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Die Deutsche Bank baut 18.000 Stellen ab

Stellenabbau

Kritik an Millionen-Abfindungen für Vorstände der Deutschen Bank

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Die Deutsche Bank baut 18.000 Stellen ab - und zahlt drei Vorständen, die den Konzern verlassen müssen, insgesamt etwa 26 Millionen Euro an Abfindungen

Diese Nachrichten passen schlecht zusammen: Einerseits verkündete die Deutsche Bank am Sonntag, 18 000 Jobs abzubauen. Andererseits wurde nun bekannt, dass das Institut drei Vorständen, die den Konzern im Zuge des Umbaus verlassen werden, insgesamt etwa 26 Millionen Euro an Abfindungen und sogenannten Karenzentschädigungen zahlt. Darunter versteht man Ausgleichszahlungen dafür, dass die Manager vorübergehend nicht bei der Konkurrenz anheuern dürfen.

Konkret soll der bisherige Chef des Investmentbankings, Garth Ritchie, etwa elf Millionen Euro erhalten. Die scheidende Regulierungsvorständin Sylvie Matherat wird etwa neun Millionen Euro, Privatkundenchef Frank Strauß mindestens sechs Millionen Euro bekommen. Auch wenn solche „goldenen Handschläge“ bei großen Unternehmen Usus und legal sind, stoßen sie nicht nur vielen Mitarbeitern der Deutschen Bank bitter auf.

„18 000 Arbeitsplätze stehen im Feuer und Manager plündern das brennende Haus. Solche Verhältnisse schreien nach ordnungspolitischen Maßnahmen, also gesetzlichen Regelungen“, sagte der finanzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Lothar Binding. „Bei solchen Abfindungen schwankt mein Urteil zwischen grotesk, skandalös, unverschämt, hinterlistig, frech, schlimm und dumm. Und der Aufsichtsrat macht mit.“

Deutsche Bank: Bürgerbewegung Finanzwende kritisiert „goldene Fallschirme“

Gerhard Schick, Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende, erklärte zu den Abfindungen: „Die Verträge sind eine Win-win-Angelegenheit für die Manager: Wenn es gut läuft, verdienen sie Millionen und wenn es schlecht läuft, auch. Wo ist da die Übernahme von Verantwortung? Goldene Fallschirme für die erfolglosen Manager und Jobverluste für Tausende von Mitarbeitern – da passt etwas nicht zusammen.“

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In der Deutschen Bank sind die Gewerkschaften Verdi und DBV aktiv. Beide Gewerkschaften haben über ihre Vertreter im Aufsichtsrat das Vergütungssystem der Bank und damit auch die Abfindungsregeln mitgestaltet und abgesegnet. Ein Sprecher des DBV sagte der FR, die Vergütungsverordnung der Bank entspreche den gesetzlichen Vorgaben. „Das andere ist aber die moralische Bewertung“, sagte er. Es sei fragwürdig, dass so viele Mitarbeiter ihren Job verlören und gleichzeitig drei Vorstände solche Summen erhielten: „Das ist demotivierend für die Mitarbeiter, die ebenfalls ihre Leistungen bringen und dafür teilweise nur Tariflöhne bekommen.“ Die Gewerkschaft Verdi wollte sich nicht äußern.

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