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Streit um Markenfarbe: Sparkassen sehen Rot

  • Nina Luttmer
    vonNina Luttmer
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Wer im Geldgeschäft tätig ist und die Farbe Rot nutzen will, muss damit rechnen, dass er es mit den Sparkassen zu tun bekommt. Die Geldhäuser kämpfen vehement um „ihre“ Markenfarbe. So vehement, dass der Branche längst das Lachen vergangen ist.

Der Kampf wirkte wie eine Petitesse, ein bisschen lächerlich und kleinlich, irgendwie schräg. In der Finanzbranche wurde viel darüber gelacht, der Begriff „HKS 13“ machte die Runde. Gemeint ist der Einsatz der Sparkassen für ihr „Sparkassenrot“. Dieses reine, leuchtende Rot heißt im Druckerdeutsch HKS 13. Die Sparkassen ließen sich diesen Farbton im Jahr 2007 beim Marken- und Patentamt eintragen – und gehen seitdem gegen alle vor, die dieses oder ein ähnliches Rot verwenden.

Ende 2007 etwa wurde die heute in die Deutsche Bank integrierte Norisbank gerichtlich von den Sparkassen in die Knie gezwungen – sie sattelte daraufhin von Rot auf Orangerot um. Der GE Money Bank wurde es juristisch untersagt, einen roten Geldautomaten in einer Einkaufspassage in Berlin-Wilmersdorf weiterzubetreiben. Und die österreichische Oberbank bekam ebenfalls den Zorn der Sparkassen ab, als das traditionell in rot betriebene Institut in Bayern auftauchte.

Am längsten aber führten die Sparkassen und die deutsche Tochter der spanischen Bank Santander, die Santander Consumer Bank, die Farb-Auseinandersetzung, nämlich ganze zehn Jahre lang. Das ist so lange, dass irgendwann selbst diejenigen, die jahrelang gerne und herzlich über den ewigen Streit um HKS 13 gelacht hatten, den Spaß an dem Thema verloren. Sogar der Bundesgerichtshof beschäftigte sich 2016 mit dem Fall und urteilte, dass die Farbmarke Rot für die Sparkassen in Deutschland weiterhin geschützt bleibt. Santanders Antrag, die Farbmarke zu löschen, wies der BGH ab. Dabei benutzt Santander gar nicht HKS 13, sondern HKS 14 – ein ganz leicht anderes Rot als die Sparkassen. Jedoch so ähnlich, dass es noch unter den Farbschutz der Sparkassen fällt.

Nun hat es eine endgültige Einigung zwischen den Sparkassen und Santander gegeben, wie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) am Mittwoch mitgeteilt hat. Diese sehe „eine Reduzierung des Roteinsatzes von Santander gegenüber der Ausgangslage von 2009 vor“, so der DSGV. Santander benutzt also weiterhin sein bisheriges Rot, aber eben etwas seltener, etwa in der Werbung und in den Filialen.

Lustig, aber keine Petitesse

So lustig das Ganze wirkt – eine Petitesse ist es in Wahrheit nicht. Es geht natürlich um knallharte wirtschaftliche Interessen. In einem Ranking der 20 deutschen Unternehmen mit dem höchsten Markenwert, erstellt von der Marketingfirma Millward Brown, liegen die Sparkassen mit 3,5 Milliarden Euro auf Platz 20 – andere deutsche Finanzdienstleister tauchen in der Liste gar nicht auf.

Umfragen – allerdings im Auftrag der Sparkassen – haben ergeben, dass Verbraucher die Farbe Rot mit Sparkassen verbinden, was angesichts der langen Tradition der Institute auch nicht abwegig ist. „Wenn’s um Geld geht, verbinden die Menschen in Deutschland die Farbe Rot mit den Sparkassen. Die Einigung zur Reduzierung der Rotnutzung durch Santander ist daher zum Schutz des Sparkassen-Rots sehr wichtig“, erklärte Sparkassenpräsident Helmut Schleweis.

Die Bedeutung von Farben als Erkennungszeichen von Marken zeigt sich auch daran, dass auch viele andere Unternehmen wie etwa die Telekom, Langenscheidt oder Kraft Foods (Milka) ihre Markenfarben Magenta, Gelb und Lila vehement verteidigen, notfalls auch gerichtlich.

Das Kapitel HKS 13 ist nun erst einmal geschlossen – bis irgendwann vielleicht wieder ein Sparkassenkonkurrent das Eindringen in den „Roten Sektor“ wagt. Dann hat vielleicht die Finanzbranche auch wieder Lust darauf, über den Farbfetischismus der Sparkassen zu lachen.

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