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Auch der Papst fliegt mit Alitalia. Geholfen hat es der Airline bislang aber nicht.

Alitalia-Krise

Staatsbahn soll Alitalia retten

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Die Ferrovie dello Stato haben offenbar auf Drängen der Politik ein Übernahmeangebot für die defizitäre Airline abgegeben. Damit würden einmal mehr die Steuerzahler zur Kasse gebeten.

Es klingt wie ein schlechter Witz, ist aber keiner: Nachdem sich in den eineinhalb Jahren seit dem Fast-Konkurs kein Käufer für die Alitalia hat finden lassen, soll nun die italienische Staatsbahn einspringen, um die chronisch marode nationale Airline vor dem Untergang zu retten. Die Ferrovie dello Stato, die sich zu 100 Prozent im Besitz des Staats befinden und von diesem mit jährlich drei Milliarden Euro subventioniert werden, haben kurz vor Ende der Bieterfrist in der vergangenen Woche ein verbindliches Übernahmeangebot für die Alitalia abgegeben. Nach Angaben des Sonderverwalters gibt es zwei Angebote und eine Interessensbekundung.

Das Übernahmeangebot der Bahn war erwartet worden: Die populistische Regierung in Rom will einen Konkurs der Alitalia unter allen Umständen verhindern. Die beiden Vize-Premiers Luigi Di Maio von der Protestbewegung Fünf Sterne und Matteo Salvini von der rechtsradikalen Lega hatten sich in den letzten Wochen für eine „italienische Lösung“ bei dem fliegenden Milliardengrab Alitalia ausgesprochen. Di Maio hatte schon vor zweieinhalb Wochen angekündigt, die Regierung wolle mit der staatlichen Eisenbahn und einem internationalen Partner die Fluggesellschaft wieder flott machen.

Sanierungsplan von Etihad abgelehnt

Der internationale Partner – also eine große ausländische Airline – konnte bisher allerdings nicht gefunden werden. Die Lufthansa hatte zwar ihr Interesse bekundet, wollte aber nur bei einer sanierten Alitalia mit verringertem Personalbestand einsteigen. Das gilt auch für die US-Gesellschaft Delta Airlines und den britischen Billigflieger Easyjet.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr stellte jüngst noch einmal klar, dass sich an der negativen Einschätzung nichts geändert habe: „Eine Investition mit dem italienischen Staat oder einem Unternehmen in Staatsbesitz kommt für uns nicht in Frage.“

Die Alitalia wurde im Mai 2017 unter die staatliche Zwangsverwaltung von drei Regierungskommissaren gestellt, nachdem sie auch unter der Führung der arabischen Etihad Verlust an Verlust gereiht hatte und das Alitalia-Personal in einer Abstimmung einen von Etihad vorgelegten Sanierungsplan abgelehnt hatte. Gleichzeitig stellte die damalige Regierung von Paolo Gentiloni der Fluggesellschaft zwei Überbrückungskredite von 300 und 600 Millionen Euro zur Verfügung, um die Flugzeuge in den Nationalfarben in der Luft zu halten, bis ein Käufer an die Stelle von Etihad getreten wäre.

Ob und wie die geplante Übernahme der Alitalia durch die Bahn im Detail vonstattengehen soll, ist noch nicht bekannt. Allgemein wird angenommen, dass die Regierung ihren Überbrückungskredit in Aktien umwandeln wird und damit in Zukunft rund 15 Prozent der Anteile der Airline halten wird. Das übrige Kapital wird wohl zunächst die Bahn übernehmen, zumal andere staatliche oder staatsnahe potenzielle Investoren – etwa die Cassa Depositi e Prestiti, der Energiekonzern Eni oder der Rüstungskonzern Leonardo (früher Finmeccanica) – ebenfalls schon abgewinkt haben.

Die Alitalia, die in Luftfahrtkreisen als nahezu hoffnungsloser Fall gilt, hat die italienischen Steuerzahler in den vergangenen Jahren schon mehr als neun Milliarden Euro gekostet. Derzeit verbrennt sie täglich fast zwei Millionen Euro: 2017 flog sie einen Verlust von über 600 Millionen Euro ein, im laufenden Jahr rechnet das Management mit einem Fehlbetrag von einer weiteren halben Milliarde.

Mit einer Übernahme durch die staatliche Bahn würden zumindest indirekt einmal mehr die Steuerzahler zur Kasse gebeten. Experten rechnen damit, dass bei einer Integration der Alitalia anschließend das Geld für die Modernisierung der Regionalzüge fehlen würde und, dass die Bahn außerdem überzähliges Alitalia-Personal aufnehmen müsste. Und ob die Wettbewerbsaufsicht bei der EU-Kommission einer weiteren, wenn auch verkappten, staatlichen Rettung zustimmen wird, muss sich erst noch weisen.

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