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Blau und klimafreundlich: der Hockeyplatz in Krefeld.

Hockeyfeld

Spielen auf Industrieabgasen

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Der Krefelder Hockeyverein hat ein Spielfeld, in dem Kohlenstoff aus CO2 enthalten ist.

Es ist günstig und es ist in Massen vorhanden: CO2. Jährlich bläst die Menschheit rund 30 Milliarden Tonnen davon in die Luft – sehr zum Schaden unseres Planeten. Doch es gibt innovative Lösungen für das CO2-Problem. In Krefeld nutzt ein Hockeyverein ein neues Spielfeld, in dem Kohlenstoff aus CO2 enthalten ist.

Die Hälfte des CO2, das wir ausstoßen, wird von Ozeanen und Ökosystemen an Land gebunden. Die andere Hälfte steht quasi zur freien Verfügung – positiv formuliert. Kohlenstoffdioxid ist aber vor allem der Haupttreiber des dem Klimawandels. Dabei ist Kohlenstoff in Kohlenstoffdioxid gebunden – das Element, das Grundlage allen Lebens auf der Erde ist und hinter dem gewaltige finanzielle Interessen stecken: Die Industrie nutzt Kohlenstoff für die Herstellung von Treibstoffen oder Plastik.

Schier unglaublich mutet es da an, dass CO2 nicht einfach aufgespalten und der enthaltene Kohlenstoff weiterverwendet wird. Die Wahrheit ist: Die derzeit effizienteste Technologie, das Klimagas in etwas Nützliches zu verwandeln, wenden Pflanzen und nicht wir Menschen an. Kohlenstoff aus CO2 herauszulösen, erfordert viel Energie – letztlich würde bei der derzeit möglichen Vorgehensweise mehr Kohlendioxid ausgestoßen, als eingespart. Wir nutzen deshalb Erdöl, in dem ebenfalls Kohlenstoff gebunden ist und das sich wesentlich einfacher verarbeiten lässt. Nur: Bei der Raffinierung von Öl entsteht wieder Kohlendioxid.

Der Werkstoffhersteller Covestro aus Leverkusen hat zusammen mit der RWTH Aachen ein Verfahren entwickelt, das CO2 bei der Herstellung von Plastik verwendet. Das Kohlendioxid stammt von einer benachbarten Firma. Dass dieses CO2 nicht in die Atmosphäre gelangt, ist aber nur ein netter Nebeneffekt. Mehr Kohlendioxid wird eingespart, weil weniger Erdöl zur Herstellung ihres Plastiks nötig ist – ein Fünftel, um genau zu sein. Gemeinsam mit einer Firma, die Beläge für Sportplätze herstellt, haben sie einen Hockeyverein in Krefeld mit einem neuen Spielfeld ausgestattet. Und so spielt der „Crefelder Hockey und Tennis Club“ jetzt auf dem weltersten Plastikboden, der zu einem Teil aus Industrieabgasen besteht.

Noch ist die Produktion nicht groß und das Verfahren längst nicht Standard. Die gute Nachricht ist aber, dass CO2-Verwertung finanziell interessanter wird. Sie einzusetzen, rettet die Welt zwar noch nicht vor dem Klimawandel, aber: Es ist immerhin ein Anfang.

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