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Panikverkäufe lassen Kurse purzeln. 

EZB

Dax stürzt ein

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Pläne der Europäischen Zentralbank enttäuschen die Anleger.

Die nächste Schockwelle hat die Finanzmärkte erschüttert. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor am Donnerstag zeitweise fast elf Prozent. Anleger waren von der Reaktion der Europäischen Zentralbank (EZB) auf die Corona-Krise enttäuscht, was eine Verkaufswelle auslöste. Zuvor hatte bereits US-Präsident Donald Trump mit einen Einreisestopp für Reisende aus der EU für Turbulenzen an den Börsen gesorgt.

Der EZB-Rat beschloss am Donnerstagnachmittag ein Notfallpaket. So soll es unter anderem zusätzliche günstige Kredite für Banken geben. Ihr Ankaufprogramm für Anleihen will die EZB zudem ausweiten. Die Darlehen sollen helfen, dass Banken trotz Corona weiter in der Lage sind, private Haushalte und Unternehmen zu finanzieren, sagte Andrea Enria, Vorsitzender der EZB-Bankenaufsicht. Er sprach von einem „signifikanten Schock“ für die Wirtschaft durch das Virus. Zudem soll das billige Geld bewirken, dass die Institute ihre eigenen Probleme bewältigen können, zu denen auch steigender Kostendruck beim Personal gehöre. Um den Instituten mehr Spielraum zu gewähren, werden überdies Kapitalanforderungen gelockert.

Das Virus sei ein großes Abwärtsrisiko für die Konjunktur – verbunden mit großen Unsicherheiten, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Die Notenbanker haben ihre Wachstumsprognosen für die Eurozone nun nach unten geschraubt. Mit der Ausweitung des Anleihekaufprogramms -120 Milliarden Euro zusätzlich bis zum Jahresende – will die EZB das Zinsniveau weiter senken. Das dürfte vor allem schwächeren Volkswirtschaften helfen, zuallererst Italien: Das Land ist in der EU am stärksten von der Pandemie betroffen. Rom hat gerade ein 25 Milliarden Euro schweres Hilfspaket für Unternehmen beschlossen. Das wird die Staatsverschuldung erhöhen. Durch den Schritt der Notenbank kann die Regierung bei der Ausgabe neuer Staatsanleihen aber niedrigere Zinsen verlangen. Deren Rendite liegt bei zehnjähriger Laufzeit aktuell bei 1,4 Prozent.

Nach Bekanntgabe der Beschlüsse des EZB-Rats ging es mit dem Dax steil nach unten. Die im wichtigsten hiesigen Aktienindex versammelten 30 Top-Unternehmen haben mittlerweile in gut drei Wochen rund ein Viertel ihres gesamten Börsenwerts verloren.

Die Ankündigung des Einreisestopps, der auf 30 Tage befristet ist, hatte der Börsenleitindex Dow Jones am Mittwoch um fast sechs Prozent gedrückt. Die massive Verlustserie setzte sich im frühen US-Handel am Donnerstag fort. Und der Dax war zum Handelsstart unter die wichtige Marke von 10 000 Punkten gefallen. Besonders groß waren die Einbußen der Lufthansa – mit einem Abschlag von zeitweise fast 13 Prozent. Der Transatlantikverkehr ist das Rückgrat des Konzerns.

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