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Der neueste Chef: Peter Goldschmidt führt Stada.

Arzneimittelhersteller

Stada hakt Turbulenzen ab

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Der Machtkampf ist entschieden, jetzt geht es wieder um das Geschäft. Der Arzneimittelhersteller hat seinen Gewinn mehr als verdreifacht.

Der hitzige und lange Machtkampf beim hessischen Arzneimittelhersteller Stada hat in der Bilanz des Unternehmens keine erkennbaren Spuren hinterlassen. Der Hersteller bekannter Marken wie des Grippemittels Grippostad und der Sonnenschutzcreme Ladival hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr um ein Prozent auf 2,33 Milliarden Euro gesteigert, der Gewinn sprang sogar kräftig von 85,3 auf 306,9 Millionen Euro nach oben.

„Wir haben mehr rezeptfreie Arznei mit guter Marge verkauft, wie zum Beispiel Grippostad in Deutschland“, sagte der seit September amtierende Stada-Chef Peter Goldschmidt. Auch Zukäufe wie die Anti-Schuppen-Marke Nizoral und die Markteinführung des Krebsmedikaments Pemetrexed hätten zum Gewinnplus beigetragen. Im Geschäft mit Nachahmermedikamenten (Generika) liefen insbesondere die Geschäfte in Deutschland, Belgien und Italien gut. Rezeptfreie Arzneien verkauften sich in Großbritannien besonders erfolgreich.

Stada soll schneller wachsen

Das Unternehmen aus Bad Vilbel bei Frankfurt hat seit dem Abgang des langjährigen Chefs Hartmut Retzlaff im August 2016 schwierige Zeiten durchgemacht. Investoren lieferten sich einen Machtkampf um die Herrschaft über das Unternehmen. Die Führungskräfte gaben sich die Klinke in die Hand. Innerhalb von etwas mehr als zwei Jahren hatte Stada fünf verschiedene Vorstandschefs. Begleitet wurde all das von schwerwiegenden Vorwürfen gegen frühere Manager (von denen kaum etwas übrig blieb) und PR-Agenturen, die in der Öffentlichkeit für das ein oder andere Lager die Stimmung schürten und sich nicht scheuten, sich dabei die Hände dreckig zu machen.

Inzwischen scheinen die Verhältnisse bei den Bad Vilbelern – bei aller Vorsicht – aber geklärt zu sein. Die Finanzinvestoren Cinven und Bain haben Stada im Sommer für 5,3 Milliarden Euro in ihren Besitz gebracht. Sie halten inzwischen deutlich mehr als 90 Prozent der Anteile und haben damit die volle Kontrolle. Mit Peter Goldschmidt wurde ein Vorstandschef installiert, der sich zuvor beim Schweizer Konkurrenten Sandoz bewährt hat, und der nun wieder Kontinuität ins Unternehmen bringen soll.

Der Neue will das Geschäft kräftig ausbauen. „Wir planen, 2019 weltweit ein paar Hundert Mitarbeiter einzustellen“, sagte Goldschmidt am Dienstag. Während in Marketing und Vertrieb Arbeitsplätze aufgebaut würden, beabsichtige man, in Verwaltung und Produktion Stellen abzubauen oder zu verlagern. „In der Zentrale in Bad Vilbel dürfte die Zahl der Jobs etwa gleich bleiben.“

Übernahmen sind denkbar

Zugleich sei der Konzern bereit für Übernahmen und Kooperationen. „Das können Medikamente sein oder auch ganze Firmen, solange sie in unsere Strategie passen“, so Goldschmidt. Die richtigen Zukäufe seien ein Mittel, um das Unternehmen mit seinen gut 10 400 Mitarbeitern weltweit langfristig und nachhaltig wachsen zu lassen. „Unsere Investoren haben viel Vertrauen in Stada und sind bereit, weiter zu investieren.“

Die Investitionen sind im vergangenen Jahr stark gestiegen: auf rund 422 Millionen Euro, nachdem sie 2017 bei 114 Million Euro gelegen hatten. Ein großer Teil des Geldes wurde für den Rückkauf der Markenrechte am Sonnenschutzmittel Ladival aufgewendet und für den Erwerb der Rechte am Anti-Schuppen-Shampoo Nizoral für die Region Europa, Naher Osten und Afrika. Außerdem entsteht derzeit in Vietnam eine große Produktion.

Dieser Standort wird zum Ziel Goldschmidts beitragen, das Unternehmen wirklich global aufzustellen. „Wir sind in vielen Märkten lokal stark, wollen aber Synergien heben, indem wir etwa Einkauf, Entwicklung und Produktion international stärker vernetzen“, so der Manager. „Stada ist nicht global genug.

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