+
Bei Traton ist der Absatz im Auftaktquartal 2020 um ein Fünftel auf 46 000 Fahrzeuge eingebrochen.

Umsätze

Ein Stück vom Kuchen

  • schließen

Die Nutzfahrzeugbranche strauchelt – nicht nur wegen der Krise.

Nicht nur Autobauer, auch Nutzfahrzeughersteller verlangen nach Staatshilfen. Andreas Renschler, Chef der VW-Lastwagentochter Traton, bringt sie für die gesamte Investitionsgüterbranche ins Spiel – und verknüpft das mit dem Thema Klimaschutz. „Es braucht jetzt in Europa kurzfristig Investitionsanreize zur umweltfreundlichen Erneuerung der Lkw-Flotten, um die Krise in diesem systemkritischen Sektor zu überwinden“, sagt der frühere Daimler-Manager. Er fordert staatliche Zuschüsse im Umfang von zehn bis 20 Prozent des Anschaffungspreises für Lastwagen und andere Investitionsgüter. Mit der EU in Brüssel und der Bundesregierung in Berlin stehe man deshalb in Gesprächen.

Systemrelevanz sieht Renschler für seine Branche, weil 90 Prozent des Transports von Lebensmitteln, aber auch vieler Medikamente und medizinischer Güter mittels Lkw über die Straße läuft. Ökologische Lenkung entfalte Staatshilfe hier, weil die Lkw-Flotten auf europäischen Straßen derzeit im Schnitt zwölf Jahre alt seien und eine Flottenerneuerung weniger Schadstoffausstoß mit sich bringe. Angesichts der derzeitigen Unsicherheit halten Spediteure ihr Geld zusammen und investieren kaum in neue Lkw.

Wie sehr die Nutzfahrzeugbranche von der Corona-Krise getroffen ist, zeigen jüngste Geschäftszahlen der beiden großen deutschen Nutzfahrzeugkonzerne Traton und Daimler. Bei Traton mit den drei Konzernmarken MAN, Scania (Schweden) und VW (Brasilien) ist der Absatz im Auftaktquartal 2020 um ein Fünftel auf 46 000 Fahrzeuge eingebrochen, was die Umsätze um gut ein Zehntel auf 5,7 Milliarden Euro und den operativen Gewinn um zwei Drittel auf 161 Millionen Euro hat verfallen lassen.

Besonders hart erwischt hat es MAN mit einem Absatzrückgang von über einem Viertel. Zudem sind die Münchner operativ bereits mit 78 Millionen Euro in die Verlustzone gerutscht. Das habe aber auch mit tiefgreifenden Kostenproblemen bei MAN zu tun, räumte Traton-Finanzchef Christian Schulz ein. Rote Zahlen hätte MAN im ersten Quartal auch ohne Corona geschrieben.

Auch Daimler musste im ersten Quartal mit Lastwagen und Bussen ein Absatzminus von einem Fünftel auf noch gut 97 000 Nutzfahrzeuge hinnehmen bei mehr als einer Halbierung des operativen Gewinns auf noch 247 Millionen Euro. Für die gesamte Brummibranche dürfte das aber erst der Auftakt zu weit Schlimmerem gewesen sein. Renschler und Schulz rechnen für das laufende zweite Quartal mit einem weiteren drastischen Absatzschwund und entsprechenden Auswirkungen auf Umsatz wie Gewinn.

Derzeit fährt Traton seit März geschlossene Werke in Europa schrittweise wieder hoch und hofft, dass dabei die Lieferketten nicht reißen. Dafür müsse auch der grenzüberschreitende Warenverkehr wieder gesteigert werden, betonen die Traton-Manager. An der deutsch-französischen Grenze sei der beispielsweise noch halbiert.

Auch wenn das Hochfahren der Werke klappt und Nachfrage stimuliert wird, müssen aber große Teile der MAN-Belegschaft um ihren Job bangen. Im Raum stand schon vor dem Ausbruch der Pandemie ein Abbau von 6000 Stellen und damit jedes sechsten Arbeitsplatzes. Entsprechende Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der IG Metall liegen derzeit nur auf Eis.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare