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Einen Monat lang haben die Steuerzahler Zeit, Einspruch gegen den Bescheid zu erheben.

Dem Fiskus auf die Finger gucken

Steuerbescheid: Unbedingt prüfen und gegebenenfalls Einspruch erheben

  • vonMechthild Henneke
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Es kann sich lohnen, den Steuerbescheid zu prüfen und gegebenenfalls Einspruch zu erheben. Die Frankfurter Rundschau erklärt, worauf dabei zu achten ist.

  • Aktuell erhalten viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer den Bescheid zu ihrer Einkommenssteuer.
  • Es kann vorkommen, dass die Steuer-Rückzahlungen geringer ausfallen als erwartet.
  • In diesem Fall lohnt sich eine genaue Prüfung des Steuerbescheids.

In diesen Tagen bekommen viele Steuerzahler ihren Bescheid zur Einkommenssteuer. Wer auf eine niedrigere Zahlung oder eine höhere Rückzahlung gehofft hat, sollte den Bescheid gründlich prüfen. Fehler kommen vor – auch im Softwareprogramm Elster. Einen Monat lang haben die Steuerzahler Zeit, Einspruch gegen den Bescheid zu erheben.

Die Monatsfrist für den Steuerbescheid

Die Frist für den Einspruch zum Steuerbescheid beträgt einen Monat nach Erhalt des Bescheids. Drei Tage, nachdem der Brief mit dem Steuerbescheid abgeschickt und abgestempelt wurde, gilt der Brief als zugestellt, heißt es laut Gesetz. Ist dies zum Beispiel am 30. September der Fall, hat der Empfänger Glück: Die Frist läuft erst ab dem nächsten Werktag. Da der 3. Oktober ein Feiertag und der 4. Oktober ein Sonntag ist, beginnt die Frist erst am 5. Oktober.

Steuerbescheid: Fristbeginn am 05. Oktober 2020

„Die Monatsfrist endet mit dem Ablauf desjenigen Tages des darauffolgenden Monats, der durch seine Zahl dem Tag entspricht, an dem der Bescheid bekannt gegeben wurde“, erklären die Autoren Wolfgang Benzel und Dirk Rott im „Steuerratgeber für Arbeitnehmer. Ausgabe 2020“. In diesem Fall wäre es der 5. November, der auf einen Montag fällt. Läge der Tag am Wochenende, wäre der nächste Werktag relevant.

Einspruch gegen den Steuerbescheid - so geht es

Der Einspruch muss schriftlich beim Finanzamt eingereicht werden. Dafür reicht ein formloses Schreiben. Das Schreiben kann per Post, Fax, E-Mail oder über das Onlineportal der Finanzverwaltung (www.elster.de) eingereicht werden.

Steuerbescheid 2020: Gegebenenfalls Einspruch erheben

Laut finanztip.de sind fast zwei Drittel aller Einsprüche erfolgreich. Wenn ein Einspruch beim Finanzamt eingeht, überprüft dieses den gesamten Bescheid. Das kann auch dazu führen, dass Fehler zuungunsten des Steuerzahlers gefunden werden. Darüber muss das Finanzamt den Steuerzahler informieren, so Finanztip. Falls dies rechtzeitig geschieht, kann der Steuerzahler den Einspruch noch zurückziehen. Liegt ein neuer Bescheid vor, ist die darin genannte Summe fällig.

Steuer ermitteln per Vergleichsberechnung

Wer seine Steuererklärung online einreicht, erhält seinen Bescheid im Elster-Postfach. „Im selben Postfach findet sich auch eine Vergleichsberechnung“, sagt Anja Hardenberg, Redakteurin für Themen rund ums Geld bei „Stiftung Warentest“. „Links bei Elster steht im Vergleich, was ich als Steuerzahler eingereicht beziehungsweise angegeben habe und rechts daneben, was das Finanzamt in meinem Fall konkret anerkannt hat.“

Steuererklärung 2020: Ansprüche genau kennen

So lassen sich Abweichungen des Bescheids von der Steuererklärung nachvollziehen. Wenn das Finanzamt Posten nicht anerkennt oder anders berechnet, begründet es das. Allerdings nicht in der Vergleichsberechnung, sondern im Bescheid selbst. Am Ende des Dokuments finden sich diese Erläuterungen.

Zahlungspflicht

Ein Einspruch gegen den Steuerbescheid hat keine aufschiebende Wirkung. Wer eine „Aussetzung der Vollziehung“ beantragt, hemmt die sofortige Zahlungspflicht. Die Aussetzung der Vollziehung muss begründet werden. Das Finanzamt muss die Aussetzung schriftlich bestätigen. Wird dem Einspruch nicht stattgegeben, sind eventuell Zinsen ans Finanzamt fällig – 0,5 Prozent für jeden vollen Monat.

