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Spendenreiche Weihnachtszeit?

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Von: Hanna Gersmann

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Die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“: 2022 wird das 200-millionste Geschenkpäckchen übergeben.
Die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“: 2022 wird das 200-millionste Geschenkpäckchen übergeben. © obs

Besonders im Dezember wollen viele Menschen in Deutschland nochmal Gutes tun. Doch in diesem Jahr könnte ihre Großzügigkeit geringer ausfallen als sonst.

Sparen sich die Deutschen jetzt auch die Spenden? Üblicherweise sammeln Hospize, Tierschutzvereine, Kirchen und andere, die Gutes tun, im Dezember besonders viel Geld. „20 Prozent des gesamten Spendenaufkommens geben die Bürgerinnen und Bürger im letzten Monat des Jahres“, sagt Max Mälzer. Er ist Geschäftsführer des Deutschen Spendenrates, einem Dachverband von gut 70 gemeinnützigen Organisationen in Deutschland. Doch nun werde alles teurer - Energie, Lebensmittel: „Dieser Dezember wird weniger spendenreich“, prognostiziert Mälzer. Jeder habe weniger Geld in der Tasche. „Das werden wir merken.“

Es ist eine Befürchtung. Noch haben die Deutschen nicht umgedacht beim Spenden, zumindest nicht grundsätzlich. „In den ersten neun Monaten des Jahres ist gespendet worden wie sonst auch, bisher hat die Inflation nicht zugeschlagen“, sagt Mälzer. Kleine Verschiebungen zeichnen sich aber doch schon ab.

Katastrophen und Krisen berühren

„Bis Mitte Juni haben die Deutschen rekordverdächtige 812 Millionen gespendet für Menschen in und aus der Ukraine“, sagt Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das gemeinnützige Organisationen hinsichtlich der Verwendung ihrer Spendengelder prüft. Zum Vergleich: Für die Opfer der Flutkatastrophe kamen in Deutschland im Jahr 2021 Spenden in Höhe von 584 Millionen Euro zusammen. Und auch das war schon enorm.

Überdies brachten die Deutschen in beiden Fällen so viele Sachspenden wie nie zuvor zu Sammelstellen – Kleider, Spielzeug, Möbel. Hilfsorganisationen kamen kaum nach mit dem Sortieren und Lagern, so dass sich die Dinge für sie als schwierig erwiesen und sie dazu aufriefen, besser Geld zu geben.

Wilke spricht von „besonderen Spendenanlässen“. Es sind Katastrophen, Krisen. Das Leid der Betroffenen: in den Nachrichten. Die Bilder entwickelten eine besondere Wucht, da wollten viele helfen, meint Mälzer. Ging das auf Kosten von anderen, etwa zu Lasten von Organisationen, die sich um Soziales, Umwelt, Tierschutz kümmern? Für das Jahr 2022 liegen die genauen Daten natürlich noch nicht vor.

In etwa spendeten die Deutschen pro Jahr aber die hohe Summe von elf Milliarden Euro, sagt Wilke. „Wirtschaftliche Ausschläge machen sich allerdings schon immer bemerkbar.“ So hätte sich in den Corona-Krisenjahren 2020 und 2021, als die Deutschen weniger in Hotels, Restaurants, Läden ausgaben, ein „Solidaritätseffekt“ gezeigt – und neben dem Sparvermögen auch das Spendenvolumen erhöht. Mit der Inflation könne sich das nun wieder ändern. Eines sei dabei aber über die Jahre immer „sehr stabil“: Rund 75 Prozent aller Spenden werden für soziale Zwecke ausgegeben. Der Rest verteile sich im Groben auf Tier- und Umweltschutz, auf Kultur und Sport.

Spenden für den Sport sinken

Vor allem die Spenden für den Sport hätten in den Corona-Monaten „stark nachgelassen“, sagt Mälzer. Das Volumen sei vergleichsweise klein, es mache nur 1,4 Prozent aller Spenden aus. Kleinere Verein seien darauf oft angewiesen. Diese sammelten sie in normalen Zeiten etwa bei einem Fußballturnier, einer Tombola, einem Lauf ein – mit Corona sei das aber im Großen und Ganzen weggefallen. Das treffe die Sportvereine besonders, weil sie in der Pandemie zudem viele Mitglieder verloren haben, so Mälzer.

Claudia Wilke ist bei der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt die Expertin für Fördermittel und Fundraising und berät Vereine aus verschiedenen Bereichen, wie sich Spenden einwerben lassen. „Wer seine Spender gut betreuen und halten will, schickt ihnen eine offizielle Spendenbescheinigung und schreibt einen Dankesbrief, in dem steht, was aus dem Geld geworden ist“, empfiehlt sie.

Die meisten Spender:innen würden noch immer durch Aufrufe per Post gewonnen. Denn die ältere Generation, denen Briefe am besten vertraut seien, spendeten auch am meisten. Um nicht auf Betrüger hereinzufallen, rät Wilke: „Gucken Sie sich die Internetseite der Organisation, die Ihnen schreibt, gut an. Gibt es eine Adresse, einen Ansprechpartner? Und rufen Sie da ruhig mal an, fragen Sie die Leute aus.“ Mälzer empfiehlt: „Lassen Sie sich nicht zu Spenden drängen, auch nicht auf dem Marktplatz oder an der Haustür.“ Am einfachsten mache es sich, wer auf Label achte.

So vergibt das unabhängige, teils staatlich getragene Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen das DZI-Siegel, der Deutsche Spendenrat nach anderen Regeln an seine Mitglieder ein Spendenprüfzertifikat. Die Organisationen werden dafür geprüft. Sie müssen zum Beispiel nachweisen, wie sie das Spendengeld verwenden. Das heißt allerdings nicht, dass nicht ehrlich arbeitet, wer kein Label hat. Denn sie kosten Geld, das wollen sich gerade kleine Organisationen oft sparen.

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