Warenhäuser

Städtetag warnt vor Kahlschlag bei Warenhäusern

Offenbar auch Karstadt-Sport-Filialen und Reisebüros vor dem Aus. Experte fordert Entgegenkommen bei den Mieten.

Die radikalen Einschnitte beim Warenhausriesen Galeria Karstadt Kaufhof betreffen einem Bericht zufolge auch die Karstadt-Sport-Filialen und die Reisebüros des Konzerns. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Samstag unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtete, stehen rund 20 der 30 Filialen von Karstadt-Sport vor dem Aus, betroffen wären rund tausend Mitarbeiter. Bei der neu gegründeten Konzerntochter Atrys, welche die Reisebüros von Galeria betreibt, sollen demnach 100 der 130 Reisebüros schließen.

Außerdem soll dem Bericht zufolge allein in der Essener Zentrale von Galeria eine dreistellige Zahl an Jobs wegfallen, dort arbeiten derzeit 1600 Menschen.

Am Freitag waren Pläne bekanntgeworden, bis zu 80 der derzeit noch gut 170 Filialen des Unternehmens bei der anstehenden Sanierung zu schließen. Das sieht der Entwurf eines Sanierungskonzeptes für den Handelsriesen vor, der nach dpa-Informationen dem Gesamtbetriebsrat und Gläubigervertretern vorgelegt wurde. Ein Sprecher des Konzerns betonte, das Unternehmen wolle Spekulationen nicht kommentieren.

Der Deutsche Städtetag sieht die Überlegungen zur Schließung zahlreicher Standorte mit großer Sorge. „Trotz aller Umwälzungen durch den Internethandel und die Folgen der Corona-Krise sind die traditionsreichen Kaufhäuser dieses Handelsunternehmens wichtige Arbeitgeber und Versorgungszentren vor Ort“, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy. Sie zögen Menschen in Innenstädte und nutzten damit auch dem Einzelhandel in ihrem Umfeld. Die Städte seien daran interessiert, die Innenstädte attraktiv zu halten und gleichzeitig möglichst viele Jobs zu sichern. „Deshalb müssen möglichst viele Kaufhausstandorte bestehen bleiben – es darf hier nicht zu einem Kahlschlag kommen“, betonte Dedy. Wenn Häuser tatsächlich nicht weitergeführt werden könnten, seien rasche Gespräche des Unternehmens mit den Städten über eine künftige Nutzung nötig. Es gehe darum, Strategien zu entwickeln, um negative Auswirkungen abzumildern.

Der Infrastruktur-Experte des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Norbert Portz, sagte der Zeitung „Welt“ vom Samstag zu den möglichen Schließungen: „Das wäre ein harter Schlag, zumal wir befürchten, dass es vor allem strukturschwache Kommunen trifft.“ Er fügte hinzu: „Wir müssen retten, was zu retten ist.“ Portz appellierte an die Eigentümer der Immobilien, dem angeschlagenen Handelskonzern bei den Mieten entgegenzukommen.

Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags sieht sich jeder zehnte Einzelhändler hierzulande von Insolvenz bedroht. (afp/dpa)

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