Der Videodienst sorgt für geopolitische Verwerfungen.
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Der Videodienst sorgt für geopolitische Verwerfungen.

USA gegen China

Tiktok favorisiert Oracle

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Microsoft scheitert mit Übernahme der in den USA von Verbot bedrohten Videoplattform. Nun kommt wohl Oracle, Spezialist für Firmen-Software, zum Zuge.

Der Nutzer kann sich darüber kundig machen, wie der „schnellste und einfachste Schokokuchen“ zubereitet wird und wie viele Liegestütz der Fußballstar Robert Lewandowski schafft. Und natürlich gibt es bei Tiktok tausende Filmchen tanzender Teenager zu sehen. Trotz dieser Harmlosigkeiten sorgt die Video-Plattform für geopolitische Verwerfungen. Deshalb darf der Tech-Gigant Microsoft ihren US-Ableger nicht übernehmen. Nun kommt wohl Oracle, Spezialist für Firmen-Software, zum Zuge.

US-Präsident Donald Trump hat dem chinesischen Konzern Bytedance – Mutter von Tiktok – ein Ultimatum gesetzt. Aus Gründen der nationalen Sicherheit soll die Plattform in den USA bis Dienstag, 15. September, an ein heimisches Unternehmen verkauft werden, ansonsten wird es dicht gemacht. Microsoft galt lange als Favorit, der Konzern hatte mit dem Bytedance-Management schon vor Trumps Intervention verhandelt. Doch nun haben die Chinesen kurz vor Ablauf der Frist mitgeteilt, dass sie nicht bereit sind, an Microsoft zu verkaufen.

Der Videodienst, der vor allem bei jungen Leuten beliebt ist, wächst in den USA derzeit so schnell wie kein anderes soziales Medium. Er hat dort bereits 100 Millionen aktive Nutzer. Der Wert der App wird auf 25 Milliarden Dollar taxiert. Microsoft wollte mit dem weltgrößten Einzelhändler Walmart kooperieren – für beide Unternehmen wäre die Übernahme ein Vorstoß in ein Geschäftsfeld, das die Führungsetagen massiv stärken wollen.

Doch längst stehen ganz andere Erwägungen im Vordergrund: Klar ist, dass auf beiden Seiten Ministerien und hohe Regierungsbeamte bei dem Deal heftig mitmischen. Unklar ist allerdings, wie genau die Interessen gelagert sind. Wenn Trump und seine Leute offiziell mit der nationalen Sicherheit argumentieren, dann meinen sie damit, dass Daten von US-Bürgern in die Hände der chinesischen Geheimdienste kommen könnten. Es soll aber auch darum gehen, dass Trump ein unliebsames Kommunikations-Werkzeug domestizieren will. Junge Leute sollen sich über Tiktok verabredet haben, um für leere Ränge bei einem seiner Wahlkampfauftritt zu sorgen – sie reservierten Plätze und sagten dann kurzfristig ab.

Mit dem nahenden Ablauf des Ultimatums hat sich der Konflikt massiv verschärft. Trump hat deutlich gemacht, dass es keine Fristverlängerung gebe. Peking hat die Restriktionen für Technologie-Transfers verschärft, die auch Tiktok betreffen. So berichtet die Zeitung South China Morning Post, dass die Regierung es verbietet, die Tiktok-Algorithmen mit zu verkaufen. Dabei soll es sich um Programme handeln, die mittels künstlicher Intelligenz (KI) die gigantischen Mengen an Nutzerdaten analysieren.

Es gehe darum zu verhindern, dass ausländische Firmen diese Algorithmen kopieren, was künftig Geschäfte des chinesischen Unternehmens beeinträchtigen könnte. Das Bytedance-Management habe bereits erklärt, sich an die Vorgaben der Regierung zu halten. Ohne die KI-Software ist die US-Tochter von Tiktok erheblich weniger wert. Sie ist der alles entscheidende Faktor für den Erfolg der Plattform. Die neuen Eigentümer müssten alles neu programmieren.

Nun berichten mehrere US-Medien, dass Oracle bei dem Deal am Zuge sei. Obwohl der Konzern sich vor allem mit Software befasst, mit der Unternehmen ihre Prozesse steuern. Anknüpfungspunkte gibt es für Oracle dennoch. So wird gerade die Sparte mit Rechenzentren ausgebaut, wo Kunden Daten und Programme speichern (Cloud-Computing). Auch im wachsenden Geschäft mit der Vermarktung der Nutzer-Daten will Oracle expandieren. Da hat Tiktok einiges zu bieten.

Es gibt aber noch einen anderen Grund für die neuen Favoritenrolle: Larry Ellison, Oracle-Gründer und Verwaltungsratschef, sowie Safra Catz, Vorstandsvorsitzende, gehören zu den wichtigen Unterstützern von Trump.

In der Nacht zum Montag (MESZ) hat Bytedance nun verkündet, das Oracle künftig als Technologie-Partner fungiere. Das deutet nach Einschätzung von Beobachtern auf einen Deal hin: Oracle gründet mit Bytedance ein neues Gemeinschaftsunternehmen. Bytedance kann mit seinem Algorithmus die Plattform weiter betreiben. Die Nutzerdaten werden hingegen von Oracle verwaltet. So könnten die Chinesen ihr Gesicht wahren, weil die Transaktion eher wie eine Umstrukturierung aussieht – und nicht wie eine Enteignung. Trump könnte argumentieren, dass die nationale Sicherheit gewährleistet sei, da die Nutzerdaten in der Hand eines US-Unternehmens bleiben.

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