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Alles sind glücklich: Jean-Claude Juncker (links), Donald Tusk (rechts) und Shinzo Abe,

Jefta

Starkes Signal aus Tokio

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Das Freihandelsabkommen mit Japan hat Mängel, keine Frage. Doch in Zeiten wie diesen überwiegt die Freude über einen politischen Erfolg. Ein Kommentar.

Donald Trump ist zwar der größte Protektionist der Moderne. Unfreiwillig leistet der unselige US-Präsident aber auch dem Freihandel wichtige Dienste. Ziemlich sicher ist, dass die EU und Japan ihr weitreichendes Abkommen zur Öffnung ihrer Märkte ohne den Rücken- beziehungsweise Gegenwind aus Washington niemals zustande gebracht hätten.

Bei den Ministerien in Tokio standen die Landwirtschaftslobbyisten Schlange, die vor der Konkurrenz durch billige Lebensmittel aus Frankreich, Deutschland oder Dänemark warnen. Nicht so sehr in Deutschland, aber in anderen europäischen Ländern fürchten Autobauer die noch stärkere Konkurrenz von Toyota & Co., wenn die letzten Zölle fallen und die Japaner noch billiger werden. Zudem protestieren Verbraucher- und Umweltschützer sowie Kommunen gegen weitreichende Eingriffe in unser Leben, die bis hin zur gewohnten und gewünschten Trinkwasserversorgung reichen können.

Viele Kritikpunkte sind berechtigt. Insbesondere hätte man sich gewünscht, dass die EU die Lehren aus den Verhandlungen mit Kanada gezogen und das dort vereinbarte Schutzniveau gehalten hätte. Schwerer als all diese Bedenken aber wiegt die Freude über einen politischen Erfolg. In der Ära von Trump gibt es nicht nur Abschottung und Nationalismus. Hier haben sich zwei Wirtschaftsmächte auf gemeinsame Interessen besonnen. Zusammenarbeit und Kompromisse first – das ist ein starkes Signal in diesen Zeiten.

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