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In den Tresor geguckt: Welche Banken haben genug Geld und können einer Krise widerstehen?
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In den Tresor geguckt: Welche Banken haben genug Geld und können einer Krise widerstehen?

Banken-Stresstest

Auf der Suche nach der Krisenbank

  • Markus Sievers
    VonMarkus Sievers
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Die Europäische Bankenaufsicht unterzieht europäische Finanzkonzerne einem Stresstest. In der Nacht zu Samstag werden die Ergebnisse bekanntgegeben. Eng wird es für Italien und sein Bankensystem.

Hochspannung im Finanzsektor: In der Nacht zu Samstag gibt die Europäische Bankenaufsicht (EBA) bekannt, wie die großen Geldhäuser für eine Krise gewappnet sind. Die gute Nachricht vorweg: Diesmal haben die Prüfer den Test so angelegt, dass niemand durchfallen kann.

Was erfahren wir durch den Test? Mit wirklich neuen, überraschenden Erkenntnissen rechnen die Experten nicht. Sie erwarten aber einen fundierten Überblick darüber, wie tief die Banken in den einzelnen Ländern in Schwierigkeiten stecken. Spannend wird es für die italienischen Banken. Von ihnen ist bekannt, dass sie in der Krise stecken. Die Ergebnisse des Stresstests werden erst veröffentlicht, wenn die Börsen geschlossen sind. So besteht übers Wochenende Gelegenheit, ohne den akuten Druck der Finanzmärkte für wacklige Banken eine Lösung zu erarbeiten.

Wen testet die Bankenaufsicht? EU-weit mussten sich 51 Banken mit einem Anlagevolumen von jeweils mindestens 30 Milliarden Euro dem Test stellen. Beim letzten Stresstest 2014 nahm die Aufsicht noch 123 Geldhäuser unter die Lupe. Diesmal will die EBA sich auf die großen Fälle mit den großen Risiken konzentrieren. Parallel nahm sich die Europäische Zentralbank 56 weitere Kreditinstitute aus der Euro-Zone vor. Diese Ergebnisse werden aber nicht veröffentlicht. Sie dienen den Aufsichtsbehörden als Grundlage für eine bessere Einschätzung der Lage. Bei kleinen Instituten führen die nationalen Behörden zudem ähnliche Verfahren durch.

Aus welchen Ländern kommen die Banken beim europäischen Stresstest? Die EBA mit Sitz in London ist für alle EU-Staaten verantwortlich, also auch für Länder außerhalb der Euro-Zone. Aus Deutschland sind die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Deka-Bank, die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die Landesbank Baden-Württemberg, die Bayern LB, die NordLB, die NRW Bank und Volkswagen Financial Services dabei. Größere Probleme seien für die deutschen Kandidaten nicht zu erwarten, betont der Bankenverband BDB. Das heißt, dass keine hiesige Bank um ihre Existenz bangen muss. Viele wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank kämpfen aber mit erheblichen Belastungen für ihr Geschäft und ihre Gewinne.

Was genau untersucht die EBA? Die Aufseher schauen sich die Kapitaldecke an, die Kreditvergabe, die Altlasten und mögliche Risiken wegen wackliger Darlehen. Und sie spielen einen wirtschaftlichen Schock durch. Sie wollen wissen, was mit den Banken passiert, wenn die Wirtschaft zwei Jahre schrumpft und auch danach nur langsam aus der Rezession herausfindet. Auch die Gefahr, dass steigende Zinsen die Planungen durcheinanderwirbeln könnten, taucht in den Simulationen auf. Zum ersten Mal bezieht der Test auch Rechtsrisiken ein.

Wie viele Banken werden durchfallen? Keine. Diesmal sahen die Aufseher davon ab, Mindestanforderungen für die Kapitalquoten vorzugeben. Sie spielen durch, wie viel Eigenkapital zur Absicherung eine Bank in dem Krisenszenario noch aufweisen kann. Sie bescheinigen aber keinem Institut, zu wenig Eigenkapital bereitzuhalten. Dies werden weiter und dauerhaft die Aufsichtsbehörden prüfen und dabei die Informationen aus dem Stresstest berücksichtigen. Beim vorherigen Stresstest waren von 123 Banken 24 durchgefallen, darunter mehrere aus Italien.

Wie sinnvoll ist eine Prüfung, bei der niemand durchfallen kann? Viele Fachleute halten die Aussagekraft in der Tat für gering. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, hält aber dagegen. Der Test sei wichtig, weil er Klarheit über mögliche Risiken schaffe. Kritiker weisen noch auf eine andere Schwachstelle hin: Das Krisenszenario, das die Widerstandsfähigkeit bei widrigen Umständen zeigen soll, unterstellt steigende Zinsen. Sicherlich birgt der Ausstieg aus den ultraniedrigen Zinsen in der Übergangsphase für Banken Stolpersteine. Nichts deutet aber darauf hin, dass die Wende ansteht. Realistischer ist, dass die Banken noch lange mit Minizinsen oder negativen Zinsen zu kämpfen haben werden. Dies aber untersucht das Examen nicht.

Also viel Aufregung um nichts? Nein. Der Stresstest fällt in eine extrem schwierige und unsichere Zeit - auch und gerade für Banken. Besonders für italienische Institute wird es brenzlig. Der Stresstest dürfte daher ein Anstoß sein, um lange diskutierte Entscheidungen zu treffen. Um Panik nach der Veröffentlichung der Stresstest-Resultate zu vermeiden, arbeitet Ministerpräsident Matteo Renzi laut Medienberichten aus Italien bereits an einer Lösung zur Rettung der angeschlagenen Bank Monte dei Paschi di Siena. Wie es heißt, setzt Renzi nun doch auf eine private Lösung mit privatem Geld und verzichtet wegen des Widerstands aus Berlin und Brüssel auf ein staatliches Hilfsprogramm. Auch die EU-Kommission trifft aber Vorkehrungen für den Notfall.

Kann das gut gehen? Die Gefahren sind enorm. Welcher Investor ist bereit, in dieser Lage italienischen Banken Geld zu geben? Renzi will offenbar die Finanzbranche zwingen, den Branchenfonds für Rettungseinsätze aufzustocken. Und Monte dei Paschi sucht mit Hilfe von Investmentbanken aus den Vereinigten Staaten nach Kapitalgebern. Allerdings sitzt sie auf faulen Krediten in Höhe von 47 Milliarden Euro. Es wird also eng und auch zeitlich knapp für die Bank aus Siena. Ein Scheitern könnte Schockwellen nach ganz Europa aussenden.

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