+
Sonnenuntergang auf einem Ölfeld in Texas.

Benzinpreise

Steigender Ölpreis macht Autofahren teurer

  • schließen

Ein Barrel kostet mehr als 80 Dollar, das hat Folgen auch für deutsche Autofahrer. Trumps Iran-Sanktionen sind zudem für eine Verknappung des Rohstoffs mitverantwortlich.

Einen Liter Benzin für 1,50 Euro. Das war vor Jahren einmal eine magische Marke, die heftige Diskussionen auslöste. Anfang der Woche kostete Super E10 nach den Daten des Verbraucherportals Clever-tanken.de an vielen Tankstellen sogar bis zu 1,54 Euro. Am Dienstag gaben die Preise leicht nach. Dennoch ist mit 1,49 Euro ein Niveau erreicht, das an die Zeit vor gut vier Jahren erinnert. Doch die Autofahrer haben sich daran offenbar gewöhnt. Von Benzinwut ist derzeit nichts zu spüren. Vielleicht noch nicht. Denn viele Experten erwarten, dass es in naher Zukunft weitere Aufschläge geben wird.

Die aktuellen Preiserhöhungen haben auch damit zu tun, dass sich in diesen Tagen die erste Welle von Reisenden auf den Weg in den Herbsturlaub machen wird. Doch noch viel wichtiger dürfte sein, dass der Rohstoff fürs Benzin immer teurer wird. Die weltweit wichtigste Sorte Brent ist deutlich über die Marke von 80 Dollar pro Fass (159 Liter) gesprungen. Das Rohöl kostete am Dienstagnachmittag fast 81,90 Dollar, umgerechnet knapp 69,7 Euro. Das ist der höchste Wert seit November 2014. Die Erklärungen der Experten sind einhellig. Der Ausfall wesentlicher Förderländer hat das Angebot verknappt. 

US-Sanktionen gegen den Iran mitverantwortlich 

Da ist einerseits Venezuela. Das Land kann nur noch beschränkt den Rohstoff aus dem Untergrund pumpen, weil zahlreiche Förderanlagen marode sind. Der andere höchst kritische Exporteur ist der Iran. Das drittgrößte Förderland innerhalb des Opec-Kartells sieht sich mit neuen Wirtschaftssanktionen durch die US-Regierung konfrontiert. Die Strafen werden zwar erst im November wirken. Doch die Händler an den internationalen Rohstoffbörsen haben diese Entwicklung schon vorweggenommen und spekulieren auf steigende Preise, was die aktuellen Notierungen bereits in die Höhe getrieben hat.

Auf der anderen Seite steht eine hohe Nachfrage, die vor allem aus China und schnell wachsenden Schwellenländern wie Indien kommt. Die Händler begännen zu realisieren, dass eine starke globale Nachfrage und limitierte Produktionskapazitäten zum engsten Markt seit langer Zeit führten, sagte Phil Flynn vom US-Analysehaus Price Futures Group der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Die Öl-Experten mehrerer US-Großbanken wie JP Morgan Chase und Bank of America prognostizieren inzwischen 95 Dollar pro Fass für die erste Hälfte des nächsten Jahres. Der Schweizer Mineralölhändler Mercuria erwartet sogar, dass demnächst wieder die Marke von 100 Dollar erreicht wird.

OPEC will Quote nicht erhöhen 

Vertreter der Opec und anderer wichtiger Förderländer hatten am Wochenende beschlossen, die Fördermengen nicht zu erhöhen, obwohl US-Präsident Donald Trump dies vehement gefordert hatte. Der Markt sei gut versorgt, sagte Saudi-Arabiens Energieminister Khalid Al-Falih nach dem Treffen. Der Grund für einen Verzicht auf eine weitere Steigerung der Förderung sei, dass die Kunden die Mengen an Öl erhielten, die sie verlangten. Er spielt damit auf die Situation vor zwei, drei Jahren an, als der Markt mit billigem Öl geflutet wurde. Die Lager waren weltweit voll. Riesige Mengen mussten auf Tankern gebunkert werden. Das ließ die Preise zeitweise unter die Marke von 30 Dollar rutschen. Einen derartigen Verfall wollen die Opec, aber auch Russland nicht noch einmal erleben, da viele Öl-Staaten Preise um die 100 Dollar brauchen, um ihre Ausgaben zu decken.

Allerdings mehren sich unter den Experten die Stimmen, dass die Argumente der Opec nur vorgeschoben sein könnten. Das Kartell hat keine Garantie ausgesprochen, ausfallende Exportmengen des Irans auszugleichen. Jetzt fragten sich Händler, ob die Opec womöglich gar nicht in der Lage sei, in der Zukunft mehr zu pumpen, so Flynn. Solch eine Konstellation ist ideal für Spekulanten, die auf steigende Preise setzen. Zumal auch Mutmaßungen kursieren, dass das Minus bei den iranischen Öl-Exporten erheblich größer ausfallen könnte, als es erwartet wird. Schon in den vergangenen Monaten sind die Mengen deutlich gesunken, weil es offenbar auch dort technische und logistische Probleme gibt. Im August wurden im Iran noch 3,5 Millionen Fass gefördert. Das war die geringste Menge seit Mai 2016. All diese Szenarien machen einen Benzinpreis im Bereich von 1,60 Euro pro Liter wahrscheinlich. Denn die Bewegungen am Rohölmarkt schlagen zwar nicht 1:1 auf den Preis an der Tankstelle durch. Mit zeitlicher Verzögerung vollziehen die Spritpreise jedoch den Trend nach.

Nachfrage wird wohl sinken 

Doch beim Öl gibt es immer ein „Aber“. So macht der britische Energieriese BP darauf aufmerksam, dass der Handelskonflikt der USA mit China das globale Wirtschaftswachstum bremsen könnte. Das sei in den aktuellen Notierungen noch nicht eingepreist.

Der langfristige Trend scheint ohnehin gegen die Förderländer zu sprechen. Die Energieexperten der norwegische Firma DNV GL – ein renommierter Anbieter von Ingenieurdienstleistungen, Zertifizierungen und Risikomanagement für die Öl-und Gasindustrie sowie für Firmen der erneuerbaren Energien – sehen eine eindeutige Entwicklung. Die höchste Nachfrage nach Erdöl werde schon 2023 erreicht, heißt es im gerade erschienenen Energy Transition Outlook 2018. Von da an werde die Nachfrage nach dem zähflüssigen Energielieferanten kontinuierlich sinken.

Der wichtigste Grund: Die Experten gehen davon aus, dass sich vom Jahr 2020 an die Elektromobilität durchsetzen wird. Schon 2027 würden in Europa genauso viele E-Autos wie Pkw mit Verbrennungsmotor neu zugelassen. 2032 werde dieser Umschlagpunkt in China, Nordamerika und in Indien erreicht.

Wenn der Höhepunkt der Ölnachfrage erreicht ist, bedeutet das, dass die bisherigen Mechanismen des Öl-Marktes ausgehebelt werden. Die Förderländer müssen sich darauf einstellen, dass in fünf Jahren eine Situation eintritt, die tendenziell sinkende Preise bringt. Die Frage stellt sich dann, ob Opec und Co. in der Lage sind, durch geringere Fördermengen die Preise stabil zu halten oder sogar zu erhöhen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare