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Hinter dem Neubau der EZB erheben sich die Frankfurter Bankentürme.
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Hinter dem Neubau der EZB erheben sich die Frankfurter Bankentürme.

Banken-Stresstest

Stresstest rüttelt Deutsche Bank durch

Eine neue Finanz- und Wirtschaftskrise würde die Deutsche Bank kräftig unter Druck setzen. Dennoch ist das Ergebnis des Stresstests besser als 2014. Die Bankenaufsicht ist weitgehend zufrieden.

Die Deutsche Bank ist im Stresstest ordentlich unter Druck geraten. Im Krisenszenario, in dem eine schwere Rezession simuliert wurde, fiel die harte Kernkapitalquote von Deutschlands größtem Geldhaus auf 7,8 Prozent. Damit schnitt das Institut allerdings noch besser ab als die Commerzbank mit 7,4 Prozent, wie die europäische Bankenaufsicht EBA am Freitagabend mitteilte. Insgesamt hatte sie 51 Institute unter die Lupe genommen, davon neun aus Deutschland.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan zeigte sich erleichtert: "Wir sind 2016 mit einem besseren Ergebnis aus dem Test herausgekommen als 2014, obwohl der diesjährige Test anspruchsvoller war", erklärte er. "Der Stresstest zeigt, dass die Bank auch für härtere Zeiten gewappnet ist." Das Management werde die Finanzpuffer wie geplant weiter stärken. "Wir sind auf einem guten Weg, bis Ende 2018 eine Kernkapitalquote von mindestens 12,5 Prozent zu erreichen."

Erstmals wurde in dem Test auch das Risiko einbezogen, das sich aus dem Fehlverhalten von Bankern ergibt. Hier hat die Deutsche Bank einen besonders wunden Punkt, ist sie doch rund um den Globus in zahlreiche Rechtsstreitigkeiten verstrickt. Noch immer hat sie 5,5 Milliarden Euro für erwartete Vergleiche zurückgestellt, darunter den Geldwäsche-Skandal in Russland, der sogar noch in die jüngere Vergangenheit fällt.

Durchfallen konnte beim Stresstest dieses Mal niemand. Die Europäische Zentralbank als Oberaufseherin über die Großbanken in der Euro-Zone will die Ergebnisse aber berücksichtigen, wenn sie den Finanzinstituten gegen Jahresende wieder individuelle Kapitalvorgaben macht.

Für die Deutsche Bank ist es angesichts magerer Gewinne äußerst schwer, die Kapitaldecke aus eigener Kraft aufzupolstern. Im abgelaufenen Quartal lag die Rendite quasi bei null. Das Schrumpfen der Bank und der Abbau von Bilanzrisiken dauert.

Österreichs Raiffeisen unter den Schlusslichtern

Eine neue Finanz- und Wirtschaftskrise würde auch der österreichischen Raiffeisen Zentralbank (RZB) kräftig zusetzen. Die harte Kernkapitalquote der Bank würde in einem Stress-Szenario auf 6,12 Prozent von 10,2 Prozent Ende 2015 schrumpfen, wie der am Freitag veröffentlichte europaweite Stresstest der EU-Bankenbehörde EBA ergab. Die Mutter der Raiffeisen Bank International (RBI) zählt damit zu den Schlusslichtern der insgesamt 51 geprüften Geldhäuser. Das zweite Institut aus Österreich, die Erste Group, liegt hingegen im Durchschnitt. Im Stress-Szenario rutscht die harte Kernkapitalquote hier nur auf 8,02 von 12,25 Prozent Ende 2015 ab.

Aus Sicht von Analysten werden alle Banken kritisch beäugt, deren Kapitalquote im Stress-Szenario unter sieben Prozent fällt. Für die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) seien die Ergebnisse der RZB keine Überraschung. "Österreichs Banken brauchen mehr Eigenkapital, das haben wir immer gesagt", sagte FMA-Chef Helmut Ettl zur Nachrichtenagentur Reuters. Der Stresstest zeige auch, dass RZB und RBI nun rasch ihren Kapitalplan abarbeiten müssten. "Der Stresstest habe das ganz klar gezeigt und trage auch zur Überzeugungsarbeit bei, er stärkt das Problembewusstsein."

