Notkredit

Staat kommt Adidas zu Hilfe

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Vor drei Wochen noch musste sich Adidas wegen verweigerter Mieten massiv schelten lassen. Jetzt braucht der Dax-Konzern eine Finanzspritze zum Überleben.

Vor drei Wochen war der Sportartikler Adidas als hässliches Gesicht der Corona-Krise ausgemacht. Der reiche Dax-Konzern aus Herzogenaurach wollte Mieten für heimische Adidas-Shops nicht mehr zahlen und das nach einem Rekordjahr 2019 mit 23,6 Milliarden Euro Umsatz und zwei Milliarden Euro Gewinn. Mieten verweigern, das geht nur bei wirklich Bedürftigen, war allgemeiner Tenor. Binnen kurzem ist der weltgrößte Sportartikler hinter US-Branchenführer Nike nun so bedürftig geworden, dass er einen im Wesentlichen staatlichen Notkredit über drei Milliarden Euro braucht. „Die aktuelle Situation stellt sogar gesunde Unternehmen vor ernsthafte Herausforderungen“, erklärt Konzernchef Kasper Rorsted.

Sportartikelläden gelten in Pandemiezeiten nicht als systemrelevant und sind geschlossen. Bei Adidas fallen damit in einer aktuellen Momentaufnahme 60 Prozent aller Umsätze weg. Auf das Jahr gerechnet wären das gut 14 Milliarden Euro. Dass Adidas nicht an kurzfristige Umsatzausfälle glaubt, sieht man an der Laufzeit des Kredits von staatlicher KFW-Förderbank und eines privaten Bankenkonsortiums bis Juli 2021.

Wenn aber über längere Zeit mehr als die Hälfte aller Umsätze wegbrechen, braucht es kein abgeschlossenes Studium der Betriebswirtschaftslehre, um zu wissen, dass Adidas 2020 keine Gewinne mehr erwirtschaften sondern von der Substanz leben wird. Auch flüssige Mittel von Ende 2019 noch 2,2 Milliarden Euro sind in einer solchen Lage schnell aufgezehrt. Zudem kann man den Franken aktuell nicht vorwerfen, nicht zu sparen, wo es geht. Die sechsköpfige Vorstandsriege unter Rorsted verzichtet 2020 auf alle Boni, was zwei Drittel ihres Gehalts entspricht. Auch die zweite Managementebene darunter übt Verzicht. Für die Laufzeit des im Übrigen zu marktüblichen Konditionen verzinsten Notkredits gibt es keine Dividende für Aktionäre, was allein rund eine Dreiviertelmilliarde Euro ausmacht. Ein Aktienrückkaufsprogramm wurde gestoppt. 1200 der hierzulande 7700 Adidas-Beschäftigten sind in Kurzarbeit.

Unter dem Strich dürfte sich das auf Sparmaßnahmen in Milliardenhöhe summieren. Das reicht aber nicht. Genaueres wird man bei der um zehn Tage vorgezogenen Bekanntgabe von Quartalsergebnissen Anfang übernächster Woche erfahren. Aber die Lage ist ernst. Das zeigt eine Äußerung des Chefs der für Adidas zuständigen Gewerkschaft BCE, Michael Vassiliadis. Der Notkredit sei „ein großer Schritt in Richtung Beschäftigungssicherung“, betont er. Adidas-Betriebsratschef Kurt Wittmann unterstreicht das. „Unser Hauptanliegen ist der Schutz von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, sagt er mit Blick auf weltweit 60 000 Beschäftigte.

Adidas steht in der Branche nicht allein. Auch der fränkische Lokalrivale Puma braucht Staatshilfe. „Wir ergreifen Maßnahmen zu Sicherung zusätzlicher Finanzierung“, erklärt das Unternehmen auf Anfrage. Dazu greife man auf ein Bankenkonsortium und die KFW zurück, um mehr Liquidität zu marktüblichen Finanzierungskonditionen bereitstellen zu können. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Puma einen Notkredit erhält, heißt das.

Umsatzeinbruch in China

Einen Vorgeschmack auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise für Sportartikler wie Adidas hat China geliefert. An diesem überaus wichtigen Markt dürften die Umsätze im ersten Quartal 2020 um rund 80 Prozent gesunken sein, was allein rund eine Milliarde Euro weniger Jahreserlös bedeutet, hatte Konzernchef Kasper Rorsted jüngst vorgewarnt. Dazu kommt, dass das China-Geschäft für die Marke mit den drei Streifen mit das profitabelste überhaupt ist. 

Zudem weiß man in Herzogenaurach, dass bei einem Auftauen der Wirtschaft Sportschuhe und Trikots nicht das Erste sein dürften, wonach verschreckte Konsumenten greifen. Denn die Pandemie verursacht wohl noch monatelang anhaltende Jobängste. Da kaufen Konsumenten auch bei wieder öffnendem Handel nur, was sie wirklich brauchen. Adidas oder auch Lufthansa und TUI werden nicht die einzigen Großkonzerne sein, die Corona-Hilfen brauchen.

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