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Belastung am Arbeitsplatz - in Deutschland keine Seltenheit.
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Belastung am Arbeitsplatz - in Deutschland keine Seltenheit.

Stressreport

Stress, bis der Arzt kommt

  • Daniela Vates
    VonDaniela Vates
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Mehr als vierzig Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland klagen über zunehmende Belastung bei der Arbeit. Ministerin von der Leyen fordert von den Unternehmen, dass sie das Problem endlich ernst nehmen.

Mehr als vierzig Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland klagen über zunehmende Belastung bei der Arbeit. Ministerin von der Leyen fordert von den Unternehmen, dass sie das Problem endlich ernst nehmen.

Die Ministerin sagt, sie mache es so: Sie halte sich ihre Wochenenden frei. „Ich bestehe auf meine Wochenenden.“ Sie ignoriere zwischendurch auch mal eine Weile die sich ständig ändernde Nachrichtenlage, um sich auf etwas konzentrieren zu können. Sie versuche, sich die positiven Elemente ihrer Arbeit bewusst zu machen. „Ich suche mir Kraftquellen“.

So also geht Ursula von der Leyen mit Stress im Job um. Den hat auch eine Arbeitsministerin. Termindruck fällt ihr ein und die Kritik, der sie iausgesetzt ist, in den Medien und in der eigenen Partei.

Pause: fällt heute aus

Dagegen also Zeit für sich, Ruhe und Kraftquellen: Eine Pressekonferenz zum Beispiel zur Vorstellung des Stressreports der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Wunderbar, findet die Ministerin. „Andere Termine machen mir weniger Spaß.“ Im Vorwort zum Stressreport hat von der Leyen geschrieben. „Arbeit enthält so viel Positives, Bereicherndes, Sinnstiftendes für jeden Einzelnen.“ Aber es müsse auch das richtige Maß gefunden werden, damit Anforderungen, Tempo, ermüdende Routinen nicht „die Seele ausbrennen lassen“.

Der Stressreport, der auf der Befragung von knapp 18?000 abhängig Beschäftigten basiert – Selbstständige also außen vor lässt–, stellt fest: Für 43 Prozent der Befragten hat in den vergangenen beiden Jahren Stress und Arbeitsdruck zugenommen. Jeder Fünfte fühlte sich überlastet. Termin- und Leistungsdruck sind in Deutschland höher als im europäischen Durchschnitt, Vorgesetzte weniger zugänglich für ihre Mitarbeiter als es in anderen Ländern üblich ist. Ein Viertel der Befragten gab an, Pausen ausfallen zu lassen. Es gibt nicht nur mehr Beschäftigte mit körperlichen Problemen wie Rückenschmerzen und geschwollenen Beinen, sondern auch einen wachsenden Anteil von Beschäftigten mit psychischen Beschwerden. Besonders Lehrer, Angestellte in Gesundheitsberufen und Mitarbeiter von Banken klagen über zunehmende Belastungen. Gefährdet sind der Studie zufolge Angestellte in einfachen Berufen, weil sie sich etwa ihren Arbeitsrhythmus weniger frei einteilen können als beispielsweise Ingenieure (oder Ministerinnen).

Die Ministerin verweist zudem auf die wirtschaftliche Dimension: Die Arbeitsunfähigkeits-Meldungen wegen psychischer Erkrankungen hätten in den vergangenen 15 Jahren um 80 Prozent zugenommen – auf 5,9 Millionen Tage im Jahr 2011. Psychische Erkrankungen seien außerdem die Hauptursache für Frühverrentungen. All das führe zu Produktionsausfällen in Höhe von sechs Milliarden Euro. Das liege auch daran, dass psychische Erkrankungen nicht so ernst genommen würden und zu wenig Betriebe sich bemühten, Belastungen zu reduzieren. „Das Thema muss aus der Tabuzone raus“, sagt von der Leyen.

Die Arbeitgeber warnen an diesem Tag vor falschen Zahlen und verzerrenden Darstellungen. Es würden mehr psychische Erkrankungen gemeldet, weil sich die Diagnosen geändert hätten, erklärt Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt.

Der Stressreport stellt fest: Belastungsfaktoren seien Zeitdruck, Unterbrechungen, eintönige Arbeit, Multitasking, aber auch mangelnde Unterstützung durch Vorgesetzte, wenig eigener Handlungsspielraum und Probleme mit Kollegen. Zu lange Arbeitszeiten seien ein Problem und auch, dass Vorgesetzte oft selbst so unter Druck stünden, dass sie ihren Untergebenen kaum entspannt begegnen könnten.

Arbeitgeber unterschreiben nicht

Die Gewerkschaften haben gefordert, das Gesetz durch eine spezielle Anti-Stress-Verordnung zu ergänzen, in der auch Sanktionen festgeschrieben werden. Die Arbeitgeber halten wenig davon. Sie haben deswegen auch eine Erklärung zur psychischen Gesundheit bei der Arbeit nicht unterschrieben, die eigentlich gemeinsam mit dem Ministerium und dem DGB hätte präsentiert werden sollen. „Wir brauchen nicht neue Rechtsvorschriften, sondern eine verbesserte Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen“, sagt Hundt. Ein Schatten auf dem Kraftquellen-Termin von der Leyens? Es gehe nur um fünf oder sechs Zeilen in einem längeren Dokument, sagt die Ministerin. Und im Arbeitsschutzgesetz sei ohnehin schon alles geregelt.

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