+
Auch am Flughafen Münster-Osnabrück wurde gestreikt. 

10,56 Euro pro Stunde 

Streik der Unsichtbaren

  • schließen

Gebäudereiniger beginnen ihren Ausstand an mehreren Flughäfen. In den kommenden Tagen sollen die Streiks ausgeweitet werden.

Hans-Joachim Rosenbaum hat in der Nacht von Montag auf Dienstag kein Auge zugetan. Der Gewerkschaftssekretär musste am Frankfurter Flughafen den Warnstreik der Gebäudereiniger organisieren. Außer in Frankfurt wurde nach Angaben der Industriegewerkschaft Bau auch in Berlin, Münster-Osnabrück und Düsseldorf gestreikt. Der erhoffte Effekt, durch den Arbeitskampf den Flugverkehr zu beeinträchtigen, blieb aber aus.

Während in Münster-Osnabrück die Gebäudereiniger am Dienstag mit der Frühschicht um sechs Uhr den Ausstand begannen, wurde der Warnstreik in Frankfurt vorgezogen. Bereits ab 22 Uhr wurden am Montagabend keine Flugzeuge mehr gesäubert. „Wir mussten befürchten, dass die Arbeitgeber andere Unternehmen holen würden“, sagte Rosenbaum, der dann am Dienstagmorgen quasi mit der Nachhut, rund 40 Mitarbeitern der Firma Piepenbrock, im Frankfurter Gewerkschaftshaus saß. Am Frankfurter Flughafen seien drei große Reinigungsfirmen tätig, die alle zu den bundesweit großen Anbietern gehörten, sagte Rosenbaum.

Außer Piepenbrock handele es sich um die Airport Service Gesellschaft und das Unternehmen Gegenbauer. Von ihnen und anderen großen Arbeitgebern sei der Rahmentarifvertrag für die bundesweit größte Handwerkssparte mit rund 650 000 Beschäftigten gekündigt worden. Piepenbrock habe außerdem Beschäftigten mit Migrationshintergrund „unmoralische“ Arbeitsverträge vorgelegt, in denen etwa die Zahl der Urlaubstage deutlich verringert worden sei. Ein Piepenbrock-Sprecher sagte, es seien keine Altverträge geändert worden und man halte sich an die gesetzlichen Urlaubsregelungen.

10,56 Euro pro Stunde verdiene ein Gebäudereiniger, so Rosenbaum. Um über die Runden zu kommen, seien die meisten auf Überstunden und die Arbeit an Sonn- und Feiertagen angewiesen. Dafür sei den Vollzeitkräften bislang eine Überstundenzulage gezahlt worden. Nachdem das Bundesarbeitsgericht geurteilt hatte, dass auch Teilzeitkräfte einen Anspruch auf diese Zulage haben, sei der entsprechende Tarifvertrag gekündigt worden. Auch die Verhandlungen über ein Weihnachtsgeld ruhten.

Das Ziel der Warnstreiks sei es, die Arbeitgeber wieder an den Verhandlungstisch zu bekommen. Der „Aufstand der Unsichtbaren“, wie die Reinigungskräfte genannt werden, weil sie ihre Arbeit dann verrichten, wenn andere Feierabend haben, wird nach Gewerkschaftsangaben in den kommenden Tagen weitergehen und zwar wieder in mehreren Bundesländern. Dem Vernehmen nach wird am Donnerstag und Freitag dieser Woche wieder gestreikt. Flughäfen sollen nicht betroffen sein.

Ohne Gebäudereiniger würde der Alltag nicht funktionieren. Eine Schule müsste nach drei, vier Streiktagen aus hygienischen Gründen geschlossen werden. Auch in Kliniken sind zuverlässige Reinigungskräfte unentbehrlich. Was sie in Bürogebäuden leisten, machte Gewerkschafter Rosenbaum anhand der beiden Türme des Frankfurter Gewerkschaftshauses klar. Dafür seien in der Regel nur zwei Mitarbeiter zuständig. mit dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare