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Spitzengespräch mit Bombardier

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Von: Thorsten Knuf

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Im Ringen um Tausende Jobs bei Bombardier war ein Spitzengespräch im Bundeswirtschaftsministerium anberaumt.
Im Ringen um Tausende Jobs bei Bombardier war ein Spitzengespräch im Bundeswirtschaftsministerium anberaumt. © dpa

Wirtschaftsminister Gabriel ist um Job-Rettung bemüht und schaltet sich in den Konflikt um die Jobs beim Bahntechnikhersteller Bombardier ein. Deutschland soll Produktionsstandort bleiben.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) schaltet sich in den Konflikt zur Rettung der Jobs beim Bahntechnikhersteller Bombardier in Deutschland ein. Am späten Montagnachmittag empfing Gabriel Konzernchef Laurent Troger zu einem Spitzengespräch in Berlin. Daran sollten auch die Ministerpräsidenten Brandenburgs und Sachsens, Dietmar Woidke (SPD) und Stanislaw Tillich (CDU), teilnehmen. Beide Länder wären von einem Kahlschlag bei der Bombardier-Fertigung in Deutschland besonders betroffen. Der kanadische Konzern, der sein weltweites Zug-Geschäft von Berlin aus steuert, beschäftigt hierzulande in der Bahnsparte 8500 Mitarbeiter.

Gabriels Ministerium machte am Montag vor dem Treffen deutlich, wie ernst der Ressortchef das Thema nimmt. „Bombardier Transportation kommt in Deutschland eine führende Rolle bei der Entwicklung und Fertigung von modernen Schienenverkehrstechnologien zu“, hieß es. Das Unternehmen trage zur Sicherung von Jobs in der traditionell in Deutschland angesiedelten Bahnindustrie bei und fördere eine nachhaltige Mobilität „made in Germany“. Ministerpräsident Woidke sagte: „Ich hoffe, dass wir im Gespräch bleiben und möglichst gute Ergebnisse erzielen.“

Bombardiers Zugsparte leidet seit Jahren unter beträchtlichen Ertragsproblemen. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, die Produkte werfen aber zu wenig Geld ab. Das Management will das Unternehmen umstrukturieren und hat umfangreiche Stellenstreichungen ins Auge gefasst. Weltweit hat das Unternehmen 40 000 Beschäftigte. 5000 Jobs werden für entbehrlich betrachtet – ein Großteil davon in Deutschland. Das zweite große Standbein des kanadischen Konzerns neben der Schienenfahrzeug-Technik ist der Flugzeugbau.

Tiefgreifende Einschnitte

Was genau Bombardier bei seiner Zugsparte plant, ist bisher nicht bekannt. Das „Handelsblatt“ zitierte am Montag aber aus einem internen Unternehmenspapier, wonach dem Standort Deutschland „tiefgreifende Einschnitte“ bevorstehen. Alle sieben deutschen Werke könnten in reine Entwicklungszentren umgewandelt und die Produktion in andere Länder verlagert werden.

Entschieden ist all das bisher freilich noch nicht. „Langfristig wird Bombardier Deutschland der entscheidende Engineering-Standort des Unternehmens werden“, heißt es in dem Papier. In den kommenden Monaten würden die Kernkompetenzen jedes einzelnen Standorts überprüft. Auch die Schließung von Standorten sei eine Option – „insbesondere Görlitz und Bautzen“. Dort arbeiten fast 3200 Menschen für Bombardier.

BT-Deutschlandchef Michael Fohrer hingegen versicherte am Montag: „Deutschland wird für Bombardier auch in der Zukunft nicht nur ein entscheidender Standort für die Entwicklung, sondern auch für die Produktion und Wartung von Bahntechnik bleiben.“

Von den sieben deutschen Bombardier-Standorten liegen vier in Ostdeutschland. Darüber hinaus gibt es Standorte in Mannheim, Siegen, Braunschweig und Kassel. In Kassel baut und entwickelt Bombardier mit 700 Mitarbeitern Lokomotiven.

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