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Zum Jahreswechsel werden die Strompreise für Verbraucher steigen.
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Zum Jahreswechsel werden die Strompreise für Verbraucher steigen.

Strom

Strompreise steigen an

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Strom dürfte bald wieder teurer werden – vor allem, weil Netzbetreiber kräftig zulangen. Mit Hinweis auf das schwankende Ökostrom-Angebot. Kritiker sehen noch ganz andere Motive.

Eine ganze Zeitlang war Ruhe an der Strompreis-Front. Damit ist es bald vorbei. Es ist schon absehbar: Zum Jahreswechsel werden die Elektrizitätsversorger die Kunden wieder stärker zur Kasse bitten, denn zwei Faktoren auf der Stromrechnung dürften spürbar steigen – die EEG-Umlage und die Netzentgelte. Laut Prognose des Vergleichportals Verivox könnte eine Familie mit einem Jahres-Stromverbrauch von 4000 Kilowattstunden inklusive Mehrwertsteuer im Schnitt 44 Euro mehr – plus 4,1 Prozent – zahlen müssen, falls sie im Gebiet des Übertragungsnetz-Betreibers Tennet wohnt.

Vor allem drei Variablen bestimmen, wie sich der Endpreis auf der Rechnung entwickelt. Einer von ihnen, der Strom-Einkaufspreis an der Börse, ist seit Jahren auf Talfahrt. Die Versorger sparen damit Kosten, und dies müsste sich – wenn sie den Vorteil an die Endkunden weitergeben – dämpfend auf die Preise auswirken. Laut der Verivox-Rechnung schlüge das bei besagtem Haushalt mit minus 27 Euro zu Buche. Die EEG-Umlage hingegen dürfte wieder etwas stärker ansteigen, nachdem sie Anfang 2016 gegenüber dem Vorjahr fast konstant geblieben war. Der Thinktank Agora Energiewende rechnet damit, dass sie sich von 6,35 auf 7,1 bis 7,3 Cent erhöht. Macht plus 34 Euro.

Entlastung und Belastung gleichen sich fast aus. Doch nun kommt der Faktor Netzentgelte hinzu. Der Betreiber Tennet, der das größte Verteilnetz in Deutschland zwischen Flensburg und Berchtesgaden betreibt und damit Strom für die Hälfte der deutschen Haushalte transportiert, schockte die Öffentlichkeit jetzt mit der Ansage, er müsse die Entgelte um satte 80 Prozent erhöhen.

Als Grund gab Tennet die steigenden Kosten der Netzstabilisierung an, die wegen der Energiewende nötig sei: der Aufwand für das Herauf- und Herunterfahren der konventionellen Kraftwerke, um Schwankungen im Ökostrom-Angebot auszugleichen, sowie die Entschädigungszahlungen an Windpark-Betreiber, wenn ihre Windräder wegen Strom-Überangebots und noch fehlenden Leitungen vom Netz genommen werden.

Ob die Netzagentur Tennets Schluck aus der Pulle voll genehmigt, ist noch offen. Kürzt sie den Aufschlag nicht, schlägt er beim Vergleichshaushalt mit rund 30 Euro im Jahr zu Buche. Die drei anderen Netzbetreiber wollen übrigens weniger stark zulangen. Das Unternehmen 50 Hertz, das vor allem die neuen Bundesländer versorgt und viel fluktuierenden Windstrom im Netz hat, will immer hin noch 45 Prozent mehr, Amprion dagegen „nur“ zwölf Prozent und TransnetBW fünf Prozent.

Die happige Erhöhung bei Tennet ist umstritten. Die Energieprofessorin und Regierungsberaterin Claudia Kemfert hält sie für unangemessen. „Ein überdimensionierter Netzausbau und staatlich garantierte überhöhte Netzentgelte führen zu unverhältnismäßigen Strompreis-Steigerungen“, sagte sie der Frankfurter Rundschau. Die Energiewende müsse als Sündenbock dafür herhalten.

Die Netzagentur hat zwar angekündigt, die bisher extrem üppige Verzinsung absenken zu wollen, allerdings nur um zwei Prozent auf immer noch hohe 6,91 Prozent. Auch die Bündnisgrünen sehen den Vorstoß kritisch. „Offenbar will Tennet noch einmal richtig Kasse machen, bevor demnächst die Kapitalverzinsung und damit die Gewinne der Netzbetreiber gekürzt werden“, sagte Vize-Fraktionschefin Bärbel Höhn.

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