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Superfood und Achtsamkeit

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Warum das für den Erfolg einer Firma nicht reicht.

Von Stephanie Borgert

Dass „perfekte“ Mitarbeiter nicht wie Pilze aus dem Boden schießen, ist kein Geheimnis. Gott sei Dank lässt sich mit den bestehenden auch einiges anfangen. Nur sind diese häufig suboptimal ausgestattet ob ihrer Leistungsbereitschaft, Motivation, Belastbarkeit, ihrem Ehrgeiz oder der Produktivität. Macht nix, dafür gibt es schließlich ein mannigfaltiges Angebot an Optimierungskursen. Nach „Selbst- und Zeitmanagement“ kommt „Überzeugen leichtgemacht“ und „Denk positiv“.

Um Veränderungen nicht allzu stur zu begegnen üben sie „Mach es einfach!“ und bilden dabei ihre Achtsamkeit weiter aus. „Akzeptiere und liebe Dich selbst“ heißt es, bevor anschließend die eigene Authentizität und das Charisma getunt werden. Optimierungswillige Mitarbeiter wissen längst, dass der wirklich ultimativ echte und einzige Weg zum Glück im Steuern der eigenen Gedanken liegt. Das trainieren sie in der Glücksschule, frei nach dem Motto: „Gehe in dich, auch wenn Du dort nichts findest.“

Beim täglichen Bürostuhl-Yoga fällt ihr Blick auf den Sinnspruchkalender, der zur Reflexion anregt und immerhin für inflationäre Posts auf Facebook & Co. geeignet ist. Der Optimierungswille ist stark und damit das Fleisch nicht zu schwach wird, nehmen Mitarbeiter an der firmeninternen Rückenschule teil und buchen ihren Bildungsurlaub aus der Rubrik „Gesund essen“.

Um sie perfekt zu unterstützen gibt es in der Kantine neuerdings einen Bereich mit veganem Superfood, dessen Verzehr der umgehängte Schrittzähler mit einem freundlichen Pieps quittiert. Und wenn dann der WAI (Workability Index) im grünen Bereich liegt, ist der Mitarbeiter auf einem guten Weg. Oder völlig ausgelaugt von der ständigen Optimierung und überfordert von den Ansprüchen: „Sei dies und tue jenes!“.

Aber egal ob perfekt oder dauergestresst, der einzelne Mitarbeiter ist gar nicht so wichtig, wie ständig postuliert wird. Für den Erfolg eines Unternehmens reicht es nicht, die einzelnen Protagonisten zu optimieren. Es sind die Bedingungen, die einer Optimierung bedürfen, denn Menschen verhalten sich ihnen entsprechend. Sind die Bedingungen gut, gelingt der Erfolg. Ganz nebenbei zeigen die Mitarbeiter all das „perfekte“ Verhalten von allein und ohne Optimierungsmarathon.

Die Autorin ist Managementberaterin. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Die Irrtümer der Komplexität“.

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