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Ein Hauch von Silicon Valley weht durch Frankfurt.

Markus Rupprecht

"Start-up ist eine Geisteshaltung"

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Das Finanz-Start-Up Traxpay erobert von Frankfurt aus die USA. Firmenchef Markus Rupprecht über Innovation im Finanzwesen, falsche Preise und Gründerkultur.

Ein Hauch von Silicon Valley weht durch Frankfurt. Immer mehr Start-ups schießen aus dem Boden, insbesondere im Finanzbereich (Fintechs). Ein Pionier der Szene ist Markus Rupprecht, der seine Firma Traxpay bereits 2009 gegründet hat. Inzwischen erobert der Zahlungsdienstleister die USA – und hat einen Standort im Silicon Valley, in Mountain View, dort wo auch Google sitzt. Im Frankfurter Büro gucken allerdings nicht die Google-Gründer von der Wand, sondern Steve Jobs, der legendäre Apple-Boss. Ein Gespräch über Gründergeist und die Rivalität zwischen Fintechs und Banken.

Herr Rupprecht, Traxpay wurde mit Preisen überhäuft. Wofür eigentlich? 
Sehr unterschiedlich. Wir haben Preise für die Produktidee, ihre Umsetzung und für das Management erhalten. Es gibt ja sehr viele Preise, für die man sehr viel Geld bezahlen muss. Damit haben wir völlig aufgehört. Wir gewinnen trotzdem noch Preise, was uns umso mehr freut. So gehören wir nun drei Jahre in Folge zu den 50 angesagtesten Fintechs in Europa. Allerdings ist es uns ungleich wichtiger, dass wir ein gutes Produkt anbieten. Aber für viele Start-ups sind Preise eine gute PR-Möglichkeit. So ging es uns am Anfang auch.

Und was machen Sie genau?
Mit unserer Dynamic Financing Platform können Unternehmen den Zahlungsverkehr mit anderen Firmen optimieren. Ein Beispiel: Im Betreff einer Überweisung gibt es 140 Zeichen. Wenn ein Unternehmen nur eine Rechnung hat, mag das noch gehen. Bei sieben Rechnungen und gegebenenfalls noch Skonto oder anderen Abzügen oder Gegenrechnungen, wird der Prozess sehr viel schwieriger. Das Problem wird durch unsere Plattform gelöst. Wir haben die Effizienz der Rechnungszuordnung automatisiert und verbessert. Nun wollen wir den gesamten Markt der kurzfristigen Liquidität für Firmen revolutionieren. 

Was bedeutet das genau?
Meine Idee war es, die riesige Ineffizienz bei der kurzfristigen Finanzierung von Unternehmen zu beheben, so dass sie schnell und einfach an Geld kommen. Das wollen wir als Partner der Banken tun. Zwar gibt es schon jetzt sehr viele Finanzierungsinstrumente, die aber alle nicht sehr homogen und relativ veraltet sind. Seit zwei Jahren arbeiten wir nun an dieser Vision und haben sie nun erfolgreich bei den ersten Unternehmen umgesetzt.

Gute Ideen haben deutsche Gründer ja. Dennoch scheint das letzte Quäntchen zu fehlen, um beispielsweise mit den USA mitzuhalten. Woran hapert es?
Amerika ist uns vor allem in der Bereitschaft der Menschen, Innovationen auszuprobieren, voraus. In Deutschland wird immer das Haar in der Suppe gesucht. In den USA wird erst einmal probiert, wie gut sie schmeckt, um dann vielleicht zu schauen, ob nicht tatsächlich ein Haar drin schwimmt. Unsere Gesellschaft ist sehr viel skeptischer, sehr viel vorsichtiger. In vielen Bereichen mag das sehr gut sein, aber um Innovationen nach vorne zu treiben, ist es das nicht unbedingt. 

Und in Ihrem Bereich: Liegt es am Zaudern der Banken, mit Fintechs zu kooperieren?
Ich muss explizit sagen, dass sich die Banken in den vergangenen vier Jahren unglaublich geöffnet und sehr, sehr große Schritte gemacht haben, um Innovationen von außen zuzulassen. Mein Eindruck von Banken war immer: träge, langsam, ein bisschen verschlafen und sehr auf dem hohen Ross sitzend. Ich sehe mich selbst noch als Banker, daher ist das auch ein bisschen Selbstkritik. In den vergangenen Jahren haben sich die Banken aber in einem Maße entwickelt, wie ich es ihnen nie zugetraut hätte.