Steuer als Papierbescheid

Wer seine Steuererklärung auf Papier eingereicht hat, muss seine Ansprüche genau kennen, um Fehler zu finden. Das ist nicht einfach – etwa bei der Überprüfung von Vorsorgeaufwendungen, erklärt „Stiftung Warentest“. „Am Ende bleibt nur, die Daten aus der Papier-Steuererklärung Posten für Posten mit dem Steuerbescheid abzugleichen.“ Damit könnten zumindest Schreibfehler und Zahlendreher ausgeschlossen werden. Außerdem werde so klar, ob das Finanzamt alle Ausgaben übernommen hat.

Steuerbescheid 2020: Finanzamt kann vorläufige Bescheide erteilen

Vermerke in der Steuererklärung

Nur weil ein Bescheid vorliegt, heißt das noch nicht, dass er abschließend kontrolliert wurde. „Stiftung Warentest“ weist im aktuellen Heft darauf hin, dass das Finanzamt auch vorläufige Bescheide erteilen kann. Das kann passieren, wenn ein Verfahren beim Bundesfinanzgerichtshof anhängig ist, dessen Urteil das Finanzamt abwarten will. Ein anderer Fall ist der „Vorbehalt der Nachprüfung“. Das betrifft Selbstständige oder Gewerbetreibende, bei denen möglicherweise eine Betriebsprüfung erfolgen soll.

Fehlerquellen bei der Steuererklärung

Bei Arbeitnehmern senden der Arbeitgeber und die Krankenversicherung Daten ans Finanzamt, die in die Steuererklärung einfließen. „Es kann vorkommen, dass der Arbeitgeber bei der Angabe des Lohns irrt“, sagt Hardenberg. Auch Krankenkassenbeitrag, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag können noch einmal mit den eigenen Berechnungen verglichen werden.

Arbeitswege in der Steuer berücksichtigen lassen

30 Cent dürfen Arbeitnehmer pro Kilometer Arbeitsweg absetzen. Ab 14 Kilometern Weg überschreiten Personen, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, die 1000 Euro Werbungskostenpauschale jährlich. Allerdings muss die kürzeste Fahrtstrecke gewählt werden. Mancher Arbeitnehmer wählt einen Schleichweg, der etwas länger ist. Möglicherweise berechnet das Finanzamt aber den direkten Weg und senkt deshalb den angegebenen Betrag. Oder Dienstreisen oder andere berufliche Fahrten wurden nicht anerkannt, weil das Finanzamt sie als Wege zur Arbeit eingeordnet hat. Hier hilft häufig eine klare Aufstellung der Fahrten und ein Gespräch mit dem Finanzamt.

Steuererklärung 2020: Bis zu 4000 Euro für haushaltsnahe Dienstleistungen abziehen

Bis zu 4000 Euro können Steuerzahler jährlich für haushaltsnahe Dienstleistungen von der zu zahlenden Steuer abziehen. Hinzu kommen bis zu 1200 Euro für Handwerkerleistungen im Haus, der Wohnung oder auf dem Grundstück. Bei den Rechnungen können jeweils 20 Prozent geltend gemacht werden – ohne Materialkosten. Dasselbe gilt für solche Leistungen in der Nebenkostenabrechnung von Mietern und der Hausgeldabrechnung für Eigentümer, die ihre Wohnung selbst nutzen. Was berücksichtigt wurde, steht unter „Berechnung der Steuer“ als „Ermäßigung“ für Handwerkerleistungen oder für haushaltsnahe Dienstleistungen, erklärt „Stiftung Warentest“. Wer noch auf seine Nebenkostenabrechnung wartet, kann das Amt bitten, den Bescheid zunächst offen zu lassen. Ist die Einspruchsfrist vorbei, kann eine Änderung wegen neuer Tatsachen beantragt werden.

Altersentlastungsbetrag

Steuerzahlenden, die 2018 ihren 64. Geburtstag gefeiert haben, steht seit dem Jahr 2019 ein Altersentlastungsbetrag für Einkünfte zu. Diese können aus Miete oder Kapitalerträgen stammen und dürfen maximal 836 Euro betragen. Der Betrag wird laut „Stiftung Warentest“ mittels des Geburtsdatums ermittelt und geht dann von der „Summe der Einkünfte“ ab. Ehepaare sollten prüfen, ob das Finanzamt die jeweiligen Einkünfte im Bescheid dem richtigen Partner zugeordnet hat. (Mechthild Henneke)

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