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Amazon am Standort Leipzig.

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Streik im Weihnachtsgeschäft

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Verdi ringt mit Versandhändler Amazon weiter um einen Tarifvertrag. Die FR sammelt die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Amazon-Beschäftigten streiken wieder. Der Arbeitskampf dauert bereits fünfeinhalb Jahre. Doch in dieser Woche könnte es die bislang heftigsten Ausstände geben. Gewerkschafter sagen, dass Weihnachtsgeschenke nicht rechtzeitig ankommen könnten. Wir erläutern, worum es für Gewerkschafter geht und was der Streik für Kunden bedeuten könnte. 

Wo wird gestreikt?
Laut Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat ein mehrtägiger Streik begonnen. Zunächst wurden die Mitarbeiter der Früh- und Spätschicht am Standort Leipzig aufgerufen, bis Heiligabend die Arbeit niederzulegen. In Werne (NRW) soll bis Dienstagabend gestreikt werden. Der Ausstand könne aber bald auf weitere Standorte ausgedehnt werden, so ein Verdi-Sprecher. 

Müssen Kunden jetzt befürchten, dass Bestellungen nicht ankommen?
Der Verdi-Sprecher sieht diese Gefahr. Amazon hält dagegen: Der Ausstand habe keinen Einfluss auf die Lieferversprechen. Weniger als 350 Mitarbeiter hätten in Werne und Leipzig die Arbeit niedergelegt – was nur einem kleineren Teil der Belegschaft entsprechen würde. Die „überwältigende Mehrheit“ der Beschäftigten arbeite ganz normal. Das zeigt: Der Arbeitskampf ist auch ein kommunikativer Kampf. Verdi will erreichen, dass Kunden auf Nummer sicher gehen und beim Geschenkekauf nicht bei Amazon, sondern bei Rivalen wie Otto oder im stationären Handel einkaufen. 

Was verspricht Amazon?
Laut Amazon-Website gelten generell bei Bestellungen bis einschließlich Donnerstag, 20. Dezember, auch beim Standardversand die üblichen Lieferfristen, die am Ende des Bestellvorgangs angezeigt werden. Wer am Freitag, 21. Dezember, als sogenannter Prime-Kunden mit schneller Zustellung ordert, muss keinen Aufschlag zahlen, es wird ab einem Bestellwert von 20 Euro auch noch am selben Tag geliefert, wenn die Artikel vorrätig ist. Ansonsten werden Aufschläge verlangt. In Berlin und München werden zum Teil auch noch Bestellungen vom 24. Dezember am selben Tag ausgeliefert. 

Wird der Streik Wirkung zeigen?
Laut Verdi sind auch bei vergangenen Streikaktionen immer wieder Pakete liegen geblieben. Aber massenhafte Ausfälle gab es nicht. Das Hauptproblem für die Gewerkschaft ist der geringere Organisationsgrad bei Amazon. Nur etwa 30 Prozent der Beschäftigten in den 18 Logistik- und Verteilzentren sind Gewerkschaftsmitglieder. Das hat damit zu tun, dass viele Angestellte auf ein oder zwei Jahre befristete Jobs haben und fürchten, nicht weiterbeschäftigt zu werden, wenn sie streiken. Hinzu kommt, dass zur Weihnachtszeit ohnehin Saisonhilfskräfte in großer Zahl für einige Wochen eingestellt werden, um die enorm große Menge der Bestellungen vor dem Fest abarbeiten zu können. Außerdem lenkt Amazon Orders zu Standorten im benachbarten Ausland um – insbesondere nach Polen und Tschechien. Ferner kommt zum Tragen, dass die Manager den Streik vor Weihnachten erwartet haben und deshalb Vorkehrungen treffen konnten. 

Was fordert Verdi? 
Die Hauptforderung ist ein Tarifvertrag nach den Konditionen des Versand- und Einzelhandels. So wie es etwa bei Otto üblich ist. Amazon lehnt dies kategorisch ab. Das Unternehmen betont, man lehne sich an die Bezahlung der Logistikbranche an. Amazon hat aufgrund der geringeren Bezahlung einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten, den will das Management nicht verspielen. 

Wie viel verdienen die Beschäftigten? 
Nach den Angaben des Unternehmens fängt der Bruttostundenlohn für Logistikmitarbeiter bei 10,78 Euro an, zwar können Bonuszahlungen hinzu kommen, aber große Lohnerhöhungen gibt es nicht. Das mache, so Amazon, nach zwei Jahren im Schnitt rund 2400 Euro pro Monat. Ferner gibt es für Festangestellte 28 Tage bezahlten Urlaub, Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherung sowie eine betriebliche Altersvorsorge. Auch Gewerkschafter räumen ein, dass die Bezahlung für ungelernte Beschäftigte attraktiv sein kann, entsprechend gering ist deren Streik-Bereitschaft. Für Frauen und Männer mit einer Ausbildung im Versand- und Einzelhandel ist die Bezahlung eher dürftig. Zudem hat sich Amazon vielfach in strukturschwachen Gebieten angesiedelt, wo es insbesondere für Leute ohne abgeschlossene Berufsausbildung enorm schwer ist, überhaupt einen Job zu finden. 

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