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Hauptsitz der Bank Wegelin & CO in St. Gallen in der Schweiz.

Steuerhinterziehung Schweizer Bank

Das Spiel ist aus

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Das älteste Schweizer Geldhaus, die 1741 gegründete Privatbank Wegelin, hat Kunden bei der Steuerhinterziehung geholfen. Nun wird die Bank abgewickelt

Es ist das unrühmliche Ende einer Traditionsbank: Das älteste Schweizer Geldhaus, die 1741 gegründete Privatbank Wegelin, macht ihre Schalter dicht. Die Bank hat zugegeben, US-Kunden bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Bank ihr Geschäft freiwillig infolge der Auseinandersetzung mit den US-Behörden aufgegeben. Die Geschäftsteile außerhalb der USA wurden vom Bankhaus Notenstein übernommen, das zur Raiffeisen-Gruppe gehört.

Das Bankhaus erkannte nun durch eine Vereinbarung mit den US-Behörden an, zwischen 2002 und 2010 US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Der Bank sei bekannt gewesen, dass das Geld dieser Kunden nicht wie vorgeschrieben bei den US-Finanzämtern deklariert waren.

Wegelin erklärte sich bereit, eine Zahlung an die USA in Höhe von rund 74 Millionen Dollar als Strafe und Entschädigung für nicht gezahlte Steuern zu leisten. Im Gegenzug werden die Ermittlungen gegen Wegelin eingestellt. Insgesamt geht es um Vermögen in Höhe von rund 1,2?Milliarden Dollar.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das US-Justizministerium 16?Millionen Dollar von Wegelin beschlagnahmt. Drei Berater des Geldhauses waren beschuldigt worden, Kunden bei der Hinterziehung von Steuern geholfen zu haben. Schon damals hatte die Bank angekündigt, ihre Geschäftstätigkeit einzustellen, sobald der Fall abgeschlossen ist. Um einem ruinösen Strafverfahren zu entgehen, entschlossen sich Wegelin-Chef Konrad Hummler und seine Mitgesellschafter in einem Verzweiflungsakt zum Notverkauf.

Für geschätzt 300 Millionen Franken (250 Millionen Euro) wurde der größte Teil des Geldhauses von der Raiffeisen-Gruppe übernommen. Die führt Wegelins lukratives Geschäft mit wohlhabenden Privatkunden seitdem unter dem Namen Notenstein-Bank weiter. Nur das Geschäft mit US-Kunden, die Steuern verstecken wollten, wurde ausgegliedert und noch unter dem Namen Wegelin weitergeführt. Denn die Notenstein-Bank sollte unbelastet von der dunklen Wegelin-Vergangenheit bleiben.

Der Fall Wegelin könnte einen Stein ins Rollen gebracht haben. Dutzende weitere Banken – überwiegend auch schweizerische – stehen noch im Visier der US-Fahnder, darunter auch die Großbanken UBS und Credit Suisse.

Um derartige Vorfälle in Zukunft auszuschließen, forderte der Münchener Bankenexperte Wolfgang Gerke im Gespräch mit der Berliner Zeitung eine unabhängige zentrale europäische Steuerfahndung. Der Vorschlag der SPD, Schweizer Banken, die in Deutschland Steuerflüchtlinge decken, die Lizenz zu entziehen, begrüßte er grundsätzlich. „Das sollte aber das letzte Mittel sein“, sagte Gerke.

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