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Greenpeace-Aktion am Gebäude von Amazon in Winsen.

Amazon

Streik bei Amazon am Prime Day

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Amazon bläst wieder zur Schnäppchenjagd. Gleichzeitig streiken viele Beschäftigte des Online-Riesen in Deutschland für eine existenzsichernde Bezahlung.

Wie unterschiedlich doch die Tonalitäten bei Amazon sind: Die Kunden soll der sogenannte Prime Day in Shopping-Euphorie versetzen. Doch die Beschäftigten des Online-Giganten sind laut Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verärgert. In zahlreichen Auslieferungslagern wird gestreikt.

Der Prime Day ist eine weitere spektakuläre Marketingaktion des mit weitem Abstand größten Internethändlers weltweit. Dieses Jahr wurde er auf zwei Tage – Montag und Dienstag – ausgeweitet. Ausgewählte Produkte sollen zu besonders günstigen Preisen offeriert werden. 2018 wurden so weltweit mehr als 100 Millionen Produkte verkauft. Dieses Jahr begann die Schnäppchenjagd am Montag um 00.01 Uhr mit einem Produkt aus dem eigenen Haus. Der intelligente und umstrittene Lautsprecher Echo von Amazon wurde für 59,99 Euro statt 99,99 Euro offeriert. Und damit da auch was rauskommt, gab es die Mitgliedschaft beim konzerneigenen Musik-Streamingdienst Amazon Music unlimited für sechs Monate gratis noch obendrauf. Die Offerte gilt wie alle anderen Angebote aber nur für Kunden, die den Abo-Dienst Prime für 69 Euro jährlich gebucht haben, der unter anderem schnellere Lieferungen nach Hause und einen Zugang zum Film-Streamingdienst Prime Video bietet. Das ist für Amazon der zweite wichtige Aspekt der Aktion im Sommer: Tausende neue Abonnenten kommen hinzu.

Greenpeace
Wegen der Vernichtung zurückgesandter neuer Waren protestieren rund 40 Greenpeace-Aktivisten seit Sonntagabend beim Online-Händler Amazon in Winsen im niedersächsischen Landkreis Harburg. Anlass für den Protest sei der „Prime-Day“. Man wolle auf die Ressourcenvernichtung aufmerksam machen. Laut Greenpeace gehen rund 30 Prozent aller Amazon-Retouren nicht wieder in den direkten Verkauf. 

Im Laufe des Tages waren unter anderem Mähroboter, iPhones, Smartwatches, Bluetooth-Lautsprecher, viele andere Elektrogeräte wie Heißluftfritteusen oder Tierhaarstaubsauger aber auch Bratpfannen aus Edelstahl zu haben. Teils deutlich unter der unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) des Herstellers. Verbraucherschützer machen bei solchen Aktionen aber immer wieder darauf aufmerksam, dass die UVP als Maßstab bestenfalls bedingt taugt. Da alle Händler in der Regel deutlich unter der Herstellerempfehlung blieben. Zudem werden Kunden davor gewarnt, sich unter Druck setzen zu lassen, was mit der zeitlichen Limitierung der Angebote erreicht werden soll. Häufig gebe es auch nach den Sonder-Aktionen noch Gelegenheiten, ein Produkt günstig zu erwerben.

Indes rief Verdi unter dem Motto „Kein Rabatt auf unsere Einkommen“ zu einem zweitägigen Streik an sieben von zwölf hiesigen Standorten auf. Während man zur Schnäppchenjagd blase, werde den „Beschäftigten eine existenzsichernde tarifliche Bezahlung vorenthalten“, sagte Verdi-Handelsexperte Orhan Akman. Amazon lasse sich die Nachlässe durch Tarifflucht und Niedriglöhne der eigenen Beschäftigten bezahlen. Hierzulande kämpft die Gewerkschaft seit rund sechs Jahren darum, dass die Beschäftigten nach dem Tarifvertrag für den Versand- und Einzelhandel bezahlt werden. Stattdessen erhalten sie Löhne, die sich an der Logistikbranche orientieren, was deutlich weniger ist.

Gestreikt wurde in Werne, Rheinberg, Leipzig, Graben, Koblenz und zwei Standorten in Bad Hersfeld. Geld sei im Konzern ausreichend vorhanden, sagte Verdi-Funktionär Akman, der dran erinnert, dass Amazon im ersten Quartal einen Rekordgewinn von umgerechnet rund 3,2 Milliarden Euro eingefahren hat. Ein Amazon-Sprecher wies – wie üblich – die Kritik von Verdi zurück. Man bezahle, am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten hierzulande Standard sei.

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