+
ADAC - Pannenhilfe

Steuern

ADAC muss nachzahlen

  • schließen

Mehrere Regionalclubs revoltieren wegen hoher Steuerforderungen.

Eigentlich ist es seit Ende 2017 klar, dass der ADAC sparen muss. Das Bundeszentralamt für Steuern hatte damals ein Steuerprivileg des größten deutschen Automobilclubs kassiert. Seitdem sind dessen Mitgliedsbeiträge teilweise steuerpflichtig. Das Amt hatte an eine Mitgliedschaft geknüpfte Leistungen wie Pannen- und Unfallhilfe als versicherungsähnliche Leistung gesehen und schon damals 90 Millionen Euro an Steuernachzahlungen für 2014 und 2015 verlangt. Klar war, dass für 2016 bis 2018 noch etwas nachkommt und ab 2019 regelmäßige Steuerzahlungen fällig werden. So ist es gekommen. Weitere rund 100 Millionen Euro sind mittlerweile nachgezahlt worden. 30 bis 50 Millionen Euro sind ab 2019 jährlich fällig, je nachdem wen man im Umfeld des Clubs dazu befragt.

Heftig umstritten ist dagegen, wer beim ADAC für die Versicherungssteuerpflicht finanziell gerade steht. Bei einem jüngsten Treffen des ADAC-Verwaltungsrats ist dem Vernehmen nach mehrheitlich, aber nicht einstimmig beschlossen worden, dass sich die Münchner Zentrale und die 18 deutschen Regionalclubs die Kosten teilen. Die überstimmten Regionalclubs wollen das aber offenbar nicht akzeptieren und drohen mit einer Klage. Noch sei die zwar nicht zugestellt, aber von insgesamt fünf Regionalclubs angekündigt worden, sagt ein Insider.

Als treibende Widerstandskraft gilt der Regionalclub Nordrhein, was kein Zufall ist. Dort hat Peter Mayer das Sagen, der bis zum ADAC-Skandal um den manipulierten Autopreis „Gelber Engel“ 2014 selbst ADAC-Präsident war und nicht freiwillig aus dem Amt geschieden ist. Auch bei der anschließenden Reform unter Nachfolger August Markl galt er als dessen Gegenspieler. Hier sind auch auf persönlicher Ebene alte Rechnungen offen. 

Rückfall in alte Zeiten? 

Unbestritten ist, dass die neuen Steuerpflichten den Club hart treffen und ihn in die Verlustzone gestürzt haben. Für 2018 ist zwar noch keine Bilanz veröffentlicht. Aber Insider bestätigen einen zweistelligen Millionenverlust, der auch 2019 droht. Ein eingeleitetes Sparprogramm soll ab 2021 zumindest wieder eine schwarze Null ermöglichen. Die bis dahin wohl andauernden roten Zahlen könnten indes einen weiteren Konfliktherd erklären, der nun sichtbar geworden ist. 

Dabei geht es um einen vermeintlichen Rückfall in skandalgeschwängerte Zeiten. Lange Jahre hatte der Club seine kommerziellen Geschäfte mit denen des steuerprivilegierten Vereins vermengt und sich dabei auch fiskalisch angreifbar gemacht. Eine Radikalreform unter Markl, die in einer Dreiteilung in Verein, Stiftung und einer strikt davon getrennten Aktiengesellschaft geendet hat, sollte für klare Verhältnisse sorgen. Nun ist aber der Brief eines ADAC-Regionalleiters an mehrere Pannenhelfer aufgetaucht, der stutzig macht. In Sachen Batterieservice und Mitgliederwerbung seien die angeschriebenen Pannenhelfer hinter den Erwartungen zurückgeblieben, heißt es darin. 

Die Existenz des Briefs wird vom ADAC bestätigt und die Wortwahl bedauert. Sie sei aber nur unvorteilhaft formuliert und nicht anrüchig. Es gebe keinesfalls Vorgaben für den Verkauf von Batterien oder Mitgliederwerbung beim Panneneinsatz. Es würden dafür auch keine Provisionen gezahlt. Solche Praktiken seien Vergangenheit. Auch bei der Trennung von Tests durch den Verein und kommerziellem Geschäft gebe es keine Abstriche, beteuert der ADAC. Partnerschaften seien nicht exklusiv sondern offen für alle Firmen, die Mitgliedern mobilitätsnahe Vorteile brächten. Ein Rückfall in alte Zeiten sei ausgeschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare