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Nicht mehr UBS-Chef: Oswald Grübel.
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Nicht mehr UBS-Chef: Oswald Grübel.

Nach Rücktritt von UBS-Chef Grübel

UBS stutzt Investment-Sparte

Oswald Grübel zieht die Konsequenz aus dem milliardenschweren Handelsskandal der UBS. Der Chef der Schweizer Großbank hat seinen Rücktritt eingereicht. Die UBS steht nun vor einem Strategiewechsel.

Von Antje Schüddemage

Oswald Grübel zieht die Konsequenzen: Der Chef der Schweizer Großbank UBS ist nach dem Zocker-Skandal, der dem Geldhaus einen Milliardenverlust eingebrockt hat, zurückgetreten. Grübel habe es für seine „Pflicht“ gehalten, „für den kürzlichen Vorfall im Zusammenhang mit dem unautorisierten Handel die Verantwortung zu übernehmen“, hieß es am Wochenende in einer Stellungnahme des Präsidenten des Verwaltungsrats, Kaspar Villiger.

Vor knapp zwei Wochen war bekanntgeworden, dass ein Londoner Händler der UBS durch illegale Geschäfte einen Verlust in Höhe von umgerechnet 2,3 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) verursacht hatte. Der 31-jährige Kweku Adoboli wurde festgenommen und wegen Betrugs angeklagt.

Mangelhafte Kontrolle

Rücktrittsforderungen hatte Grübel da noch zurückgewiesen und betont, dass er als Vorstandschef zwar für alles, was in der Bank passiere, die Verantwortung trage, sich aber nicht schuldig fühle. „Ich habe keine Fehler gemacht“, hatte der 67-Jährige gesagt. Nun musste er wohl einsehen, dass das nicht ganz richtig ist. Denn als Vorstandschef ist Grübel zwar nicht verantwortlich für betrügerische Handlungen einer seiner Investmentbanker, wohl aber dafür, dass kein Sicherheitsapparat vorhanden war, der diese rechtzeitig erkennen und unterbinden konnte.

Treibende Kraft für den Rücktritt dürfte der Staatsfonds GIC aus Singapur gewesen sein, mit einer Beteiligung von 6,41 Prozent größter Einzelaktionär der UBS. Der Fonds, der dem Institut zu Beginn der Finanzkrise mit elf Milliarden Franken beigesprungen war, hatte am Dienstag von der UBS gefordert, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um das Vertrauen in die Bank wieder herzustellen. Auf einer mehrtägigen Verwaltungsratssitzung in Singapur, war dann Grübels Entscheidung gefallen.

So sehr der Rücktritt für die krisengeplagte Schweizer Großbank eine neue Unsicherheitsphase bedeutet, so bietet er der UBS auch die Chance auf einen längst überfälligen Strategiewechsel. So soll nun das Investmentbanking, das Grübel zu alter Größe und Bedeutung zurückführen wollte, ordentlich eingedampft werden. Die Erträge der 18?000 Beschäftigte umfassenden Sparte leiden seit Monaten unter den schwachen Kapitalmärkten. Hinzu kommen schärfere Eigenkapitalregeln, die das Geschäft erheblich verteuern. Um dies auszugleichen war Grübel im Eigenhandel der Bank deutlich ins Risiko gegangen.

Damit soll nach den Worten Villigers jetzt Schluss sein. Die Investment Bank bleibe zwar „integraler Bestandteil“ der UBS, sagte der Präsident der Bank im Interview mit der NZZ am Sonntag. Klar ist aber, dass sie auf die Rolle des Dienstleisters für das Kerngeschäft, die Vermögensverwaltung, reduziert wird. „In Zukunft wird die Investment-Bank weniger komplex sein, weniger Risiken eingehen und weniger Kapital beanspruchen. Wir müssen auf das fokussieren, was die Kunden wirklich brauchen“, betonte Villiger weiter.

Wer diesen Umbau, der nach Angaben Villigers wohl zwei bis drei Jahre beanspruchen wird, umsetzen wird, ist derzeit noch offen. Eng eingebunden in die Kandidatensuche ist der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, der 2012 in den UBS-Verwaltungsrat gewählt wird und 2013 Villigers Job als Präsident übernehmen soll.

Europa-Chef springt ein

Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Europa-Chef Sergio Ermotti einspringen und die Bank vorübergehend leiten. Ermotti sei auch ein starker Kandidat für die endgültige Grübel-Nachfolge, sagte Villiger. Er kenne sich in der Vermögensverwaltung wie auch im Investmentbanking aus und sei zudem Schweizer.

Aber noch ein anderer Eidgenosse ist im Gespräch: Hugo Bänziger. Der 55-jährige Risikovorstand der Deutschen Bank war bereits als Kandidat für die Nachfolge von Josef Ackermann im Gespräch, konnte sich am Ende aber nicht durchsetzen. Bei der UBS hätte er nun eine zweite Chance auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden. In Fachkreisen gilt Bänziger als einer der besten Risikomanager überhaupt – und genau so einen brauchen die Schweizer jetzt dringend.

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