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Pestizide in der Landwirtschaft.

Nachhaltige Landwirtschaft

Steuer auf Pestizide

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Seit vielen Monaten streiten in Deutschland Bauern und Politik darüber, wie die konventionelle Landwirtschaft nachhaltiger werden kann. Wer wissen will, wie dies gelingen kann, blicke nach Dänemark. Die Gastwirtschaft.

Seit vielen Monaten streiten in Deutschland Bauern und Politik darüber, wie die konventionelle Landwirtschaft nachhaltiger werden kann. Wer wissen will, wie dies gelingen kann, blicke nach Dänemark.

Im Jahre 2013 hat die dänische Regierung eine sogenannte Pestizidsteuer eingeführt. Ihre Höhe bemisst sich nach der Schädlichkeit des jeweiligen Pestizids für die menschliche Gesundheit, die Pflanzen und das Grundwasser. Der Einsatz wird also umso teurer, je mehr schädliche Chemikalien ein Landwirt auf seine Felder sprüht. Gleichzeitig profitieren die Landwirte von den Einnahmen aus der Steuer. Ihnen wurden die Abgaben gesenkt, sie können Förderung für neue Techniken oder Umbauten beantragen. Ein Teil der Einnahmen finanziert zudem die Erforschung neuer Methoden der Landwirtschaft.

Um den Erfolg zu messen haben die dänischen Behörden einen „Toxic Load Indicator“ entwickelt, einen Pestizidbelastungsindex. Diese Statistik wird detailliert für jeden landwirtschaftlichen Betrieb erhoben. Schon nach wenigen Jahren sind die Messergebnisse bemerkenswert: Nach diesem Index ist die Pestizidbelastung dänischer Böden von 2012 bis 2018 um rund 40 Prozent zurückgegangen.

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Wolfgang Kesseler, Wirtschaftspublizist. Von ihm stammt das Buch „Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern“.

Die Preise für Nahrungsmittel sind leicht gestiegen, die Erträge der Landwirte blieben fast unverändert, ihr Widerstand gegen diese Politik ist abgeflaut. Nebenbei stärkt die Pestizidsteuer die Wettbewerbsposition der ohnehin stark verbreiteten biologischen Landwirtschaft in Dänemark, weil sie keine Pestizide versprüht.

„In Dänemark wird heute kaum mehr vorbeugend oder nach fixen Plänen gespritzt, sondern nur noch, wenn es für die Sicherstellung des Ertrages notwendig ist“, fasst der Schweizer Agrarexperte Andreas Bosshard seine Eindrücke von einem Besuch in dem Land zusammen. Er empfiehlt die gleiche Strategie für die Schweiz, denn auch dort nimmt der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln stetig zu.

Fazit: Dänemark zeigt, dass die Politik die Landwirtschaft durchaus zu nachhaltigerem Wirtschaften und damit zum Schutz von Gesundheit und Grundwasser bewegen kann – allerdings nur, wenn sich eine Regierung traut, den Einsatz von Pestiziden gegen die Lobby von Großlandwirten und chemischer Industrie zu verteuern.

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