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Stada baut 1100 Stellen ab

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Von: Daniel Baumann

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Hartmut Retzlaff, Vorstandsvorsitzender des Pharmakonzerns Stada.
Hartmut Retzlaff, Vorstandsvorsitzender des Pharmakonzerns Stada. © dpa

Das Bad Vilbeler Arzneimittelunternehmen Stada kürzt stärker als geplant. Der deutsche Markt macht keine Freude.

Ein bisschen warm war Hartmut Retzlaff am Donnerstag in seinem Anzug. Aber das hatte mehr mit der Raumtemperatur zu tun als mit der Unternehmensentwicklung, die der Vorstandschef der Bad Vilbeler Arzneimittelfirma Stada präsentierte. Die erste Jahreshälfte fiel nämlich zur Zufriedenheit des Unternehmenslenkers aus.

Der Verkäufer der Ladival-Sonnencrème, des Erkältungsmittels Grippostad und von mehr als 900 weiteren pharmazeutischen Wirkstoffen hat in der ersten Jahreshälfte mehr Geld eingenommen und den Gewinn deutlich steigern können. In der Bilanz macht sich das seit dem Jahr 2010 laufende Sparprogramm bemerkbar, mit dem das Unternehmen seine Profitabilität erhöhen wollte.

Zum Opfer gefallen sind dem Programm viele Arbeitsplätze. Insgesamt wurden, so Finanzvorstand Helmut Kraft, etwa 1100 Vollzeitstellen abgebaut. Geplant war ursprünglich ein Abbau von etwa 800 Arbeitsplätzen. „Es ist uns gelungen, mehr Stellen abzubauen als ursprünglich geplant“, sagte Kraft. Eigentlich sollte das Abbauziel bis Ende dieses Jahres umgesetzt, konnte aber inzwischen schon erreicht werden. Zum Ende des vergangenen Jahres beschäftigte Stada weltweit knapp 7800 Mitarbeiter.

Nun werden aber vermutlich wieder neue Beschäftigte hinzukommen. Um das Wachstum zu stärken will das Unternehmen den britischen Anbieter von verschreibungsfreien Markenarzneimitteln Thornton & Ross übernehmen, und zwar „mit Mann und Maus“, wie Stada-Chef Retzlaff sagte. Die Briten könnten fast 80 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz und etwa 425 Mitarbeiter ins Unternehmen mitbringen. Sie sollen künftig ein Exzellenzzentrum für verschreibungsfreie Arzneimittel aufbauen. Noch allerdings ist die Übernahme nicht unter Dach und Fach. Es gebe aber „keine Zweifel“, dass der Deal gelingen wird. Stada erwartet den Vollzug bis Ende September.

Mit Thornton & Ross können die Bad Vilbeler ihre Auslandspräsenz verstärken, eine Strategie, die die Firma seit Jahren verfolgt. Neben Deutschland gehören Russland, Italien, Belgien und Spanien zu den wichtigsten Märkten. Der Heimatmarkt bereitet immer weniger Freude, seine Bedeutung für Stada nimmt ab. Nur noch ein Viertel des Umsatzes wird hierzulande generiert. Insbesondere das Generikageschäft ist durch die Vertragsausschreibungen der Krankenkassen stark unter Druck gekommen.

Harter Preiswettbewerb

Wie viele andere Anbieter hat auch Stada Einnahmen und Margen verloren. Es wird beklagt, dass sich mit manchen Präparaten schon gar kein Geld mehr verdienen lasse. „Es gibt eine Marge in Deutschland, sonst würden wir nicht mitbieten“, sagt aber Retzlaff.

Ähnlich schwierig wird es nun wohl bei Biosimilars. Dabei handelt es sich um biotechnologisch hergestellte Arzneimittel, die ihren Patentschutz verloren haben und ebenfalls von anderen Unternehmen angeboten werden können. Die Produktion von Biosimilars ist aber aufwändiger. Es können nicht einfach verschiedene chemische Komponenten zu einer Pille gepresst werden. Deswegen müssen die Hersteller viel Geld in die Entwicklung investieren. Zuletzt haben sich einige Unternehmen aus dem Geschäft zurückgezogen, weil sie erwarten, dass sie die Investitionen nicht wieder werden einspielen können.

Stada-Chef Retzlaff geht davon aus, dass es bei Biosimilars einen genauso harten Preiswettbewerb geben wird wie bei den Generika. „Was umso mehr dafür spricht, hier nicht hunderte Millionen in die Entwicklung zu stecken“, so der Stada-Chef. Stattdessen setzt er darauf, von anderen Firmen Vermarktungslizenzen zu kaufen.

Für die Patienten und Krankenkassen ist es kritisch, wenn nur wenige Unternehmen Kopien von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln auf den Markt bringen. Langfristig könnte das bedeuten, dass es nur einen kleinen Kreis von Anbietern geben wird, der die Preise dann eher hochhalten kann.

Trotz der Probleme im deutschen Markt will Stada in diesem Jahr die zwei Milliarden-Umsatzgrenze knacken. Der Konzerngewinn lag im ersten Halbjahr bei 66 Millionen Euro. Er stieg damit um 38 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, als er wegen Abschreibungen ungewöhnlich niedrig war. Ohne die Sondereffekte war der Gewinnzuwachs allerdings weniger stark, der Gewinn stagnierte.

Verwirrende Signale gab es, was die Unternehmensführung betrifft. Im Mai hatte Stada Matthias Wiedenfels als viertes Mitglied in den Vorstand berufen und das damals damit begründet, dass damit der „gestiegenen Unternehmensgröße und der daraus resultierenden Aufgabenfülle der einzelnen Vorstandsmitglieder Rechnung getragen“ werde. Nach dem unerwarteten Rücktritt von Axel Müller in dieser Woche ist auch ein dreiköpfiger Vorstand wieder denkbar. Müller hinterlasse ein gut bestelltes Feld, so Retzlaff. Man könne deshalb vorerst auch mit einem dreiköpfigen Vorstand weiterarbeiten. Das Ressort Produktion und Entwicklung wurde auf die verbliebenen Vorstände aufgeteilt.

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