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Länder wie Panama waren jahrzehntelang beleibte Steueroasen für große Konzerne. 

Steuerschlupflöcher

Konzerne verschieben ihre Gewinne - dem Staat entgehen Milliarden

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Weil multinationale Konzerne ihre Profite in Steuerparadiese verschieben, entgehen Staaten Milliarden. Die EU muss dem einen Riegel vorschieben.

Ein Ergebnis des freien Weltmarktes und der Konkurrenz der Standorte um Investoren ist ein Wettlauf der Staaten um Steuersenkungen. Mit niedrigen Steuersätzen, Sonder- und Ausnahmeregeln versuchen Staaten, Unternehmen auf ihr Territorium zu locken. Dieses Angebot nehmen die multinationalen Konzerne gerne an. Ergebnis ist die sogenannte Gewinnverschiebung – also die konzerninterne Verlagerung von Kosten und Erträgen mit dem Ziel, den zu versteuernden Überschuss dort anfallen zu lassen, wo der Fiskus wenig oder möglichst nichts verlangt. Zum Beispiel auf den Bermudas, wo der Steuersatz bei null Prozent liegt und der Google-Konzern Einnahmen von satten 23 Milliarden Dollar verbuchte. Eines der Länder, das unter dieser Verschiebetechnik weltweit am meisten leidet, ist – Deutschland.

Wissenschaftler der Universitäten Berkeley und Kopenhagen haben eine Datenbank erstellt, die zeigt, wo die Konzerne ihre globalen Gewinne verbuchen. Auf Basis dieser Daten schätzen sie, welche Gewinnsummen die Firmen in Steuerparadiese verschieben und was dies jeden einzelnen Staat an Steuereinnahmen kostet.

Laut dieser Schätzung haben die Multis im Jahr 2016 weltweit mehr als 650 Milliarden Dollar an Profiten in Steuerparadiese verschoben. Dies entsprach nicht weniger als 40 Prozent der gesamten Gewinnsumme der Konzerne. Das ermöglichte ihnen eine Senkung ihrer Steuerrechnung um fast zehn Prozent – immerhin 200 Milliarden Dollar, so die Wissenschaftler.

Auf ihrer Internet-Seite www.missedprofits.world lässt sich erkennen, wie stark jedes einzelne Land von den Steuerspartechniken betroffen ist. Ganz vorne mit dabei ist der deutsche Fiskus. Ihm entgehen fast 20 Milliarden Dollar (rund 18 Milliarden Euro) jedes Jahr durch das sogenannte „profit shifting“. Das entspricht immerhin 29 Prozent der gesamten Unternehmenssteuer-Erträge.

Von den entgangenen knapp 20 Milliarden Euro wandern 15,5 Milliarden Euro in Steuerparadiese ab, die nicht auf fernen Tropeninseln beheimatet sind, sondern direkt vor der Haustür: in der EU. Fünf Milliarden Euro gehen jeweils in die Niederlande und Luxemburg, drei Milliarden nach Irland. 800 Millionen Euro ziehen nach Malta und 1,4 Milliarden nach Belgien. Die Schweiz bekommt acht Milliarden Euro an Konzerngewinnen und 2,4 Milliarden Euro an Steuereinnahmen.

Ähnlich hart wie Deutschland trifft es Frankreich, das durch Gewinnverschiebung 24 Prozent seiner Unternehmenssteuer-Einnahmen verliert. In Großbritannien ist es über ein Fünftel. Damit liegen die europäischen Staaten weit vorn im globalen Vergleich. In den USA zum Beispiel haben die entgangenen Unternehmensteuern nur einen Anteil von 17 Prozent, in Kanada sind es acht Prozent, in Australien sieben Prozent und in Japan nur zwei Prozent. Diesen Ländern gegenüber stehen die Gewinner: Die globale Profitwanderung führt in der Schweiz zu einem Mehr-Ertrag der Unternehmenssteuern von 28 Prozent, die Niederlande gewinnen 30 und Irland sogar 65 Prozent.

Die Konzerne tun nur, was man sie lässt. Die Steuerschlupflöcher zu schließen, ist Aufgabe der Regierungen. Es ist also an ihnen, in der EU die nationale Hoheit in Steuerfragen wenigstens aufzuweichen und sich auf globaler Ebene auf eine Mindeststeuer zu einigen.

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