RZB-Chef Walter Rothensteiner räumte im Vorfeld der Stresstest-Veröffentlichung ein, dass sein Institut "nicht sonderlich gut" abschneiden werde. Allerdings seien bereits zahlreiche Maßnahmen eingeleitet oder umgesetzt worden, die das Kapitalpolster vergrößern. Dazu zählt unter anderem der laufende Konzernumbau bei der RBI. Die jüngste Maßnahme um das Kernkapital zu stärken war die Ankündigung, die Beteiligung am Wiener Versicherer Uniqa zu reduzieren. Dieser Schritt hätte einen positiven Effekt auf die harte Kernkapitalquote der RBZ von 0,6 Prozentpunkten. Darüber hinaus prüfen RZB und RBI derzeit eine Fusion. Diese Maßnahme würde der RZB eine weitere Verbesserung der harten Kernkapitalquote von 0,4 Punkten bringen, so Ettl.

Italienisches Schlusslicht

Mit Abstand am schlechtesten abgeschnitten hat ist die italienische Banca Monte dei Paschi de Siena. Die Bank, die mit faulen Krediten in Milliardenhöhe belastet ist, würde von allen 51 untersuchten Geldhäusern am stärksten von einer starken Konjunktureintrübung getroffen, wie die Untersuchungsergebnisse zeigten. Allerdings hat die Europäische Zentralbank bereits vor Veröffentlichung der Ergebnisse des Stresstests einen Rettungsplan für eben diese Bank abgesegnet.

Anders als beim vorangegangenen Stresstest 2014 gab es dieses Mal keine Mindestkapitalquote, die Banken bei einer simulierten Krise minimal erreichen müssen - sie konnten somit auch nicht durchfallen. Nach Einschätzung von Analysten werden aber alle Banken kritisch beäugt werden, deren Quote im Stressszenario unter sieben Prozent gefallen ist. Geldhäuser aus Griechenland und Portugal nahmen dieses Mal nicht teil.

Ordentliches Zeugnis

Europas Großbanken haben von der Bankenaufsicht ein insgesamt recht ordentliches Zeugnis für ihre Krisenfestigkeit bekommen. «Das Ergebnis zeigt Widerstandsfähigkeit im EU-Banken-Sektor als Ganzes dank erheblicher Kapitalaufstockung», heißt es in dem Bericht der Bankenaufsicht EBA, der am Freitag in London veröffentlicht wurde. Demnach erwiesen sich die in den vergangenen Jahren deutlich erhöhten Kapitalpuffer als vergleichsweise stabil.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) bewertete das Ergebnis positiv: Der Test zeige eine verbesserte Widerstandsfähigkeit im Bankensystem der Eurozone. Einzelne Banken zeigten allerdings deutliche Schwächen.

Die Bundesbank hält die deutschen Geldhäuser für gut vorbereitet, mit ihren Kapitalpolstern eine neue Finanz- und Wirtschaftskrise zu überstehen. Die Banken hätten in den vergangenen Jahren ihre Eigenkapitalbasis gestärkt und Risikopositionen abgebaut, erklärte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Freitagabend. Die Widerstandsfähigkeit habe sich damit deutlich erhöht. Das machten auch die Ergebnisse im Krisenszenario deutlich. "Der Stresstest zeigt, dass die deutschen Banken gerüstet sind, diesen ausgeprägten Schocks zu widerstehen." An der Belastungsprobe nahmen insgesamt 51 europäische Institute teil - neun davon aus Deutschland.

Weidmann forderte die deutschen Banken außerdem auf, angesichts der Ertragsbelastungen durch die niedrigen Zinsen, ihre Geschäftsmodelle kontinuierlich zu überprüfen. Die Geldhäuser sollten zudem Möglichkeiten für Konsolidierungen und Kostensenkungen nutzen. (rtr/dpa/afp)

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