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Studie: Schon 27 Rohstoffe schwer verfügbar

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Von: Thomas Magenheim-Hörmann

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Die Versorgungslage an kritischen Rohstoffen verschlechtert sich, wie eine Studie zeigt. Viele Materialien für Trendtechnologien sind davon betroffen.

Deutschland ist arm an Rohstoffen. 45 davon haben das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln und dessen Beratungszweig IW Consult als besonders wichtig für die hiesige Industrie identifiziert. Seit 2015 beobachtet IW Consult-Chef Karl Lichtblau die Versorgungslage dafür. Und die wird immer prekärer. „2015 hatten wir noch 16 in der Hochrisikogruppe, 2022 sind es 27 Rohstoffe, fünf mehr als im Vorjahr“, referiert der Experte das Kernergebnis einer jüngsten Studie für den bayerischen Wirtschaftsverband Vbw.

Neu in der roten Gruppe, mit Rohstoffen deren Verfügbarkeit sehr kritisch sei, sei jetzt etwa Kupfer, das für die Energiewende und Windkraftanlagen oder manche Computerchips essentiell sei. Allgemein gehe es seit sieben Jahren nur in eine Richtung. „Die Rohstoffsituation ist angespannt und verschlechtert sich“, stellt Vbw-Chef Bertram Brossardt klar.

Bei den 27 Rohstoffen in der roten Gruppe signalisierten meistens alle Indikatoren - vom Preis über die Verfügbarkeit, von der Bedeutung für Zukunftstechnologien bis zu politischen Risiken - bereits bestehende und drohende Probleme. Es gehe um Lithium für Batterien für Elektroautos, vielfach unterschätztes Zinn für Elektroprodukte aller Art oder Phosphate für die Landwirtschaft, erklärt Lichtblau.

Auch Länderrisiken identifiziert die Studie. So komme 91 Prozent allen Magnesiums und 82 Prozent des Wolframs aus China. Bei 18 der 45 wichtigsten Rohstoffe zählt Russland zu den weltweit fünf größten Produzenten. Bei Palladium für Brennstoffzellen, Chemie oder Medizintechnik beträgt der russische Anteil an der Weltproduktion 35 Prozent.

Auch ein Fehlen kleiner Mengen kann aber fatale Auswirkungen haben. „Ganze Produktionsketten können dann reißen“, warnt Brossardt. Alternativstoffe gebe es vielfach kaum und wenn, seien sie teuer oder weniger leistungsfähig. Weltweit genug geologische Vorkommen gebe es für jeden Rohstoff, versichert Lichtblau. Was Probleme schaffe, seien Förderung, Transport oder die Politik wie beim russischen Gaslieferstopp.

Künstliche Verknappung im Zusammenspiel mit Nachfragesprüngen bei Rohstoffen für Trendtechnologien seien die Treiber der Entwicklung, so Lichtblau. Auf zwei Rohstoffe kommt er genauer zu sprechen. Kupfer sei 2022 erstmals auf der roten Liste und zugleich zentral für die Energiewende. Bis 2040 sagt IW Consult für die deutsche Industrie ein Steigen des Kupferbedarfs um 75 bis 165 Prozent voraus. Damit scheint eine Verschärfung der Versorgungslage vorgezeichnet.

Der zweite Rohstoff mag auf den ersten Blick verwundern. Es ist Zement, der noch nicht auf der roten Liste rangiert, aber in der IW-Skala schon orange leuchtet. „Die Ausgangsstoffe dafür gibt es fast überall auf der Welt auch in Deutschland“, sagt Lichtblau. Hierzulande seien aber gerade 0,8 Prozent der Weltzementproduktion angesiedelt, in China dagegen 56 Prozent.

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