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Kurz vor dem Treffen der G20-Staaten in Kanada erhöht die US-Regierung den Druck auf Europa, die Schulden nicht zu stark abzubauen. Das Wachstum darf nicht leiden.

G20-Treffen

Streit über Defizit-Abbau

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Kurz vor dem Treffen der G20-Staaten in Kanada erhöht die US-Regierung den Druck auf Europa, die Schulden nicht zu stark abzubauen. Das Wachstum darf nicht leiden. Von Stephan Kaufmann

Kurz vor dem Treffen der G20-Staaten in Kanada erhöht die US-Regierung den Druck auf Europa, seine Schulden nicht zu stark abzubauen. "Wir müssen den Willen zeigen, unsere langfristigen Defizite zu senken, aber nicht zum Preis eines niedrigeren Wachstums", schrieben US-Finanzminister Timothy Geithner und Regierungsberater Lawrence Summers in einem Beitrag für das Wall Street Journal.

Unterdessen sind die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute RWI und Ifo nicht der Meinung, dass das deutsche Sparpaket das Wachstum abwürgen wird. Der Streit zwischen den USA und Europa um den Defizitabbau schwelt bereits seit Monaten. US-Präsident Barack Obama appellierte bereits an die G20-Staaten, die Konjunktur weiter zu stützen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen hatte den Schuldenabbau als "alternativlos" bezeichnet.

Die USA sind auf eine starke Weltwirtschaft angewiesen, da sie ihre Exporte in den kommenden fünf Jahren verdoppeln wollen. Die US-Regierung fürchtet, dass die europäischen Sparbemühungen das Wachstum abwürgen werden. Im laufenden Jahr dürfte die Wirtschaft der Euro-Zone mit einem Plus von knapp einem Prozent den anderen Industriestaaten hinterherhinken. Hoffnung für Europa bleibt allein der Export - auf den aber auch die USA als Wachstumsmotor setzen.

Gespaltene Entwicklung

Die Entwicklung innerhalb der Euro-Zone ist jedoch gespalten. Während besonders die südlichen Staaten nur schwach wachsen, stürmt die deutsche Wirtschaft voran. Das Institut RWI erhöhte gestern seine Wachstumsprognose für 2010 von bisher 1,4 Prozent auf 1,9 Prozent. Treiber sei der Export, der durch den schwachen Euro gestützt werde. Der private Konsum werde hingegen schrumpfen. 2011 soll die deutsche Wirtschaftsleistung immer noch um 1,7 Prozent zulegen. Die Arbeitslosenquote werde 2011 auf 7,4 Prozent sinken.

Optimistischer ist auch das Münchener Ifo-Institut. Es rechnet dieses Jahr sogar mit einem Wachstum von 2,1 und nächstes Jahr von 1,5 Prozent, vor allem wegen der starken Ausfuhren. "Die Krise hat quasi einen Kippschlager umgelegt, der die Wachstumskräfte, die sich unter dem Euro in die Länder der südwestlichen Peripherie Europas verlagert hatte, wieder in Deutschland erstarken lässt", so das Institut.

"Deutschland wird eine Konjunkturlokomotive sein, eineKonsumlokomotive wahrscheinlich nicht", erklärte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst in Übereinstimmung mit seinen Kollegen. Für Juli sagen die Marktforscher der GfK ein stabiles Konsumklima voraus − trotz Sparpaket und Eurokrise.

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