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Mehrere US-Labore haben die belegten Brötchen von Subway untersucht. Ihre Ergebnisse lösten eine Debatte in den USA aus.
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Mehrere US-Labore haben die Sandwiches von Subway untersucht. Ihre Ergebnisse lösten eine Debatte in den USA aus.

Fast Food

Subway: Verunsicherung nach Untersuchung der Sandwiches

  • Sebastian Moll
    VonSebastian Moll
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Die Fast-Food-Kette Subway muss sich gegen schwere Vorwürfe verteidigen: In den Thunfisch-Sandwiches soll nicht das stecken, womit das US-Unternehmen wirbt.

Frankfurt/New York – Es wäre nicht der erste Lebensmittelskandal in der Branche. Schon immer hat sich die Fast-Food-Kette Subway bemüht, sich von Mitbewerbern wie Burger King und McDonald’s abzuheben. Der Werbeslogan des Sandwich-Anbieters lautet „Eat Fresh“ – Esst frisch – und in den Lokalen kann man dabei zusehen, wie die belegten Brote gemacht werden. So soll das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten gestärkt werden.

Umso härter traf Subway in diesem Frühjahr der Vorwurf, dass in den Broten alles Mögliche steckt, nur nicht das, was das Unternehmen bewirbt. Zwei Kunden in San Francisco legten Labor-Analysen vor, die zu beweisen schienen, dass zwischen den U-Bahn-Wagen-förmigen Broten des Thunfisch-Sandwichs nichts steckt, was auch nur entfernt als Thunfisch zu identifizieren wäre.

Subway-Skandal: Franchise-Kette wehrt sich gegen Vorwürfe

Der Konzern, der weltweit mehr Sandwiches verkauft als jeder andere, setzte sich brüskiert zur Wehr. Selbstverständlich bestünden die Thunfisch-Brote, die beliebtesten im Subway-Angebot, aus nichts anderem, als aus gekochtem Thunfisch und Mayonnaise.

Doch die Beschwichtigungen des Konzerns überzeugten nicht jeden. Gleich mehrere investigative Journalist:innen gingen der Sache auf den Grund, um herauszufinden, was denn in den mehr als 23 000 Subway-Restaurants der USA tatsächlich als Fisch-Brötchen angeboten wird.

Die Ergebnisse waren widersprüchlich: Das Team des Fernsehsenders NBC, das Sandwiches aus drei Filialen in New York in ein Labor in Florida schickte, bescheinigte Subway, dass in den Broten tatsächlich Thunfisch steckt.

Laboruntersuchungen der Sandwiches bestätigen Subway-Skandal

Eine Untersuchung der New York Times von Stichproben aus Kalifornien bestätigte hingegen den Verdacht der Klägerinnen und Kläger: Die beauftragten Labors konnten keine DNA finden, die mit einer der 15 gängigen Thunfisch-Sorten vergleichbar gewesen wären

Dennoch hütete sich die besonnene New York Times davor, Subway voreilig zu verurteilen. Es könne durchaus sein, so die Reporterin, dass der Verarbeitungsvorgang des mehrmaligen Kochens und Einfrierens des Fischfleisches die DNA bis zur Unkenntlichkeit verändert.

Die wertvollsten Fastfood-Ketten.

Nicht mehr einzufangen aber ist der PR-Schaden, den Subway durch den Vorfall genommen hat. Bei vielen US-Kundinnen und -Kunden bleibt eine Skepsis gegenüber dem, was in den Filialen des Unternehmens als frisch angepriesen wird. Erst im Herbst des vergangenen Jahres war Subway in die Kritik geraten, weil die Broten mehr Zucker enthielten als erlaubt. Mit der Folge, dass Subway-Brot streng genommen nicht mehr als Brot bezeichnet werden darf.

