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Schweden bereitet sich auf Stromausfälle vor – Mit dem Zelt im Zimmer gegen die Kälte

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Die Menschen sind zum Energiesparen aufgerufen. In Schweden bereiten sich die Menschen auf Stromausfälle im Winter vor – mit teils skurrilen Tipps.

Stockholm – Frederik Müller-Hansen, ein netter Herr mittleren Alters, ist in Schweden gerade ein gefragter Mann. Der Experte der staatlichen Energiebehörde vermittelt in den dortigen Medien, was die zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohner des nordeuropäischen Landes tun können, würde der „Wolfswinter“ kommen und gleichzeitig der Strom fernbleiben.

Sollte etwa die Heizung ausfallen, deren Betrieb auch von einer Stromversorgung abhängig ist, rät Müller-Hansen dazu, Fenster und Türen abzukleben und mit Stoff zu behängen.

Stromausfälle: Zelt im Zimmer aufbauen kann Abhilfe schaffen

Dabei kann zur Übernachtung ein Zelt im Zimmer aufgebaut werden, zur Not kann ein Tisch mit einer Decke improvisatorisch als solches herhalten, die Körperwärme der Mitmenschen sei zu nutzen. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner Schwedens ist das schwierig – in dem Land grassieren Einsamkeit und Single-Haushalte. Auch wird zur Anschaffung eines Campingkochers und zum Horten von Wasser- und Lebensmittelvorräten geraten.

Bei verschuldeten Menschen könnte die Energiepreispauschale gar nicht erst ankommen.
Was, wenn die Heizung nicht mehr warm wird? © Marco Steinbrenner/imago

Weitere pragmatische Tipps dieser Art finden sich auch auf der Webseite der schwedischen Behörde. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es derartige „Prepper“-Tipps für den schlimmsten Fall nicht.

Atomkraftwerk in Schweden ausgefallen

Lange hielt sich die Politik auch in Schweden zu diesem Thema bedeckt. Denn in dem skandinavischen Land wurde erst kürzlich gewählt und keine Partei hatte davor mit dem kalten Winter ihre Wählerschaft verschrecken wollen. Um Energie ging es im Wahlkampf trotzdem, schließlich sind die Strompreise auch in Schweden seit 2020 um das vier- bis fünffache gestiegen. Am 11. September konnte sich das bürgerlich-rechte Lager knapp durchsetzen, es will die Atomkraft als Antwort auf die Energiekrise beibehalten und einen weiteren Meiler bauen lassen.

Allerdings musste in Schweden der Reaktor 4 wegen eines Schadens Mitte August vom Netz genommen werden, er soll erst wieder Ende Januar in Betrieb gehen. Und dieser Ausfall würde die Stromkrise im Winter verschärfen.

Schweden setzt vor allem auf Wasserkraft, Atomkraft und Windkraft

Die Energieversorgung in Schweden ist speziell. Der Strom wird vornehmlich aus Wasserkraft, Atomkraft und Windkraft gespeist. Dadurch sieht die Situation im Norden, wo es deutlich kälter wird, derzeit entspannt aus. Dank des dort regenreichen Sommers sind die Speicher gut gefüllt. Im Süden ist der Strom jedoch teurer, sein Preis soll sich im Vergleich zum vorigen Winter verdoppeln. Aufgrund einer Stromübertragungsverbindung zwischen Nord und Süd hat Schweden vier Energiezonen mit jeweils unterschiedlichen Strompreisen.

Auch das Nachbarland Finnland soll möglicherweise in zwei Stromzonen geteilt werden. Dort kündigten die Behörden bereits an, dass die Privathaushalte sich auf einen zweistündigen Stromausfall täglich vorbereiten müssten, sollte der Winter deutlich kalt und windarm werden, sodass die Windkraftanlagen nicht genügend liefern können.

Verkauf von Uniper hat auch Auswirkungen auf finnische Energie

Auswirkungen für die finnische Energielage hat auch der baldige Verkauf der 56 Prozent Anteile bei dem deutschen Gaskonzerns Uniper durch das vom finnischen Staat kontrollierte Unternehmen Fortum. Uniper ist durch die Gaskrise wirtschaftlich in Schieflage geraten, da der Konzern vor allem aus Russland Erdgas bezogen hatte. Russland hat die Gaslieferung in viele europäische Länder gedrosselt und schließlich ganz ausgesetzt.

Das Unternehmen gilt in Deutschland als Milliardenloch, aber auch Fortum, das für sieben Milliarden Euro die Anteile erwarb, muss sie nun für 500 Millionen abstoßen. Fortum – und somit auch der finnische Staat – will sich bei der Energieproduktion nun auf Wasserkraft und Nuklearenergie konzentrieren. (Jens Mattern)

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