehr CO2 ausstößt als ein Kompaktklassen-Pkw belastet die Staatskasse bei einer Jahresfahrleistung von 14 000 Kilometern über zehn Jahre hinweg durch den dafür nötigen Zertifikatekauf mit bis zu 1400 Euro. Ähnlich sieht es bei echten Geländewagen und sehr hoch motorisierten Limousinen mit entsprechendem CO2-Ausstoß aus.

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Die Berechnung dieser versteckten Subvention ist wie Wasser auf Mühlen der Kritiker der deutschen Autopolitik. DUH-Chef Jürgen Resch ätzte jüngst zu Recht: Die deutschen Hersteller lieferten sich, angereizt durch viele Fördermilliarden, einen „absurden Wettbewerb um den größten, längsten Monster-SUV“, während sie die globale Nachfrage nach innovativen E- Autos vernachlässigten. Abhilfe könnte eine gezielte Förderung emissionsarmer Pkw nach französischem Modell bringen. Deren Käufer erhalten dort bei der Zulassung einen Zuschuss, während die von CO2-Schleudern belastet werden.

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