Dennoch haben Sie mit Ihrer Niederlassung im Silicon Valley ein Standbein in den Vereinigten Staaten. 
Sie sehen sofort eine ganz andere Herangehensweise und auch Kreativität. Die entsteht immer nur dann, wenn Sie sie zulassen. Ein Start-up muss per definitionem innovativ sein. Ich glaube auch, dass sich amerikanische Start-ups sehr viel leichter tun, weil die USA diesbezüglich eine sehr viel offenere Kultur haben. 

Haben Sie mit dieser Plattform eine Nische gefunden?
Ja und nein. Es gibt viele Anbieter, die die Banken als Mittelsmann ausschalten wollen. Die meisten großen Plattformen haben kein Problem damit, selbst eine Banklizenz zu beantragen und dann sind die Banken raus. So wie Traxpay aufgesetzt ist, besteht die Möglichkeit nicht, so dass wir immer als Bankpartner agieren werden und müssen, daher gibt es keinen direkten Konkurrenten für uns. Indirekt gibt es sie in den verschiedenen Bereichen schon, aber diese Wettbewerber arbeiten nicht als Partner der Banken und bieten auch nur die eine oder andere Lösung an, während wir alle Lösungen in einer Plattform bündeln.

Vom Feind zum Freund zum Feind der Banken gibt es nicht?
Ich habe immer gesagt, es funktioniert im B2B-Bereich (Geschäfte zwischen Unternehmen, d.R.) nicht, denn es geht um Vertrauen und es geht um sehr, sehr viel Geld. Daher muss die Arbeit im engen Kooperationsverhältnis mit Banken sein. Die Praxis beweist aber, dass es auch anders geht: Ariba, Tradeshift und Taulia sind Handelsplattformen, die ohne Banken auskommen und auch sehr erfolgreich sind. Ich glaube nur, dass dieser Weg sehr viel härter ist als mit einer Bank als Partner.

Fintechs als Partner und Freund der Banken – ist das der Trend für die B2B-Branche?
Es wird ein paar Herausforderer geben, die Erfolg haben können. Sie müssen nur sehr gut sein und sehr erfolgreich, und das geht nicht unbedingt immer einher. Ich glaube, dass die Herausforderer nach und nach verschwinden, weil die Banken doch sehr, sehr viele Vorteile haben: langjährige Bindungen zur Aufsicht, große Rechtsabteilungen und die Treue der Kunden zu ihrer Bank. Denn ein Pfund, mit dem Banken noch immer wuchern können, ist das Vertrauen ihrer Kunden. Trotz Bankenkrise vertrauen immer noch viele Menschen ihrer Bank. Zusammen mit dem Namen der Bank ist das wahrgenommene Qualität und Sicherheit.

Auch bei Kundendaten?
Am Ende des Tages geht es immer um die Frage, wer die Daten bekommt. Jetzt wird dieser Kuchen im B2B gerade neu aufgeteilt. All diese Nicht-Banken stellen mittlerweile schon Leute ein, die diese Daten sehr gut analysieren. Daher geht es jetzt für die Banken darum, sich diese Position als enger Vertrauter ihrer Firmenkunden zu sichern. Wenn das künftig nicht so bleibt und abgesichert ist, dann haben die Banken ein sehr großes Problem. 

Sind Sie noch ein Start-up? Es gibt Traxpay schon eine Weile.
Ich würde ein Start-up immer an der Geisteshaltung festmachen. Deswegen funktioniert es ab einer gewissen Unternehmensgröße auch nicht mehr. Ab 200 Mitarbeitern gibt es viel zu viele Prozesse. Unser Geschäftsmodell ist so ausgerichtet, dass wir nie einen riesigen Mitarbeiterstamm brauchen. Daher hoffe ich schon, dass wir noch sehr lange die geistige Mentalität eines Start-ups haben werden.

Blockchain, eine Technologie zur automatischen und fälschungssicheren Buchführung, ein Trend … oder ein Hype?
Wir können Blockchain. Wir können in all unsere Prozesse eine Blockchain integrieren. Ich bin ein großer Fan der Technologie, aber ich habe noch wenige Bereiche gefunden, wo sie wirklich sinnvoll einzusetzen ist. Heute ist es daher schon auch noch ein sehr großer Hype.

Was hat Traxpay künftig vor?
Ich habe das Unternehmen von Anfang an so aufgesetzt, dass wir international sind. Nachdem wir Deutschland ganz gut bearbeitet haben, haben wir mit der Ausweitung auf Europa begonnen. Die ersten Erfolge dürften sich in diesem Jahr zeigen. Und dann haben wir natürlich die USA im Visier. Im vergangenen August sind wir dort mit unserer Plattform live gegangen. 

Interview: Alexandra Regner

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