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Geldanlage

Strenge ist Trumpf

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Die Aufnahmekriterien für den Nachhaltigkeitsindex GCX werden verschärft. So soll er im Markt der verantwortungsbewussten Geldanlage seine Top-Position verteidigen.

Eins vorneweg: Zum halbjährlichen Rebalancing des Global Challenges Index (GCX) an diesem Freitag bleibt die Zusammensetzung des Nachhaltigkeitsindex unverändert: Die dem GCX aktuell angehörenden Aktienwerte wurden überprüft und für gut befunden. Keines der 50 internationalen Unternehmen verstößt gegen die strengen Auswahlkriterien für den Index.

Stattdessen wurde die routinemäßige Überprüfung dazu genutzt, an anderer Stelle einige Stellschrauben neu zu justieren. Konkret betrifft das die Ausschlusskriterien, die dafür sorgen können, dass ein in seinem Bereich besonders nachhaltig handelnder Konzern doch noch aus der Besetzungsliste für den Index fliegt – etwa, weil er die Finger im Rüstungsgeschäft hat oder mit der Atomindustrie gemeinsame Sache macht. Nun wurden zusätzliche Kriterien beschlossen, andere deutlich verschärft.

Strengere Ausschlusskriterien wurden konkret für Unternehmen verabschiedet, die ihr Geld mit fossilen Energieträgern verdienen. Das betrifft Unternehmen in den Bereichen Kohleförderung, -aufbereitung und -verbrennung, Erdölförderung, Raffination und Verbrennung von Erdöl. Hier wird zukünftig ein Umsatzanteil von maximal fünf Prozent toleriert, bisher waren es zehn Prozent.

Als zusätzliche Ausschlusskriterien wurden das Fracking, bei dem in großer Tiefe nach Erdgas oder -öl gebohrt und das Gestein mit hohem Wasserdruck aufgebrochen wird, und der Abbau von Ölsanden aufgenommen. Hier gilt nun eine Umsatzgrenze von null Prozent, bereits geringste Aktivitäten in diesen Geschäftsfeldern führen zum Ausschluss der Unternehmen aus dem GCX.

Grund für die Verschärfung der Regeln ist offenbar das zunehmende Bewusstsein unter Anlegern für die ökologischen und sozialen Auswirkungen ihrer Investitionen. „Aufgrund der gestiegenen Anforderungen im Markt für nachhaltige Geldanlagen war die Anpassung dieser Kriterien sinnvoll, der GCX ist damit aktuell bestens im Markt positioniert“, so Hendrik Janssen, Geschäftsführer der Börse Hannover. Auf die derzeit im GCX enthaltenen Unternehmen hätten diese verschärften Ausschlusskriterien aber keine Auswirkungen, weil allesamt die Anforderungen erfüllten.

Frank Hellener, Chef des Fondsspezialisten Prima-Fonds, der ein Produkt anbietet, das den GCX fast eins zu eins abbildet, bewertet die Verschärfung als „sehr positiv“. Zwar hat der Prima-Global-Challenges erst kürzlich bei einer Bewertung mehrerer hundert nachhaltiger Aktienfonds durch die unabhängige Beratungsfirma CSSP (Center for Social and Sustainable Products) den zweiten Platz belegt. In der Begründung von CSSP heißt es dazu: „Es wird ausschließlich in Aktien von Unternehmen, die sich in höchstem Maße dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben haben, investiert.“ Allerdings, so Hellener, gebe es eben Investoren, die bestimmte Kriterien im Sinne einer Check-Liste erfüllt sehen wollten. „Wenn man da dann kein Häkchen setzen kann, ist man raus.“

Bleibt der Blick auf die nackte Performance. Und hier gilt: Auch die finanzielle Seite stimmt. Während der deutsche Leitindex Dax seit Ende vergangenen Jahres (Stichtag 29.12.) bis Mitte September 6,14 Prozent einbüßte und der europäische Leitindex Eurostoxx 50 noch 2,31 Prozent verlor, legte der GCX um 14,55 Prozent zu. Auch bei anderen Nachhaltigkeitsindizies wie dem Dow Jones Sustainability World (-0,69), oder dem Natur-Aktien-Index (-1,71) sind die Vorzeichen negativ. Nur der FTSE4Good Global liegt mit 1,94 Prozent leicht im Plus.

Das hat verschiedene Gründe: „Abgesehen von den USA hat keiner der internationalen Börsenmärkte positiv performt“, erklärt Hellener. Von dieser Entwicklung habe der GCX enorm profitieren können, weil von den 50 Firmen im Index 30 Prozent aus den USA stammten. Hinzu kommt, dass die Wechselkurse sich zu Gunsten des Euro entwickelt haben.

Im Kern beruht das satte Plus des GCX aber auf der außerordentlich guten Entwicklung einzelner Werte. So hat der US-Chiphersteller AMD mit seinen neuen Prozessoren Konkurrenten wie Intel weit hinter sich gelassen – dem Kurs der AMD-Aktie hat das ein Anstieg von 220 Prozent beschert. Außergewöhnlich gut lief auch das Geschäft des dänischen Dämmstoffherstellers Rockwool (+58) oder des französischen Softwareentwicklers Dassault Systèmes (+47,9). Natürlich gibt es aber auch Verlierer. Hervorzuheben ist insbesondere der norwegische Siliziumhersteller REC Silicon. Das Unternehmen, das von den USA aus operiert, leidet stark unter den Handelsbarrieren im Bereich der Solarindustrie. Das Ergebnis: Der Wert der Aktie hat seit Ende vergangenen Jahres 57 Prozent seines Wertes eingebüßt.

Unter dem Strich bleibt aber ein ordentliches Plus. Und das nicht nur in diesem Jahr. Blickt man auf die Entwicklung des GCX seit seiner Auflage am 3. September 2007, hat der Nachhaltigkeitsindex eine Wertsteigerung von 165 Prozent erzielt. Im gleichen Zeitraum kommt der Dax auf 64 Prozent und der Natur-Aktien-Index auf 84 Prozent. „Das ist ein eindeutiges Ergebnis pro GCX“, sagt Börsenchef Janssen, „und für uns der Beleg dafür, dass die besonders strengen Auswahlkriterien langfristig zu einer deutlichen Outperformance führen.“

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