+
US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus.

Bonus-Zahlungen

"Steckt die Banker in den Bau"

  • schließen

US-Präsident Barack Obama ist entrüstet: 18.4 Milliarden Dollar haben sich Vorstände von Finanzinstituten an der Wall Street im Jahr 2008 als Boni ausgezahlt. Von Sebastian Moll

New York. US-Präsident Barack Obama ist eigentlich kein Mensch, der leicht die Fassung verliert. Als er am Donnerstagnachmittag nach einer Sitzung mit Finanzminister Timothy Geithner die Reporter in das Oval Office einließ, war Obama jedoch merklich aufgebracht. Anlass für seinen ungewohnten Temperamentsausbruch war die Meldung des Rechnungsprüfers des Staates New York, dass sich die Vorstände der Finanzinstitute an der Wall Street im Jahr 2008 Boni in Höhe von 18,4 Milliarden Dollar ausgezahlt hatten.

"Es wird eine Zeit für sie geben, Profite zu machen und eine Zeit, sich Boni auszuzahlen. Aber jetzt ist nicht diese Zeit", wetterte der Präsident. "Finanzminister Geithner und ich gedenken, diese Botschaft unmissverständlich klar an die Wall Street zu senden."

Die Meldungen, dass die Wall Street-Bosse im vierten Quartal trotz der Finanzkrise und der staatlichen Hilfspakete nicht bereit waren, ihre Ansprüche zurück zu schrauben, hatten schon tagelang für Entrüstung gesorgt. Besonders die Absicht der Citigroup-Chefs, einen Firmenjet für 50 Millionen Dollar zu kaufen, nachdem die Firma mehr als 300 Milliarden Dollar an Regierungsmittel erhalten hatte, wurde mit Zorn kommentiert. Ebenso, dass Merrill Lynch Chef John Thain Boni von vier Milliarden auszahlte und sich sein Büro für eine Millionen renovieren ließ, während seine Bank von der Bank of America übernommen und mit Staatsknete gerettet wurde.

Die New York Times-Kolumnisten Maureen Dowd nannte Thain einen "skrupellosen Leichenfledderer" und forderte, ihn in Ketten zu legen und einen Schauprozess mit ihm zu veranstalten. US-Vize-Präsident Joe Biden schlug in dieselbe Kerbe: "Ich würde diese Jungs sofort in den Bau stecken. Sie haben immer noch die gleiche Mentalität, die uns hier hineingeritten hat." Und tatsächlich erhob der Generalstaatsanwalt des Staates New York, Andrew Cuomo, diesen Rufen folgend, am Dienstag Anklage gegen Thain.

Obamas Ausbruch hatte allerdings wohl nicht in erster Linie das Ziel, mit den Wall Street-Chefs einen Schauprozess zu veranstalten. Laut Wall Street Journal waren die Worte des Präsidenten strategisch kalkuliert, um ein weiteres Hilfspaket für die Finanzbranche vorzubereiten. Das Paket könnte bis zu 100 Milliarden an Hilfe für in Not geratenen Heimeigner kosten sowie bis zu zwei Billionen für den Aufkauf wertlos gewordener Hypotheken. Angesichts dieser Ausgaben von Steuergeldern will Obama den Eindruck vermeiden, dass er den Bankiers Spielraum lässt, sich zu bereichern und ihrem Luxus zu frönen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare