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Stada ändert Grippostad-Werbung

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Von: Martin Rücker

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Die Sonne scheint durch das Firmenlogo von Stada an einem der Gebäude am Firmensitz des Arzneimittelherstellers.
312042947.jpg © dpa/(Archivbild)

Medikament kaufen, Gratis-Film streamen: Nach einer FR-Recherche über diese ungewöhnliche Werbung hat die Wettbewerbszentrale Hersteller Stada abgemahnt. Der hessische Pharmakonzern musste seine Kampagne ändern – fand aber einen Weg, sie fortzusetzen.

Die Aktion war ungewöhnlich – und wohl auch unzulässig. „Erhalte mit jeder Packung einen gratis Film!“: So hatte der Pharmakonzern Stada rezeptfreie Medikamente wie das umstrittene Erkältungsmittel Grippostad beworben. Anlässlich einer Recherche der Frankfurter Rundschau zu dieser Kampagne mahnte die Wettbewerbszentrale das Unternehmen mit Sitz in Bad Vilbel ab. Inzwischen hat Stada eine Unterlassungserklärung abgegeben und seine Werbung geändert.

Hintergrund ist das restriktive Heilmittelwerbegesetz, das Beigaben wie Gutscheine oder Spielzeug bei Medikamenten grundsätzlich verbietet – anders als etwa bei Süßwaren oder Spülmittel. Ausgenommen sind lediglich solche „Werbegaben“, die als „geringwertige Kleinigkeiten“ durchgehen. In der Rechtsprechung bedeutet dies in der Regel: Ihr Wert darf nicht über einem Euro liegen. Diese Grenze hatte Stada überschritten.

„Aktion angepasst“

Wer Grippostad und andere rezeptfreie Medikamente kauft, erhält im Aktionszeitraum einen Gutschein zum Streamen eines Films von Videobuster. Die Seite der Onlinevideothek zeigt: Je nach Film und Streamingqualität kostet ein solcher Stream meist mehr als einen Euro. Sowohl Verbraucherschützer:innen als auch die Wettbewerbszentrale hatten die Werbeaktion daher als Verstoß gegen das Gesetz eingeordnet. Kurz nach einer Anfrage der FR mahnte die Wettbewerbszentrale Stada ab.

Am 12. Dezember gab das Unternehmen schließlich klein bei und unterzeichnete eine Unterlassungserklärung. Zuvor hatte auch das Hessische Sozialministerium Kontakt zum Unternehmen aufgenommen. Mit der erfolgreichen Abmahnung war der Fall für die Aufsichtsbehörden jedoch offenbar erledigt.

Stoppen muss Stada seine Streaming-Kampagne damit allerdings nicht. „Die Aktion wurde angepasst“, erklärte die Pressestelle des Konzerns, alle jetzt angebotenen Gratis-Filme lägen „unter einer Wertgrenze von einem Euro“. Die Gutscheine gelten demnach für eine Auswahl von 80 Filmen in begrenzter Streaming-Qualität, so dass der Gegenwert die Geringfügigkeitsgrenze einhält. Die Wettbewerbszentrale setzte außerdem durch, dass die Einschränkung der Aktion transparenter kommuniziert wird und Kunden und Kundinnen nicht davon ausgehen, auf das ganze Sortiment der Videothek zugreifen zu können.

Grippostad gehört in Deutschland zu den meistverkauften Erkältungsmitteln. Viele Fachleute raten jedoch von Kombipräparaten mit mehreren Wirkstoffen ab, entsprechend war auch die offensive Stada-Werbung auf Kritik gestoßen. Ob Coupons und Beigaben künftig beim Arzneimittelmarketing zum Alltag gehören? Die Agentur Caspar Company, die die Streaming-Aktion für Stada umgesetzt hatte und die auf Prämienaktionen und Packungsbeigaben spezialisiert ist, ließ eine Anfrage dazu unbeantwortet.

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