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Erstmal kein Betrieb in Deutschland und Südafrika. 

Autoindustrie in der Corona-Krise

BMW stellt Produktion bis nach Ostern ein

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Autobauer wagt vorsichtige Gewinnprognose für das laufende Jahr. Kurzarbeiter erhalten 93 Prozent Gehalt.

Als letzter großer Autobauer in Deutschland hat nun auch BMW ein Herunterfahren der Produktion in ganz Europa und Südafrika verfügt. Betroffen davon sind rund 30 000 der konzernweit etwa 130 000 Beschäftigten mit Schwerpunkt Deutschland. Das sei dem Schutz des Personals vor Ansteckung mit dem Coronavirus bei der Arbeit geschuldet, erklärte BMW-Chef Oliver Zipse per Internet. Zudem rechnet er nun auch in Europa mit massiven Nachfrageeinbrüchen wie in China, wo die Nachfrage nach Autos im Februar um über 80 Prozent nachgelassen hat. EU-weit hätten viele Autohändler bereits geschlossen. Die BMW-Zulieferkette ist allerdings noch nirgendwo gerissen. „In Zeiten wie diesen braucht es verantwortungsvolles Handeln“, sagte Zipse.

Konkurrierende Anbieter wie VW und Daimler hatten schon einen zeitweiligen Produktionsstop angekündigt, ebenso die VW-Tochter Porsche, bei der das Werk Zuffenhausen und der Standort Leipzig ab Samstag stillstehen. BMW schließt seine Werke mit dem jetzigen Schritt um ein bis zwei Wochen länger, über Ostern hinaus. Zugleich wagen die Münchner für 2020 trotz Corona-Pandemie eine - wenn auch sehr eingeschränkte - Prognose. So soll die operative Gewinnmarge im reinen Autobau zwischen zwei und vier Prozent liegen, kündigte Finanzchef Nicolas Peter an. Ohne Corona-Krise wären sechs bis acht Prozent Marge geplant gewesen. Das heißt aber auch, dass BMW trotz Pandemie profitabel bleiben und keine Staatshilfen in Anspruch nehmen will. Das ist den Bayern schon 2008/09 in der Finanzkrise gelungen.

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BMW verfüge über 17,4 Milliarden Euro an liquiden Mitteln, betonte Peter. Voraussetzung für die Gewinnprognose sei, dass binnen „einiger Wochen“ wieder eine Normalisierung der Lage eintritt. Darauf macht ausgerechnet China als Ursprung der Krise Hoffnung. Dort hätten 95 Prozent aller BMW-Händler wieder offen, der Auftragseingang nehme wieder zu, sagte Vertriebschef Pieter Nota. Den möglichen Umfang globaler Absatzeinbrüche bis Ende 2020 will und kann aber auch er nicht abschätzen.

Ob und wann BMW auch Werke in Nordamerika schließt, ist noch offen. In Deutschland ist für den Fall von Kurzarbeit mit dem Betriebsrat bereits vereinbart, dass Beschäftigte minimal 93 Prozent ihrer Gehälter bekommen.

„Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation“, stellte Peter klar. Zugleich betonte er, das BMW die Personalzahl auch 2020 konstant halten wolle. Das ist umso bemerkenswerter, da die beiden heimischen Premiumwettbewerber Mercedes und Audi schon vor Ausbruch der Pandemie einen Abbau Tausender Stellen angekündigt hatten. Selbst die Ausgaben für Forschung und Entwicklung drosselt BMW nicht. Bis 2025 wollen die Münchner dafür jährlich rund sechs Milliarden Euro ausgeben, was dem Niveau von 2019 entspricht.

„Das zeigt unsere Zuversicht“, meinte Zipse. Einige nicht zwingend nötige Investitionen können aber um ein paar Monate verschoben werden. Man müsse auch an eine Zeit nach Corona denken, betont der BMW-Chef.

Einige Experten glauben nicht, dass alle Autobauer die Pandemie meistern werden. „Nach der Krise könnte die Automobilwelt infolge einer Konsolidierung eine andere sein“, schätzt der Autoanalyst der NordLB, Frank Schwope. So sei es gut möglich, dass der BMW-Konzern, der zuletzt ohnehin näher an den Erzrivalen Daimler herangerückt ist, noch intensiver mit ihm kooperiert oder beide sogar fusionieren.

BMW würde sich in einem solchen Szenario fraglos in einer Position der Stärke sehen. Schon jetzt reklamieren die Bayern für sich mit Blick auf die elektromobile Zukunft eine Führungsposition. In den ersten beiden Monaten 2020 habe der BMW-Absatz elektrifizierter Modelle EU-weit um ein Viertel zugenommen, betont Zipse. Ein Zehntel der 2020 bislang zugelassenen Neuwagen sei teil- oder vollelektrisch angetrieben. In Deutschland ist BMW in dieser Hinsicht Marktführer mit einem Anteil von 21 Prozent.

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