1. Startseite
  2. Wirtschaft

Das Südsee-Paradies für Fans der Kryptowährung

Erstellt:

Kommentare

So sieht Satoshi Island momentan aus.
So sieht Satoshi Island momentan aus. © Businesswire

Ein britisches Paar will auf einer Insel im Pazifik eine Stadt nur für diejenigen errichten, die in Bitcoin & Co. investieren: Was es damit auf sich hat.

Satoshi Island – Wer hat schon die Chance, eine eigene kleine Gesellschaft zu gründen? Eine Stadt von Null aufzubauen? Wo alle am gleichen Strang ziehen und das gleiche Interesse teilen. In diesem Fall: Kryptowährungen. Der Brite Anthony Welch und seine Partnerin Theresa haben sich genau so einen Traum auf die Fahnen geschrieben. Nachdem sie über ein Jahrzehnt ein Robinson-Crusoe-Leben allein auf einer relativ unberührten Insel im Südpazifik geführt haben, wollen sie das Paradies nun in eine Krypto-Utopie umwandeln.

In dieser Utopie will Welch – ein pensionierter Immobilieninvestor – über 20.000 Kryptoinvestoren anwerben, die auf seiner Insel in einer demokratischen Struktur leben und arbeiten sollen. Passend zu seinem Traum hat er die Insel von seinem einheimischen Namen Lataro in Satoshi umbenannt – in Anlehnung an Satoshi Nakamoto, das Pseudonym der Person, die Bitcoin erfunden hat. Satoshi gehört zu Vanuatu – einem Pazifikstaat zwischen Australien und Fidschi. Sobald die Investoren stehen, soll auf der drei Millionen Quadratmeter großen Insel, die derzeit zu 90 Prozent mit Regenwald bedeckt ist, eine „nachhaltige Smart City“ mit Wohnblöcken und Büroräumen entstehen. „Die Technologieindustrie hat das Silicon Valley, die Unterhaltungsindustrie hat Los Angeles und bald wird die Krypto-Community ihr eigenes Mekka haben“, wird James Law, einer der Organisatoren neben Welch, in einer Presseerklärung für das Projekt zitiert.

Kehrtwende beim Marketing

In einem Artikel im „Guardian“ wird allerdings hinterfragt, wie Welch das ursprüngliche Marketing der Insel als „Wildlife Nature Reserve“ mit seltenen Riesenkrabben, einem unberührten Korallenriff und üppigen Regenwäldern mit der aktuellen Idee verbinden will. Denn noch vor nicht allzu langer Zeit wollte das Paar die Insel eigentlich für zwölf Millionen Australische Dollar, umgerechnet 7,88 Millionen Euro, verkaufen. In einem Video preiste Welch ein ökologisches Paradies an, das seit Jahrtausenden ungestört vom Menschen gewesen sei. Zeitweise sollen sich die Briten sogar darum bemüht haben, die Insel als Wildschutzgebiet auszuweisen.

Inzwischen liegt der Fokus der Briten völlig auf dem neuen Kryptoprojekt. Laut der Organisatoren wird dieses von der Regierung von Vanuatu wie auch von der einheimischen Gesellschaft unterstützt. Im Interview mit dem „Guardian“ betonte Welch, dass es rein darum gehe, eine Gemeinschaft aufzubauen und nicht darum, Profit zu machen. Zudem seien die Kryptofans auf ihn zugekommen, nachdem er seine Insel zum Verkauf angeboten hatte. „Das Krypto-Paradies, das sie bauen wollen, ist eine wirklich coole Idee“, schwärmte Welch. Das Team habe lange gebraucht, um einen geeigneten Standort zu finden. Da Vanuatu keine Einkommenssteuern habe und auch keine Steuern auf Kryptotransaktionen erhebe, sei das Land ideal für das Projekt.

Heute arbeitet Welch mit einem ganzen Team zusammen, um die Krypto-Utopie Realität werden zu lassen. Unter den Machern sind ein Architekt, ein Krypto-Unternehmer und ein Vertreter des Vanuatu Investment Migration Bureau, einer Agentur, die Staatsbürgerschaften für Vanuatu verkauft. Eine Staatsbürgerschaft zu erwerben ist nötig, um auf der Insel leben zu können. Letztere kostet 130 000 US-Dollar.

Staatsbürgerschaft muss gekauft werden

Das Staatsbürgerschaft-Programm in Vanuatu, das eine wichtige Einnahmequelle für das Land ist, stand jedoch schon häufiger in der Kritik, da es laut einer weiteren Untersuchung des „Guardian“ aus dem vergangenen Jahr auch etliche dubiose neue Bürger:innen anzieht. So sollen unter den 2200 Ausländern, die 2020 die Staatsbürgerschaft von Vanuatu erwarben, ein syrischer Geschäftsmann sein, der mit US-Sanktionen belangt wurde, ein nordkoreanischer Politiker und südafrikanische Brüder, die Kryptowährungen in großem Stil gestohlen haben sollen.

Das Satoshi Island-Projekt ist übrigens nicht das einzige Krypto-Projekt in Planung. Die Region scheint insgesamt Kryptofans anzuziehen: Ein ähnliches Projekt auf Fidschi, wo ebenfalls ein Tropenparadies für Kryptofans entstehen sollte, scheint zwar in Probleme geraten zu sein, wie Medienberichte vermuten lassen. Doch zumindest über Twitter setzt Cryptoland nach wie vor hoffnungsvolle Tweets ab. Ganz begraben scheint der Traum also noch nicht zu sein.

Ein weiteres Kryptoprojekt plant Palau, ebenfalls ein kleiner Inselstaat im Pazifik, etwas über 3000 Kilometer südlich von Japan gelegen. Der dortige Präsident will bis Ende des Jahres einen von der Regierung unterstützten Stablecoin einführen. Die nationale digitale Währung soll den Bürger:innen den Handel erleichtern. Auch Satoshi Island will noch vor Ende des Jahres die ersten Bürger:innen begrüßen. Die Bauarbeiten laufen nach Angaben der Organisatoren bereits. (Barbara Barkhausen)

Auch interessant

Kommentare