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Mobilfunk - jetzt auch als Krawattenmotiv.

Auktion

Paukenschlag zum Start der 5G-Versteigerung

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Die 5G-Frequenzen werden versteigert. Neueinsteiger 1&1-Drillisch bringt Spannung in die Auktion.

Mit einer großen Stoppuhr hat der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, am Dienstag die Auktion der Funkfrequenzen für die neue superschnelle Mobilfunktechnik 5G gestartet. Neben den drei großen etablierten Netzbetreibern (Deutsche Telekom, Vodafone, Telefonica/O2) tritt 1&1-Drillisch an. Der Neueinsteiger hat dann auch gleich in der ersten Runde für einen Paukenschlag gesorgt. Er gab die mit weitem Abstand höchsten Gebote mit einem Volumen von insgesamt 207 Millionen Euro ab. Das war ganz im Sinne von Hohmann: „Die Unternehmen sollen über ihr Bietverhalten zeigen, was ihnen die Frequenzen wert sind.“ Nach sechs Runden lag die Gesamtsumme der Gebote am Nachmittag schon bei rund 327 Millionen Euro. Wie viel insgesamt zusammen kommen wird, lässt sich nur schwer abschätzen.

Fachleute rechnen mit drei bis fünf Milliarden Euro. Das Geld will der Bund in den Digitalausbau stecken, etwa in eine bessere Ausstattung von Schulen. Die geradezu legendären Einnahmen aus der ersten großen Mobilfunkauktion im Jahr 2000, als rund 100 Milliarden D-Mark flossen, dürften bei Weitem nicht erreicht werden. Das ist auch gut so. Denn alle Seiten sind sich heute einig, dass die exorbitanten Staatseinnahmen damals ein Fehler waren – dadurch fehlte der Telekommunikationsbranche Geld für Investitionen weshalb es mehr Funklöcher gab als gedacht.

Die Auktion wird mutmaßlich mehrere Wochen dauern. Alle 41 Frequenzblöcke werden bei der Versteigerung gleichzeitig aufgerufen. In einer ehemaligen Kaserne in Mainz sitzen die vier Bieterteams, die keinerlei Kontakt miteinander haben dürfen, um Absprachen zu verhindern. In jeder Runde kann jedes Team für jeden Block ein Gebot abgeben. Danach wird die höchste Offerte publik gemacht. Wird für einen Block in einer Runde kein neues Gebot abgegeben, ist der Frequenzabschnitt an den Höchstbietenden aus der Vorrunde vergeben.

Klar ist, dass 5G den Mobilfunk revolutionieren wird. Es werden ganz neue Geschäftsmodelle entstehen, da die Übertragungsgeschwindigkeit von Daten um mehr als das Hundertfache im Vergleich zur aktuell eingesetzten Technik erhöht werden kann. Diese Technik wird zunächst vor allem in der Industrie eingesetzt werden. Etwa zur Überwachung und Steuerung eines Chemiewerks oder für fahrbare Roboter, die Pakete für Online-Händler in einer Lagerhalle zusammenstellen. Aus dem Grund hat die Netzagentur bestimmte Frequenzen für Unternehmen reserviert, die lokal genutzt werden und bei der Versteigerung nicht unter den Hammer kommen.

Die Verbraucher profitieren vor allem von geringeren Downloadzeiten und davon, dass 5G aufgrund seiner großen Kapazitäten überall da Vorteile bringt, wo viele Menschen gleichzeitig mit ihren Smartphone Daten senden und empfangen – beim Open-Air-Konzert oder im Fußballstadion etwa. Mit großen 5G-Netzen wird es aber mutmaßlich bis Mitte des nächsten Jahrzehnts dauern. Die Bundesregierung hat überdies beschlossen, dass die Auktion als Vehikel genutzt werden soll, um schnellen Mobilfunk auf dem Land durchzusetzen. Unternehmen, die Lizenzen ersteigern, müssen bis 2022 mit ihren Netzen jeweils 98 Prozent der Haushalte, alle Autobahnen, die wichtigsten Bundesstraßen und Schienenwege mit 100 Megabit pro Sekunde versorgen.

Gegen diese Auflagen läuft praktisch die ganze Telekommunikationsbranche Sturm – die Netzbetreiber halten die Ausbaupflichten für überzogen. Die Firmen würden „in ein Auflagenkorsett gezwungen, das die Wirtschaftlichkeit der geplanten Investitionen in Frage stellt“, moniert auch der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, Achim Berg.

Unterdessen reißen die Spekulationen über eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch die neue 5G-Technik nicht ab. Am Dienstag forderte die Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz, Inge Paulini, dazu auf, die gesundheitlichen Auswirkungen von 5G zu untersuchen. „Deutlich höhere Datenübertragungsmengen, neue und zusätzliche Sendeanlagen und höhere Frequenzen verändern aber die Strahlungsintensitäten – diese müssen untersucht werden“, sagte Paulini in einem Interview mit der „Passauer Neuen Presse“. Sie betonte zwar, dass auch bei 5G unterhalb der Grenzwerte keine Gesundheitsfolgen bewiesen sind, bemängelte aber, dass vor allem im Bereich der hohen Frequenzen kaum Forschungsergebnisse vorliegen.

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