Stifterland Deutschland

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Trotz niedriger Zinsen gibt es immer mehr Stiftungen. Das ist auch ein Wohlstandszeichen: Viele Vermögende verschieben ihr Geld steuergünstig.

Stiftungen spielen in Deutschland eine große und wachsende Rolle. Sie finanzieren laut dem Bundesverband Deutscher Stiftungen (BDS) jedes 13. Krankenhaus hierzulande, unterhalten rund 270 Museen und pflegen 154 000 Hektar Land. Im vergangenen Jahr stieg ihre Zahl um gut zwei Prozent auf 22 274. Zusammen verwalten sie nach öffentlichen Angaben ein Vermögen von knapp 68 Milliarden Euro. Da nicht alle Anlagen komplett offenliegen, dürfte sich das tatsächliche Volumen in einer Größenordnung von 100 Milliarden Euro bewegen.

Die Bundesrepublik sei ein ausgesprochen stiftungsfreundliches Land, sagte der BDS-Vorstandsvorsitzende, Michael Göring. Deutschland sei eine „reife Gesellschaft“ in dem Sinne, dass vor allem im Westen viel Vermögen aufgebaut worden sei. Mittlerweile lebt dort die zweite oder sogar dritte Generation in Frieden, so dass sich enorme Werte angesammelt haben. Zudem hat es die Politik für Vermögende mit günstigen steuerlichen Bedingungen attraktiv gemacht, ihr Geld in eine Stiftung zu stecken.

Vor allem Peer Steinbrück als sozialdemokratischer Bundesfinanzminister half dem (groß-) bürgerlichen Engagement kräftig nach, indem er 2007 ermöglichte, Zuwendungen an Stiftungen bis zu einer Million Euro über zehn Jahre von der Einkommenssteuer abzusetzen. Bei Ehepaaren liegt die Grenze sogar doppelt so hoch. Diese Reform löste einen regelrechten Stiftungsboom aus, der allerdings in der Finanzkrise und der anschließenden Niedrigzinsphase etwas abebbte. Genau diese niedrigen Zinsen machen nun dem Stiftungswesen zu schaffen. Viele dieser Einrichtungen seien relativ klein, betont Göring. Daher könnten sich dahinterstehende Familien oder andere Betreiber kein ausgeklügeltes Finanzmanagementsystem leisten und setzten auf sichere Anlagen mit entsprechend niedrigen Renditen.

Der Verband erhofft sich mehr Flexibilität durch eine Reform, für die bereits ein Referentenentwurf der alten Bundesregierung existiert und für die sich Union und SPD im Grundsatz auch in ihrem Koalitionsvertrag aussprechen. Sie müsste laut dem BDS nicht nur den bürokratischen Aufwand für die häufig ehrenamtlich tätigen Verwalter mindern, sondern für sie auch die Haftungsrisiken bei falschen Vermögensanlagen senken. Wichtig sei zudem, Zusammenschlüsse und Satzungsänderungen zu erleichtern. So könnten Stifter besser auf sich verändernde Umstände – wie etwa die ungewöhnlich niedrigen Zinsen – reagieren.

Die meisten Stiftungen gibt es in Deutschland in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen, gefolgt von Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Im Osten steht Sachsen am besten da.

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