Ein Broker macht Dehnübungen in Tokio. Die Bank of Japan versucht, die Finanzmärkte zu entspannen: Sie erhöhte den geplanten Ankauf von Vermögenswerten um 5 Billionen Yen.
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Ein Broker macht Dehnübungen in Tokio. Die Bank of Japan versucht, die Finanzmärkte zu entspannen: Sie erhöhte den geplanten Ankauf von Vermögenswerten um 5 Billionen Yen.

Währungskrieg

Sturm im sicheren Hafen der Devisenmärkte

  • vonStephan Kaufmann
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Die Eurokrise und die Debatte über die US-Schuldenobergrenze verunsichern die Finanzmärkte. Gold, Franken und Yen versprechen Sicherheit. Doch die Aufwertung von von Yen und Franken birgt Schwierigkeiten für Japan und die Schweiz.

Der globale „Währungskrieg“ geht in eine neue Runde: Die japanische Regierung intervenierte am Donnerstag an den Devisenmärkten, um den Höhenflug der Landeswährung Yen zu stoppen. Bereits am Vortag hatte die Schweizer Zentralbank die Zinsen gesenkt, um den Wert des Franken zu senken. Die Schuldenkrisen in den USA und der Euro-Zone haben Franken und Yen zu Fluchtwährungen gemacht. Ihre Aufwertung belastet allerdings die Exportchancen für Japan und die Schweiz.

Die Krise der Euro-Peripheriestaaten, der Streit um die US-Schuldenobergrenze sowie die Furcht vor einer neuen Rezession in den Vereinigten Staaten verunsichern die Finanzmärkte. Sie flüchten daher aus Dollar und Euro und tragen ihr Geld in sichere Häfen.

Gold, Franken und Yen als sichere Häfen

Das sind neben Gold vor allem der Franken und der Yen. Denn die Schweiz und Japan erzielen hohe Überschüsse im Außenhandel. So verzeichnete Japan in den vergangenen zwölf Monaten einen Leistungsbilanzüberschuss von 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung, die Schweiz kam sogar auf zwölf Prozent. Dies bedeutet: Beide Länder sind nicht von der Zufuhr ausländischen Kapitals abhängig und gelten unter Anlegern daher als krisensicher.

Doch die Zuneigung der Investoren hat Folgen: Der Franken gewann allein in den vergangenen sechs Monaten 23 Prozent gegenüber dem Euro, seit Beginn der Krise 2008 hat er sich um über 40 Prozent verteuert. Der Yen hat gegenüber dem US-Dollar um 25 Prozent seit Beginn der Krise zugelegt  – obwohl die Leitzinsen in beiden Ländern inzwischen bei Null liegen.

Diese Aufwertung verteuert tendenziell schweizerische und japanische Waren auf dem Weltmarkt, was den Export dieser Länder belastet. Das trifft insbesondere die Schweiz hart, immerhin machen die Ausfuhren mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung aus. Rund 60 Prozent der Exporte gehen in die EU.

Stagnierendes Exportvolumen für nächstes Jahr erwartet

Die Schweiz konnte in den vergangenen Monaten ihre Ausfuhren zwar weiter steigern – aber nur, weil die Unternehmen ihre Preise deutlich senkten, um die Aufwertung des Franken zu kompensieren. Das drückt ihre Gewinne. Im Gegensatz etwa zu deutschen Firmen sind die Gewinnerwartungen für die Schweiz schwach. Nach Aussagen des Branchenverbands Economiesuisse operiert derzeit etwa ein Drittel aller Unternehmen aus der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie des Landes in der Verlustzone und lebt von der Substanz. Sollte der Franken weiter aufwerten, so dürfte dies irgendwann auch die gesamte Ausfuhr belasten. „Wir gehen von einem nahezu stagnierenden Exportvolumen im kommenden Jahr aus“, so Alexander Koch von der Bank Unicredit.

Auch den japanischen Exporteuren macht der hohe Yen zu schaffen.  So legt der Autobauer Mazda  seinen Geschäftskalkulationen einen Kurs von 83 Yen pro Dollar zu Grunde. Auch bei Konkurrent  Toyota drückt der starke Yen die Margen. Pro  20.000 Dollar teuren Autos macht Toyota nun einen um 3900 Dollar niedrigeren Gewinn, teilte der Konzern mit. 

Maßnahmen gegen Währungsstärke

Die Aufwertung kommt für beide Länder zur Unzeit: Japan leidet noch immer unter den Folgen des Erdbebens im März. Und für die Schweiz verschlechtert sich der Konjunkturausblick laufend. Daher sind nun Maßnahmen gegen die Währungsstärke unternommen worden. Am Mittwoch hatte die Schweizer  Nationalbank (SNB) die Leitzinsen auf Null gesenkt und angekündigt, Liquidität in den Markt zu pumpen, um den Franken zu drücken. Gestern intervenierte die japanische Regierung an den Devisenmärkten und verkaufte Yen, um gegen die „exzessive“ Entwicklung bei der Währung vorzugehen, sagte Finanzminister Yoshihiko Noda.

Unterstützt wurde sie dabei durch die Zentralbank. Die Bank of Japan kündigte an, ihr Programm zum Ankauf von Vermögenswerten von zehn Billionen Yen (130 Milliarden Euro) auf 15 Billionen Yen zu erhöhen. Dieser Ankauf von Wertpapieren soll die Kurse dieser Papiere erhöhen, spiegelbildlich ginge die Rendite zurück. Mit diesem Vorgehen will die Bank of Japan die Zinsen für langfristige Papiere drücken und japanische Anlagen damit unattraktiver  machen. Den Leitzins kann sie nicht mehr senken, da er bereits bei Null liegt.

Japan war mit seinem Eingriff erfolgreich, der Yen fiel gestern deutlich. Das birgt Konfliktstoff. Denn „alle Industriestaaten – vielleicht mit Ausnahme Deutschlands – leiden unter einem Mangel an Nachfrage“, erklärt die Bank Société Générale. „Jeder Versuch eines Landes, das eigene Wachstum durch die Abschwächung der Währung zu erzielen, dürfte daher auf politischen Widerstand des Auslands stoßen.“

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