Der Subway Skandal brachte einmal mehr die gesamte Fast-Food-Branche ins Gerede, die in den USA unter Beschuss ist, seit Eric Schlosser im Jahr 2001 sein bahnbrechendes Buch „Fast Food Nation“ veröffentlichte. Zum zehnten Publikationsjubiläum 2011 hatte Schlosser noch gesagt, er hoffe, dass die Welt, die das Buch beschreibt – „so voller Gier und so gänzlich ohne Mitgefühl“- im Jahr 2021 verschwunden sein werde. Diese Hoffnung scheint sich nicht zu bewahrheiten.

Nicht zuletzt wegen Schlossers Buch hatte der Kongress zwar im Jahr 2011 ein weitreichendes Gesetz zur Lebensmittelsicherheit verabschiedet, das bis 2015 dann auch vollständig implementiert wurde. Dennoch erkranken noch immer jährlich 48 Millionen Menschen an Lebensmitteln, wie die US-Gesundheitsbehörde CDC schätzt. Etwa 128 000 Menschen müssen ins Krankenhaus und rund 3000 sterben.

Es ist nicht der erste Skandal der Franchise-Kette Subway

Der Subway-Skandal ist nicht der erste seiner Art: Arsenspuren in abgefülltem Trinkwasser, hohe Konzentrationen von Blei in Nahrungsergänzungmitteln, Glassplitter in Teigtaschen von Nestlé, sowie mit Listeriose-Bakterien verdorbene Eiskrem. Der Subway-Skandal entfachte jedoch nun die Diskussion um den Preisdruck wieder, der auf den Fast-Food-Ketten lastet und der sie dazu zwingt, die Kosten der Zutaten so niedrig wie möglich zu halten.

Seit der Veröffentlichung von „Fast Food Nation“ vor 20 Jahren ist die Macht der Fast-Food-Industrie beständig gewachsen. Sie setzt heute 291 Milliarden Dollar um und wächst um acht Prozent jährlich – deutlich schneller als der Rest der US-amerikanischen Wirtschaft.

Sandwiches von Subway besonders beliebt in unteren Einkommensschichten

Der Kern der Kundschaft besteht aus den unteren Einkommensschichten, die sich nichts anderes leisten können oder keinen Zugang zu anderen Nahrungsmitteln haben. Insbesondere seit unter Menschen mit höheren Einkommen das Bewusstsein für die gesundheitlichen Folgen einer Fast-Food-Diät gewachsen ist, konzentrieren sich die großen Ketten auf die ärmere Kundschaft.

In vorwiegend von Minderheiten bewohnten Gegenden ist die Dichte von Fast-Food-Restaurants beinahe doppelt so hoch ist wie in besseren Gegenden. Das haben Studien ergeben. Die Entfernung zu Supermärkten mit einem Angebot an frischen Lebensmitteln ist ebenfalls doppelt so groß. Soziolog:innen sprechen deshalb von „Lebensmittel-Ungerechtigkeit“ oder sogar „Lebensmittel-Apartheid“. „Der Kontrast zwischen den fitten, gut verdienenden und den armen, übergewichtigen, kranken Amerikanern hat kein historisches Vorbild“, so Schlosser.

Die Anzahl der Subway-Filialen weltweit.

Das alles funktioniert freilich nur, wenn die Fast-Food-Restaurants billig bleiben – insbesondere während der Corona-Krise, in der viele Amerikanerinnen und Amerikaner in wirtschaftliche Not geraten sind. Die US-Landwirtschaft mit gigantischen Subventionen für billiges Tierfutter ist darauf schon lange ausgerichtet, die schlechten Löhne und teilweise miserablen Arbeitsbedingungen in der Lebensmittelindustrie ebenso.

Dass man es bei der Qualität nicht immer so genau nimmt, verwundert angesichts dieser Verhältnisse nicht. Auch wenn man Subway letztlich nicht schlüssig nachweisen kann, was denn nun genau in den Sandwiches steckt. (Sebastian Moll)

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