Spielwaren

Pleiten bremsen Simba Dickie

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Fränkischer Spielwarenhersteller will mit Zukäufen gegensteuern.

In der Spielwarenbranche tun sich derzeit auch die Größen schwer. So kämpft der globale Branchenführer Lego darum, wieder in die Spur zu kommen. Bei der Fürther Simba Dickie-Gruppe als Deutschlands führendem Spielwarenhersteller geht es komplett in die falsche Richtung. „Wir haben ein bewegtes Jahr 2018 hinter uns“, umschreibt Finanzchef Manfred Duschl die Misere. Das Familienunternehmen, das 20 Marken wie Big (Tretroller) und Schuco (Modellautos), Zoch (Brettspiele) und Eichhorn (Holzspielzeug) kontrolliert, wollte die Umsätze wieder steigern. Was kommt, ist der erste Rückgang bei den Erlösen seit Jahren. 

616 Millionen Euro werden es in der Gruppe voraussichtlich im Anfang April endenden Geschäftsjahr 2018/19, räumen Duschl und Familienpatriarch Michael Sieber ein. Das sind knapp fünf Prozent weniger als im Vorjahr und acht Prozent weniger als die eigentlich angepeilten rund 670 Millionen Euro. Die Gründe lägen bei jüngsten Pleiten im Spielwarenhandel wie der von Toys R us, die Simba Dickie in vielen Ländern Europas um Absatzkanäle beraubt haben. 

Besser wird es 2019 nicht, fürchtet Duschl. „Es ist nicht auszuschließen, dass von Marktteilnehmern noch die eine oder andere Überraschung kommt“, sagt er vielsagend und meint damit weitere Pleiten im Handel. Namen von Kandidaten wollen die Fürther nicht nennen, schon um nichts herbeizureden. 

Dabei ist es am Heimatmarkt 2018 passabel gelaufen. Etwa zwei Prozent mehr Umsatz auf etwa 3,2 Milliarden Euro haben Spielwarenverbände im Vorfeld der nächste Woche in Nürnberg beginnenden Spielwarenmesse gemeldet. In wichtigen europäischen Märkten standen aber dicke Minuszahlen zu Buche. 

Simba Dickie will sich gegen die Entwicklung stemmen und hat dazu einige Baustellen eröffnet. So versuchen sich die Franken nun parallel am anspruchsvollen Einstieg in den USA, am Aufbau eines Entertainment-Geschäfts und an der Beteiligung an einer Handelskette. Letzteres ist Franz Carl Weber in der Schweiz. Simba Dickie hat die Kette zusammen mit einem Schweizer Experten für E-Commerce übernommen. 

Sein Familienunternehmen wolle damit nicht im großem Stil zum Händler werden, versucht Sieber bestehende Handelspartner zu beruhigen. Zugegriffen habe man unter anderem, weil den Schweizern sonst auch eine Pleite gedroht und man einen weiteren großen Verkaufskanal verloren hätte. Zudem könne man nun Erfahrungen im Handel und E-Commerce sammeln. 

Insgesamt 80 Millionen haben die Fürther 2018 investiert und das vor allem in Zukäufe, deren größter der US-Modellautohersteller Jada war. Bei Jada übernehme man aber nicht nur ein funktionierendes Management, das weiß, wie man in den USA Spielzeug verkauft, erklärte Firmensproß Florian Sieber als designierter Nachfolger seines Vaters den Erwerb. Jada habe auch gute Kontakte zu Hollywood. Die Fürther glauben das nutzen zu können, um besser an begehrte Lizenzen zu kommen. 

Die Spielwarenbranche macht im Schnitt ein Fünftel ihres Geschäfts mit Lizenzprodukten im Fahrwasser erfolgreicher Kinofilme. Parallel dazu koproduziert Simba Dickie deshalb nun auch eigene Zeichentrickfilme und Youtube-Serien für Kinder, die eigenes Spielzeug animiert in Szene setzen.

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