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Trockenheit

Streit ums Wasser

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In Niedersachsen führt die herrschende Dürre zu Streit zwischen den Land- und den Forstwirten.

Die anhaltende Trockenheit führt in Niedersachsen zu Nutzungskonflikten um das Wasser, vor allem im Westen des Landes. Weil der Grundwasserspiegel rapide gesunken ist, haben die Stadt und der Landkreis Osnabrück Landwirten, Gärtnereien und kleineren Betrieben bis Ende August verboten, Wasser aus kleineren Flüssen und Bächen zu entnehmen.

„Die Lage ist krass“, sagt Landkreissprecher Burkhard Riepenhoff. Der Deutsche Wetterdienst warnt, dass die Trockenheit in diesem Sommer schon jetzt „katastrophale Ausmaße“ erreicht habe, weil die Niederschläge im Juli weit unter dem Soll gelegen hätten. In Niedersachsen hat es Niederschläge von 35 Litern pro Quadratmeter gegeben – im Durchschnitt sind es sonst 73 Liter. Mancherorts gibt es angesichts der angespannten Lage Streit zwischen der Forstwirtschaft und Landwirten, die auf die Bewässerung ihrer Äcker angewiesen sind.

„Wir stellen fest, dass die Grundwasserbestände abnehmen“, so Mathias Aßmann von den Landesforsten. „Wo Bäume gewohnt waren, über viel Wasser zu verfügen, kommen ihre Wurzeln heute manchmal nicht mehr an das Grundwasser heran.“ Da könne es schon mal zu Konflikten kommen. Tatsächlich fallen immer mehr Bäume der Trockenheit zum Opfer.

Der Bauernverband Landvolk wehrt sich gegen die Behauptung, die Landwirte würden anderen das Wasser abgraben. Die Bauern bezögen ihr Wasser oft über eigene Brunnen, und da müssten in der Regel vorher ausführliche hydrologische Untersuchungen gemacht werden, sagt Hartmut Schlepps, Umweltexperte beim Landvolk. „Die möglichen Auswirkungen auf das Grundwasser werden vorher von den Behörden genau abgeprüft.“ Nach seinen Worten werden nur acht bis neun Prozent der niedersächsischen Nutzflächen künstlich beregnet. 4000 von 30 000 landwirtschaftlichen Betrieben nutzten die künstliche Beregnung.

Die Dürre und die drohenden Konflikte bereiten auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und der Landesregierung Sorgen, wie eine Regierungssprecherin sagte. Wenn es bei der Trockenheit bleibe, werde ein Kreis von Staatssekretären berufen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Burkhard Riepenhoff vom Landkreis Osnabrück weist darauf hin, dass sich die Grundwasserpegel nach dem Dürresommer 2018 nicht wieder erholt hätten. „Wir hoffen noch auf einen mehrwöchigen Osnabrücker Landregen.“

Darauf hofft auch Niedersachsens Landvolk, das vor allem im Emsland und im Osnabrücker Raum mit gewaltigen Ernteausfällen rechnet, wenn es nicht bald regnet. „Niedersachsens Westen dürstet seit Monaten, beim Mais droht ein Totalverlust“, sagt Schlepps.

Das Umweltministerium des Bundeslandes weist darauf hin, dass Minister Olaf Lies kürzlich den Landwirten erlaubt hat, ihre ohnehin befristeten Wasserkontingente von zehn auf 15 Jahre zu verlängern, jährliche Höchstmengen dürften aber nicht überschritten werden.

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