Ausbau

Stillstand bei der Windenergie

Verband: In Deutschland werden kaum noch neue Anlagen errichtet.

Der Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland ist fast zum Erliegen gekommen. Im ersten Halbjahr wurden 86 neue Anlagen errichtet. Die zugebaute Kapazität lag 82 Prozent unterhalb des bereits schwachen Niveaus des gleichen Zeitraums des Vorjahres. Das geht aus einer Analyse der Beratungsfirma Deutsche Windguard im Auftrag der Branchenverbände BWE und VDMA hervor, die am Donnerstag vorgelegt wurde. „Genehmigungsstau und Klageflut belasten die Branche“, sagte der Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE), Hermann Albers. Er forderte die Politik zu einem Windenergie-Gipfel auf.

Zieht man den Abbau von Windenergieanlagen ab, ergibt sich demnach ein Nettozubau von 231 Megawatt beziehungsweise 35 Anlagen. Die Branchenverbände sprachen vom schlechtesten Wert seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000. Als Hauptgrund für den Einbruch gelten lange Genehmigungsverfahren.

Albers sagte, die Energiewende scheitere nicht an den Kosten - sondern werde durch eine unzureichende Flächenbereitstellung in den Ländern, fehlende Genehmigungen und Klagen sowie Widerspruchsverfahren gegen bereits erteilte Genehmigungen aufgehalten. Er forderte die Politik auf, Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen. Es müsse geprüft werden, ob sich Klageverfahren über Jahre ziehen müssten.

Der BEW erwartet zwar im zweiten Halbjahr mehr neue Anlagen als in der ersten Jahreshälfte. Er schraubte aber seine Prognose für das Gesamtjahr herunter, auf einen Bruttozubau von rund 1500 Megawatt (MW). Von 2014 bis 2017 lag der jährliche Zubau laut Branchenangaben noch bei durchschnittlich 4600 MW.

Matthias Zelinger vom VDMA sprach angesichts der Zahlen im ersten Halbjahr von einem „Schlag in die Magengrube“ der Energiewende. „Es ist hart für die Branche, jetzt die Prognose kappen zu müssen, denn wir sehen ja, dass mehr Erneuerbare Energie gebraucht wird. Immer mehr Industrie-Unternehmen wollen klimaneutral produzieren. Wärme und Verkehr brauchen zusätzlich erneuerbaren Strom.“

In sechs Bundesländern wurden im ersten Halbjahr gar keine neuen Windanlagen errichtet – in Bayern, Hessen, dem Saarland sowie in Bremen, Hamburg und Berlin. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare