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Zentrale der Commerzbank in Frankfurt. Das Institut steckt noch immer in der Restrukturierung.

Commerzbank

Staatliches Verlustgeschäft

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Seit zehn Jahren ist der Bund Aktionär der Commerzbank. Eine stille Einlage und ein Aktienpaket sichern das Überleben der Bank. Für die Steuerzahler hat sich das bisher nicht gelohnt.

Am Anfang war es nur eine stille Beteiligung. 8,2 Milliarden Euro hatte der Bund über den Bankenrettungsfonds Soffin Anfang November 2008 der Commerzbank als Kapitalspritze gewährt. Nur so konnte sie die vom damaligen Vorstandschef Martin Blessing angestoßene und gepriesene Übernahme der Dresdner Bank für sechs Milliarden Euro stemmen. Die Finanzkrise kam Blessing in die Quere. Die Commerzbank war nach dem Beginn der Turbulenzen kurz nach der Übernahme und der dramatischen Talfahrt an den Finanzmärkten selbst in Gefahr geraten und drohte in den Abgrund zu stürzen.

Jene gut acht Milliarden Euro erwiesen sich aber schon Anfang 2009 als nicht ausreichend. Der Soffin genehmigte dem Geldhaus eine weitere stille Einlage in Höhe von 8,2 Milliarden Euro. Und er stieg völlig überraschend am 8. Januar 2009 mit 25 Prozent und einer Aktie als größter Aktionär bei der Commerzbank ein.

Es war das erste Mal überhaupt, dass sich der Bund an einer privaten Großbank als Anteilseigner beteiligte und einen Vertreter in den Aufsichtsrat entsandte. Für den Bund sitzt dort heute mit Markus Kerber erstaunlicherweise nicht ein Staatssekretär aus dem Bundesfinanz-, sondern aus dem Bundesinnenministerium.

5,1 Milliarden Euro legte die Regierung für den Kauf des Aktienpaktes auf den Tisch. Die neuerliche stille Einlage und die Beteiligung waren unumgänglich geworden, weil das Eigenkapital beider Institute stark geschmolzen war und Papiere in ihren Beständen massiv an Wert verloren hatten.

Die Beteiligung des Bundes ist gleichwohl auf heute noch 15,6 Prozent gesunken. Zum einen hat er im Frühjahr 2013 Aktien im Volumen von 625 Millionen Euro verkauft, was ihm, wie Beobachter damals ausrechneten, einen Verlust von 2,2 Milliarden Euro bescherte, weil der Kurs der Commerzbank-Aktie dramatisch gefallen war. Zum anderen hat sich die Regierung nur an einer von zwei – notwendigen – Kapitalerhöhungen der Commerzbank beteiligt. Im Mai 2013 und im April 2015 sammelte das Institut insgesamt fast vier Milliarden Euro an frischem Geld ein. Letztlich schrumpfte die Beteiligung des Bundes von 25 Prozent plus einer Aktie auf die heutige Quote von 15,6 Prozent. Zweitgrößter Aktionär ist im Übrigen der Finanzinvestor Cerberus mit fünf Prozent.

Die stille Einlage hat die Commerzbank 2011 und 2013 komplett zurückgezahlt. Die eigentlich darauf fälligen Zinsen wurden aber nur einmal überwiesen und einmal pauschal mit einer Milliarde Euro abgegolten. Und nur einmal hat der Bund seit 2009 wie alle anderen Aktionäre von der Bank eine Dividende erhalten. 2005 überwies das Institut 20 Cent pro Aktie.

Faktisch sitzt der Bund aktuell nach Berechnungen von Dieter Hein, Bankenanalyst bei Fairresearch, auf einem Buchverlust von 3,7 bis 3,8 Milliarden Euro. Rund 5,1 Milliarden Euro wurden für die Aktien ausgegeben, heute ist das Paket von 15,6 Prozent bei einem gesamten Börsenwert der Bank von rund 7,7 Milliarden Euro nur noch etwa 1,2 Milliarden Euro wert. Kostete die Aktie am 8. Januar 2009 noch 27,30 Euro, sind es heute nur noch 6,10 Euro, auch deshalb weil die Bank im September 2018 aus dem Kreis der 30 wichtigsten deutschen Konzerne ausgeschieden ist, deren Aktien im Deutschen Aktienindex gelistet sind. Der Kurs müsste sich also fast vervierfachen, damit der Bund zumindest ohne Verlust aus dem Engagement herauskommen könnte.

Auch wenn es aus dem Berliner Finanzministerium in den vergangenen Jahren immer wieder hieß, man wolle die Commerzbank-Aktie nicht auf Dauer halten, gibt es keine Hinweise auf einen bevorstehenden Verkauf. Bundesfinanzminister Olaf Scholz will über die Beteiligung möglicherweise auch einen Zusammenschluss von Deutscher und Commerzbank vorantreiben, obwohl beide Seiten ihren beiden Vorstandschefs zufolge davon aktuell nicht wissen wollen. Laut Hein besteht aber allein schon aufgrund der sprudelnden Steuereinnahmen keine Notwendigkeit für einen Verkauf der Commerzbank-Aktien.

Zudem stecke das Institut immer noch in der Restrukturierung. Bis Ende 2020 werden unter anderem 7300 Jobs gestrichen. Nur an ihrem Filialnetz will die Bank nicht rütteln. Immerhin soll 2018 wieder ein Gewinn eingefahren worden sein. Vorstandschef Martin Zielke jedenfalls will den Aktionären und damit auch dem Bund endlich wieder eine Dividende überweisen. Es dürften wie 2015 wieder 20 Cent sein. Mehr als ein Trostpflaster ist es für den Bundesfinanzminister nicht.

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